Mit Tusk kommen Trauer und neuer Mut hautnah

Von: Matthias Hinrichs
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Wird trotz der Katastrophe von Smolensk am Himmelfahrtstag mit den Aachenern auch feiern: Donald Tusk, Karlspreisträger 2009.

Aachen. Smolensk - der Name des Ortes im äußersten Westen Russlands, der die jüngste von so vielen polnischen Tragödien markiert, wird in zahlreichen Köpfen und Reden bitter präsent sein. Nicht erst, wenn Polens Premierminister Donald Tusk am 13. Mai im Aachener Rathaus geehrt wird.

Ohne Frage, betonte OB Marcel Philipp am Mittwoch, stehe das gesamte Rahmenprogramm zur Karlspreisverleihung 2010 im Schatten des Flugzeugabsturzes am vergangenen Samstag, bei dem Staatspräsident Lech Kaczynski und mit ihm zahlreiche hohe Repräsentanten des Nachbarlands ihr Leben verloren haben. „Aber wir werden rund 40 Veranstaltungen wie geplant präsentieren und mit ihnen die Anteilnahme der Aachener zum Ausdruck zu bringen”, unterstrich der OB.

„Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn das polnische Volk trauert”, sagte auch der Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Dr. Jürgen Linden. Ohne Zweifel aber gebe die Katastrophe von Smolensk zumindest in einer Hinsicht Anlass, mit Blick auf die Zukunft des gesamten Kontinents neuen Mut zu fassen.

„Im Zeichen der Trauer finden die gesellschaftlichen Flügel in Polen, die beide aus der Solidarnosc-Bewegung hervorgegangen sind, wieder zueinander.” Und: „Noch immer wissen wir sehr wenig über die Seele und die Soziologie unseres Nachbarvolks.” Auch hier, so Linden, liege eine bedeutende Chance für echte Annäherung im Sinne des Karlspreis-Gedankens.

Ungezählte Gelegenheiten zur Begegnung und durchaus auch zum Feiern in diesem Sinne soll das Rahmenprogramm in jedem Fall bieten. Vom kommenden Freitag bis zum Himmelfahrtstag am 13. Mai haben Stadt und Direktorium einmal mehr einen breiten Bogen gespannt aus profunder Information und Diskussion, kulturellen und nicht zuletzt kulinarischen Genüssen rund um Osteuropa. Diplomaten, Musiker, Autoren, Wissenschaftler, Unternehmer geben sich die sprichwörtlichen Klinken in die Hände, um Tusk auch in ideeller Hinsicht den Weg ins Dreiländereck zu ebnen.

Ganz im Zeichen des Karlspreises steht diesmal auch das Filmfestival „Made in Europe”, das am Wochenende mit hochkarätigen Beiträgen aus Osteuropa im Ludwig-Forum über die Bühne geht. Polnische Märchen und Sagen rund um Karl den Großen stehen im Mittelpunkt des kleinen, aber feinen Erzählfestivals „Blickwinkel” am Samstag, 24. April, in Haus Löwenstein.

Neben polnischen Schriftstellern wie Martina Kijowska (am 20. April) und Pawel Huelle (am 5. Mai) beehrt ein bestens bekannter Autor aus Ungarn die Aachener am gleichen Tag: Gyula Horn, Karlspreisträger 2001, liest im Ratssaal aus seinem Roman „Das Buch Kalligaro”. Und natürlich wird ein ganz großer Sohn des polnischen Volks, Frederic Chopin, anlässlich seines 200. Geburtstags mit Konzerten und Lesungen gewürdigt.

Ebenso praktisch wie kreativ sprengen die Nachfahren des genialen Komponisten die kulturellen und politischen Grenzen am Vorabend des polnischen Verfassungstages. Am Dreiländerpunkt gestalten polnische Migranten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden am 2. Mai einen festlichen „Tag der Nachbarn”. Und selbstverständlich wartet am Himmelfahrtstag selbst wieder ein kunterbuntes Volks- und Musikfest auf dem Katschhof.

Bis dahin wird natürlich auch die politische Entwicklung und Rolle Polens im europäischen Kontext - bis hin zum jüngsten Schock von Smolensk - in zahlreichen Facetten beleuchtet. Spannende Ein- und Aussichten versprechen unter anderem Vorträge des polnischen Botschafters Dr. Marek Prawda (am 26. April im IHK-Foyer, Theaterstraße), des Auschwitz-Überlebenden und Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels Wladyslaw Bartoszewski (30. April, 11 Uhr, Geschwister-Scholl-Gymnasium) oder des Warschauer Wirtschaftsexperten Professor Leszek Balcerowicz (10. Mai im Kármán-Auditorium).

Alle Termine findet man ab sofort in einer handlichen Broschüre, die an allen üblichen Örtlichkeiten der Stadt ausgelegt sind, und natürlich im Internet.
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