Aachen - Mit Schlafsack geht es auf Wohnungsjagd

Mit Schlafsack geht es auf Wohnungsjagd

Von: Sarah Sillius und Amien Idries
Letzte Aktualisierung:
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Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett? Die sind kurz vor Semesterbeginn Mangelware. Foto: M. Jaspers

Aachen. Ziemlich verloren hängt der weiße Zettel mit der Überschrift „Nachmieter gesucht” am Schwarzen Brett der RWTH-Hauptmensa. 20 Quadratmeter in der Passstraße gibt es ab dem 1. November für 264 Euro. Sonstige Wohnungsangebote: Fehlanzeige.

Ähnlich verloren dürfte sich so mancher Erstsemester fühlen, der zwischen dem ganz normalen Einschreibestress und dem Vorlesungsbeginn am 11. Oktober noch schnell eine Bleibe finden will. Der Aachener Wohnungsmarkt ist nämlich im studentischen Preissegment ähnlich leergefegt wie das Schwarze Brett.

Wer es jetzt noch auf eines der 4611 Bettplätze in den 22 Wohnanlagen des Studentenwerks abgesehen hat, für den stehen die Chancen schlecht. „Für das Wintersemester sind keine Plätze mehr frei, Suchende können sich nur noch auf die Warteliste setzen lassen”, sagt Brigitte Jungheim, Leiterin der Wohnraumvermietung.

Bis ein Zimmer frei wird, könne es bis März oder April dauern, schätzt Jungheim. Besser sei es, über den privaten Wohnungsmarkt sein Glück zu versuchen, oder eben nach anderen Überbrückungsmöglichkeiten zu suchen.

Diese Lage führt zu kuriosen Wohnformen. Die aus Ahlen stammende Iris befindet sich seit etwa einem Monat in Aachen und hat bereits ihre zweite Wohngemeinschaft bezogen. „Ich habe im September ein Zimmer in Untervermietung bekommen”, erklärt die Maschinenbaustudentin, die wegen der Vorkurse bereits jetzt in Aachen ist.

Allerdings währte diese Lösung nur einen Monat. Dann war der Urlaub des Vor- und Nachmieters beendet. Also raus aus der WG, rein in die WG. Aber auch das jetzige Zimmer ist keine endgültige Lösung. „Der ursprüngliche Bewohner macht ein sechsmonatiges Praktikum. Dann muss ich wieder suchen”, erklärt Iris, die das Ganze aber mit Humor nimmt: „So lerne ich Leute und die Stadt kennen.”

Iris hat - wenn auch nur vorläufig - ein Heim in Aachen gefunden. Ganz anders als Anne Schnitzler. Die 19-jährige möchte Spanisch- und Religionslehrerin werden und hat sich Aachen als Studienort ausgesucht: „Weil ich die Stadt schön finde und die Seminare nicht so überlaufen sind.” Im Gegensatz zum Wohnungsmarkt.

Auf dem scheint für die Erstsemesterin - anders als im Seminarraum - kein Platz zu sein. Und so nimmt Schnitzler für die derzeit laufenden Vorkurse eine zweistündige Anreise aus Viersen in Kauf. Und natürlich eine zweistündige Rückreise.

Übernachtung im Auto

Nicht nur die Studenten der RWTH, sondern auch die der FH haben unter der Wohnungsnot zu leiden. „Etwa fünf Prozent unserer Studierenden haben bei Semesterbeginn keine Wohnung”, beschreibt AStA-Vorsitzender Mario Dohlen die Situation an der Fachhochschule. Dann erweise sich der Schlafsack als unerlässliches Utensil. „Wir versuchen diejenigen, die keine Unterkunft haben, bei Kommilitonen unterzubringen.” Auch von der einen oder anderen Übernachtung im Auto erzählt man sich.

Leichter haben es die finanziell besser gestellten Studenten, die sich in eine Pension einmieten. Oder in die gute alte Jugendherberge. In der herrscht im Moment Hochbetrieb. „Bis Donnerstag sind alle Betten belegt”, sagt Rainer Jansen, Leiter der Herberge in der Maria-Theresia-Allee. Auf die Straße gesetzt werde so schnell niemand: „Wir können Notlager aufbauen, indem wir ein paar Matratzen zusammenschieben.” Eine weitere Möglichkeit sei die Vermittlung an die Mitwohnzentrale.

Mit verzweifelten Wohnungssuchenden sind auch Felix Gathmann, AStA-Vorsitzender der RWTH Aachen, und sein Kollege Rouven Weßling, Sozialreferent des AStA, konfrontiert. „In diesem Jahr fällt mir vor allem auf, dass es Diskriminierungen bei der Wohnungssuche gibt. Ausländischen Studierenden wird sogar ins Gesicht gesagt Dich wollen wir nicht”, weiß Weßling.

Relativ gelassen steht Peravene Raveendran derweil vor dem Brett mit den Terminen für Erstsemester. Der angehende Elektrotechniker hat sich für ein Zimmer in einem Wohnheim beworben und es weit vor Ablauf der üblichen Wartezeiten erhalten. „Vermutlich habe ich einfach Glück gehabt. Ich würde jedem künftigen Studenten raten, sich so früh wie möglich für das Wohnheim zu bewerben.”

Wer sein Studium im Jahr 2013 beginnen will und Raveendrans Tipp beherzigt, sollte sich schon mal die Bewerbungsunterlagen zurecht legen. Denn dann steht der doppelte Abiturjahrgang vor den Aachener Wohnungstüren. „Wenn dann noch die Wehrpflicht abgeschafft wird, könnte es wirklich problematisch werden”, befürchtet Felix Gathmann.
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