Mitarbeiter des Philips Forschungslabors demonstrieren gegen geplante Schließung

Von: Andreas Gabbert
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Gegen die geplante Schließung: Die Mitarbeiter des Philips Forschungslabors wollen ihre Arbeitsplätze nicht kampflos aufgeben und gingen gestern erneut auf die Straße. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Gesichter waren versteinert, in den Händen hielten die Betroffenen symbolisch Kerzen: „Die Lichter dürfen nicht ausgehen”, lautete die Forderung der Mitarbeiter des Philips Forschungslabors an der Eupener Straße. Die Mitarbeiter sind wütend und fühlen sich vom Konzern im Regen stehen gelassen, weil Philips im Lauf der ersten Hälfte 2010 sein Forschungslabor in Aachen schließen und mit dem Labor im niederländischen Eindhoven zusammenführen will.

Rund 160 Aachener Forscher sollen ihre Arbeit dann in Eindhoven fortsetzen. Die Arbeitsplätze von etwa 70 Mitarbeitern aus den Bereichen Technik und Verwaltung sollen sogar völlig wegfallen. Das hatte der Konzern am 5. Oktober bekannt gegeben.

„Das Schlimme ist, dass weit mehr als 70 Personen von der Schließung betroffen sind”, sagt der Mechaniker Jürgen Mothes und denkt dabei an die Beschäftigten in der Kantine, der Haustechnik und an das Reinigungspersonal. Wie seine Zukunft aussieht, mag sich Mothes noch nicht richtig vorstellen. „Ich weiß nicht, was kommt”, sagt der 50-Jährige mit Sorgenfalten auf der Stirn. Die Weihnachtsgeschenke fallen dieses Jahr kleiner aus.

Mut machen wollte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Angela Hirtz. Mit zitternder Stimme sprach sie darüber, wie sich Anfang Oktober Hoffnungen und Träume vieler Mitarbeiter in Luft auflösten und ihre Welt auf den Kopf gestellt wurde. Nun stehe das Weihnachtsfest vor der Tür und gebe Zeit, sich mit der Situation auseinander zu setzen. Die Mitarbeiter sollten diese Zeit aber auch nutzen, um mit Familie und Freunden zu feiern. „Nutzt diese Zeit für euch, für eure Familien und Freunde, denn sie sind euer Netzwerk, das was euch wirklich hält, trägt und stützt.”

Im Wirtschaftsausschuss hat die Geschäftsleitung inzwischen die wirtschaftlichen Hintergründe der Maßnahme erläutert. Bislang seien die Informationen aber noch nicht ausreichend und zu klärende Fragen noch offen. Diese sollen dann auf der nächsten Sitzung Anfang Januar in Hamburg behandelt werden, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Dr. Georg Gärtner.

Zwingende wirtschaftliche Gründe kann Juli Cuntz, hauptamtliches Gewerkschaftsmitglied der IG Metall im Aufsichtsrat von Philips, nicht erkennen. Schließlich hat der Elektronikkonzern seinen Gewinn im dritten Quartal mit 176 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Sie spricht von einem „Arbeitsplatzabbau ohne Sinn und Verstand”. Zumal der Standort Aachen mit der Nähe zur RWTH und FH punkten könne. „Jahrelang galt Aachen als idealer Standort. Jetzt werden die Standorte gegeneinander ausgespielt. Wenn es an das Eingemachte geht, sehen die europäischen Nationalstaaten nur ihr eigenes Interesse”, betonte Cuntz.

In den Verhandlungen mit der Geschäftsführung will der Betriebsrat ein Alternativkonzept vorstellen. Den Standort in Aachen zu erhalten und die Gesamtforschung des Konzerns anteilig zu kürzen, ist in Gärtners Augen das beste Konzept. Dann müssten in Aachen „nur” zwölf Prozent der Mitarbeiter entlassen werden.

Auch die Politik engagiert sich für den Erhalt des Forschungslabors in Aachen. Nach einem runden Tisch mit Vertretern der Stadt, der Arbeitsagentur, dem zuständigen Landesministerium, Aachener Landtagsabgeordneten, der IG Metall und Mitgliedern des Betriebsrates fand ein weiteres Treffen zwischen Oberbürgermeister Marcel Philipp und der Aachener Laborleitung statt. Anfang Dezember besuchte eine von ihm angeführte Delegation zusammen mit Dr. Gärtner den Chef der weltweiten Philips-Forschung, Dr. Peter Wierenga, in Eindhoven.

Dabei wurde über Förderungsmöglichkeiten und den Verbleib einer kleinen Aktivität auf dem zukünftigen RWTH Campus sowie über eine Zukunft der jetzigen Infrastruktur außerhalb Philips auf dem Campus gesprochen. Im kommenden Jahr wollen die Mitarbeiter mit neuer Kraft den Kampf um ihre Arbeitsplätze fortsetzen - damit in Aachen nicht die Lichter ausgehen.
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