Mit krimineller Energie gegen Hochsitze

Von: Stephan Mohne
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Das war einmal ein Hochsitz: Sechs Jagdeinrichtungen wurden in der Nacht zum Sonntag in Hitfeld zerstört. Zuvor waren die Täter bereits in Stolberg, Brand und Orsbach auf ähnliche Weise unterwegs. Foto: Ralf Roeger
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Sie müssen professionelles Werkzeug dabeigehabt haben – wie man an den „feinen“ Schnitten sieht. Foto: Ralf Roeger
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Sprechen von krimineller Energie: Die Jagdpächter Norbert Sundarp und Sascha Ehrt sind schockiert über die Zerstörungswut der Täter. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als Jagdpächter Norbert Sundarp am frühen Sonntagmorgen nach Hitfeld kommt, traut er seinen Augen nicht – und ist regelrecht geschockt. Sechs Hochsitze liegen am Boden, teils sind sie völlig zerstört. Es ist nicht der erste Fall von Vandalismus gegen Jagdeinrichtungen, aber ein besonders krasser.

Die Täter müssen mitten in der Nacht in den weitläufigen, rund 200.000 Quadratmeter großen Wiesen unterwegs gewesen sein. „Bis nach Mitternacht hat noch ein Jagdpächter auf einem Hochsitz gesessen, weil es im Moment Probleme mit Wildschweinen gibt“, erzählt Sundarp. Danach wurde auf andere Weise gekeilt. Und das auf höchst professionelle Weise.

Die Täter müssen gutes Werkzeug dabeigehabt haben. Neben den zerstörten Hochsitzen auf Holzstelzen sind kaum Sägespäne zu finden – alles glatte Schnitte. Bei einem Hochsitz, der auf Stahlpfosten stand, ist das nicht anders. Auch da: alles glatt und schnörkellos gekappt. Sundarp ist sicher: „Der das getan hat, muss die Örtlichkeiten sorgfältig ausbaldowert haben.“ Denn auch Bodensitze, die in Hecken versteckt und von außen kaum zu sehen sind, wurden Opfer des Vandalismus. Wobei es dieses Wort nach Ansicht Sundarps nicht ganz trifft: „Da ist jede Menge kriminelle Energie dabei“, sagt er.

Die Pächter sind in Aufruhr. Bereits vor einigen Wochen gab es ähnliche Fälle in Orsbach. Dann vor zwei Wochen in Brand, wo die zerstörten Hochsitze auch noch in Flammen aufgingen. Zuletzt war Stolberg-Breinig „dran“, wo acht Hochsitze zerstört wurden. In Hitfeld haben die Täter zudem in einen ausgedienten Bauwagen einen Brandsatz geworfen. Offenbar glaubten sie, dass auch der noch als Jagdsitz genutzt wird, was laut Sundarp aber schon länger nicht mehr der Fall ist.

Mehr noch: Auf den Wiesen in Hitfeld weiden auch Pferde. Die Drahtbegrenzungen des Areals wurden ebenfalls gekappt. Das hätte zur Folge haben können, dass sich die Vierbeiner in Richtung Hitfelder Straße beziehungsweise Lintertstraße oder Kornelimünsterweg vom Acker machen. Zum Glück geschah dies jedoch nicht. Sundarp: Nicht auszudenken, was da hätte passieren können.“

Auch aus dem Blickwinkel des Naturschutzes findet der Pächter das Vorgehen der Täter, die er im Bereich militanter Jagdgegner ausmacht, völlig widersinnig und paradox. So hätten die Hochsitze sogenannte „Fledermausklappen“ und würden von den geschützten Tieren auch reichlich genutzt. Ebenso verhalte es sich mit dem Bauwagen, wo artengeschützte Nagetiere ihre Heimat gefunden hätten.

Selbstredend wurde die Polizei eingeschaltet. Auch die beiden betroffenen Landwirte hätten Strafanzeige erstattet. Die Polizei leitete ein entsprechendes Ermittlungsverfahren ein, wie es dort auf Nachfrage unserer Zeitung am Sonntag hieß. Konkrete Hinweise auf Täter gebe es bislang nicht.

Eine Mitschuld an dem drastisch zunehmenden Vandalismus gegen Jagdeinrichtungen sieht Sundarp indes beim neuen Jagdgesetz der rot-grünen Landesregierung und insbesondere beim zuständigen grünen Minister: „Das hat die Stimmung gegen die Jagd und die Jäger als vermeintliche Tiermörder noch einmal richtig angeheizt.“ Der materielle Schaden von geschätzt rund 5000 Euro sei da schon eher verkraftbar.

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