Mit Samuraischwert getötet: Drogen trieben zur Bluttat an

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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In der Souterrainwohnung brachte am 30. Dezember 2014 Sohn Arkadius S. (36) seine Eltern mit einem Samuraischwert um. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Ruhig, fröhlich und herzlich, manchmal unsicher“, so schilderte die Ex-Freundin den Charakter des Mannes, der am Montag vor dem Schwurgericht gestanden hatte, einen Tag vor Silvester 2014/2015 seine Eltern, beide 62, mit einem Samuraischwert auf bestialische Art und Weise getötet zu haben.

Die 34-Jährige gab offen vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann darüber Auskunft, wie das Leben mit Arkadius S. (36) war, der laut Anklage seine Eltern „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ in der Nacht zum 30. Dezember in der Siedlung Preuswald tötete.

Oftmals „liebevoll“ sei er gewesen, beschrieb sie auf Nachfrage den Charakter ihres ehemaligen Freundes, den sie 2007 kennenlernte und mit dem sie dann in einer Wohnung in ­Aachen bis zum Frühjahr 2013 zusammenlebte.

So ab 2010 wurde es schwieriger für das Paar. Denn da ereilte den Veranstaltungstechniker, der viel für diverse Projekte einer Veranstaltungsfirma herumreisen musste, ein sogenanntes „Burnout“. Ja, er habe immer angestrengt und überfordert gewirkt, das sei ein schleichender Prozess gewesen, schilderte die Zeugin, die einen Beruf im sozialen Bereich ausübt, den Richtern.

Das war im Jahr 2010, eine starke Depression wurde festgestellt, er hörte auf zu arbeiten – und begann verstärkt zu trinken. Von anderen Drogen habe sie bis da nichts mitbekommen, sagte sie.

Friedfertiger Typ

Vom Vorsitzenden kam immer wieder die Frage nach möglichen Anzeichen von Gewalt. Nein, nein, das war keinesfalls so, berichtete sie, bis zuletzt nicht, auch ein weiterer Zeuge, der beste Freund des Angeklagten, bestätigte seine überzeugend friedfertige Lebenshaltung. Alle, denen er die Tragödie berichtet hätte, seien entsetzt und ungläubig gewesen, niemand habe S. so etwas zugetraut.

Doch es gab in der Tat Anzeichen, dass sich etwas im Leben des heute 36-Jährigen geändert hatte. So berichtete die Freundin, er habe sich nach der gütlichen Trennung nicht mehr gemeldet. Erst kurz vor dem Vorfall habe er des Nachts plötzlich vor ihrer Türe gestanden – und habe völlig wirr geredet. Auch der Freund bestätigte, er habe bemerkt, wie S. körperlich verfiel, er habe wohl Drogen genommen – was die Freundin ebenso vermutete.

Sie beschrieb auch das Verhältnis zu den Eltern. Die Mutter habe er eher als lästig empfunden, der Vater sei im Hintergrund geblieben. Oftmals war von Gewalt in der Familie die Rede, auch in Bezug auf seinen jüngeren Bruder. So waren sich eigentlich alle einig: Die Tat kann nur ausgelöst worden sein durch Drogenmissbrauch mit einer damit einhergehenden Psychose.

Den Eindruck hatte auch die Ärztin, die am 2. Januar im Alexianer-Krankenhaus vor einem Mann stand, der gesagt habe: „Ich habe Dämonen erschlagen.“ Wer die denn seien, hatte die Ärztin wissen wollen. Ruhig und höflich habe er geantwortet: „Das sind meine Eltern.“ Die Medizinerin wies ihn schließlich ein. Zu dieser Zeit war die Tat noch nicht entdeckt, im Preuswald bestätigte sich das Gesagte. Der Prozess geht am 22. Juni weiter.

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