Mit Leidenschaft für seine Stadt und seine Kirche

Von: Peter Pappert
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Der ehemalige IHK-Präsident Heinz Malangré ist am Dienstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Foto: Archiv

Aachen. Stark im Glauben. Dieses Leben lässt sich darauf fokussieren: stark im Glauben. So war Heinz Malangré. Das gab ihm Halt, das war seine feste Perspektive über das irdische Dasein hinaus. Am Dienstag ist der Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Glaube, die Musik, die Familie – zwischen diesen drei Polen lebte und wirkte dieser Mann. Das waren seine Anker, und so – fest verwurzelt – entfaltete er eine beeindruckende berufliche und ehrenamtliche Aktivität. Damit hat er in Aachen und vor allem in Burtscheid tiefe Spuren hinterlassen.

Als engagierter katholischer Laie war Malangré sehr sensibel für die Strömungen und Spannungen in seiner Kirche, aber er hielt sie immer für überwindbar. Mit großer Selbstverständlichkeit setzte er sich für eine glaubensstarke und glaubensfrohe Kirche ein. Sieben Jahre war er Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen. Vor allem hing sein Herz aber am Gemeindeleben in seiner Heimatpfarre St. Michael in Burtscheid und dort vor allem am Gemeindezentrum St. Aposteln, wo er als ehrenamtlicher Organist und Chorleiter über Jahrzehnte hinweg tätig war.

Dort – an der Basis – trafen sich Malangrés beide Leidenschaften für das kirchliche Leben und die Musik. Er wäre gerne Kapellmeister geworden, hat er einmal erzählt, aber er habe sich nicht getraut. Getraut hat er sich dann doch sehr viel: musikalisch und kirchlich, kulturell und beruflich.

Der promovierte Jurist trat 1954 bei den Vereinigten Glaswerken (Vegla) ein und war später in der deutschen Saint-Gobain-Gruppe Finanzdirektor und Direktor für Wirtschaftspolitik. Beruflich nahm er 1984 noch einmal eine ganz neue Herausforderung an und wurde geschäftsführender Gesellschafter des Aachener Einhard-Verlages.

1981 wurde er Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen und blieb es 16 Jahre lang. In diesem Amt hatte er – auch als Mitbegründer der Agit – maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlichen Umstrukturierung der Aachener Region. „Heinz Malangré hinterlässt eine große Lücke. Er war mit seiner ausgleichenden Art die treibende Kraft bei der strukturellen Erneuerung des Wirtschaftsraumes in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, sagte Dienstagabend IHK-Präsident Bert Wirtz unserer Zeitung. „Die Ausbildung junger Menschen und die Förderung von Existenzgründungen lagen ihm sehr am Herzen. Er war ein Meister des gesprochenen und geschriebenen Wortes sowie leidenschaftlicher Anhänger des vereinten Europas. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Heinz Malangrés breite Interessen und sein Wirken offenbarte sich nicht nur in seinen vielen Aktivitäten, sondern gründete nicht zuletzt in intellektueller Auseinandersetzung mit verschiedenen Sujets. Davon zeugen nicht zuletzt zahlreiche Bücher, die er geschrieben hat – beispielsweise über den Hof Karls des Großen, über Franz von Assisi und den Apostel Paulus, über David Hansemann und die Nachkriegsgeschichte Aachens. Zuletzt beschrieb er seine „Blicke auf Europa“.

62 Jahre war Heinz Malangré mit seiner Frau Thesi verheiratet. Bei allem gesellschaftlichen und beruflichem Engagement war seine Familie, auf deren engen Zusammenhalt er Wert legte, das Zentrum seines Lebens mit vier Töchtern, neun Enkeln und zwei Urenkeln. Der Tod seiner Tochter Brigitte Kempen vor fast vier Jahren war für ihn und seine große Familie ein furchtbarer Schicksalsschlag.

Zu alldem – dem vielfältigen Wirken dieses feinsinnigen und kulturell hochgebildeten Mannes – kam seine innige Liebe zu seiner Heimatstadt Aachen. Sie verliert mit Heinz Malangré einen jener, auf die ein funktionierendes und solidarisches Gemeinwesen angewiesen ist: ein Mensch mit Herz und Loyalität, mit dem Willen, möglichst viel zu tun, wo etwas getan werden muss.

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