Mit ihr kommt Flüchtlingshilfe im Tandem voran

Von: Angelina Boerger
Letzte Aktualisierung:
15015899.jpg
Freut sich über große Resonanz aufs Projekt „Swaf“: Mona Plate setzt vor allem auf persönliche Kontakte „auf Augenhöhe“ zwischen Flüchtlingen und deren Helfern. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn ein Mensch in ein anderes Land flüchten muss, steht neben dem Wunsch nach Unterstützung auch der Austausch im Vordergrund. Das dachte sich auch die Aachenerin Mona Plate, die 2016 einen Ableger des Vereins „Swaf – Start with a Friend“ (Beginne mit einem Freund) gründete.

Dieser soll dabei helfen, Verbindungen herzustellen, Netzwerke schaffen und Geflüchteten den Start in Aachen erleichtern.

Kurz zusammengefasst: Was genau ist „Swaf“?

Mona Plate: „Start with a Friend“ ist ein Verein, der sich für nachhaltige Integration einsetzt. Aus der Überzeugung, dass Integration nur durch eine aktive Teilhabe an der Gemeinschaft gelingt, stellt der Verein geflüchteten Menschen sogenannte „Locals“ an die Seite, die sie 1:1 bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen in Deutschland unterstützen.

Wer hatte die Idee zu Swaf?

Plate: Swaf hat seinen Ursprung in Berlin und wurde dort 2014 von einer Gruppe Ehrenamtlicher gegründet, mit enormem Erfolg. Gefordert wird der Verein durch Spenden und seit Januar 2016 auch durch das Programm „Menschen stärken Menschen“ des Bundesfamilienministeriums. So konnten bundesweit bereits mehr als 1500 Tandems vermitteln werden.

Wie Sind Sie auf Swaf aufmerksam geworden?

Plate: Ich habe letztes Jahr mit einer Freundin über längere Zeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Lichtenbusch ausgeholfen. Da bei der Menge der Leute der Fokus nur auf Ersthilfe lag, hegten wir den Wunsch nach etwas integrativerem, das mehr auf Augenhöhe stattfindet. Swaf, das immer auf der Suche nach neuen Standorten ist, kam uns dann wie gerufen. Da mindesten fünf Personen vorhanden sein müssen, um einen neuen Standort zu gründen, haben wir kurzerhand unsere Freunde zusammengetrommelt und uns beworben.

Was geschah dann?

Plate: Auf die Bewerbung folgte eine Stadtortanalyse mit dem Ergebnis: Aachen hat noch jede Menge Bedarf. Swaf hat uns beim weiteren Prozess sehr geholfen, unser Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wir wurden in sogenannten Kick-Off-Workshops geschult, in denen wir alles Wichtige gelernt haben, zum Beispiel wie man Tandems vermittelt oder die Datenbank richtig führt.

Was ist das fur eine Datenbank?

Plate: Die Datenbank bildet den Kern der Vereinigung. Hier wird das wichtige Netzwerk gepflegt, in das sowohl die Geflüchteten, als auch die Locals eingepflegt werden. Dadurch können die Koordinatoren Personen mit ähnlichen Interessen filtern und zusammenbringen. Dazu treffen wir uns vorab mit allen Interessierten persönlich, um Erwartungen und Bedarfe zu identifizieren und Interessen und Wünsche kennenzulernen. Außerdem bekommen alle einen Verhaltenskodex vorgelegt, der besagt, dass wir für die Gleichheit aller Menschen einstehen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung.

Sind die Tandems nach der ersten Zusammenkunft auf sich allein gestellt?

Plate: Nach dem ersten Treffen holen wir uns ein Feedback ein und stehen den Tandems natürlich auch nach der Kontaktvermittlung kompetent zur Seite. Außerdem bieten wir Schulungen und Supervisionen an sowie regional angepasste, umfassende Leitfaden und geben Tipps fur die Begleitung von geflüchteten Menschen.

Gibt es neben den Tandems noch andere Angebote?

Plate: Wir bieten sogenannte „Local-Abende“ an, die zweimal im Monat stattfinden. Hier tauschen wir uns aus und stellen den Verein vor. Bei Interesse kann hier direkt vor Ort ein Fragebogen für unsere Datenbank ausgefüllt werden. Außerdem planen wir unsere Community-Events.

Community-Events?

Plate: Unsere allseits beliebten Freizeitaktivitäten. Da ist von Theater bis Karneval alles dabei. Wir sind zum Beispiel schon zum Dreiländereck gewandert, haben gemeinsam in einem vegetarischen Restaurant gekocht, waren auf einem Konzert und Kegeln. Da sind uns keine Grenzen gesetzt, Hauptsache, wir haben Spaß!

Wie kann man bei Swaf mitmachen?

Plate: Besonders wichtig ist uns der niedrigschwellige Zugang, hier wird nichts erzwungen. Vom Zeitumfang sollte man wohl circa zwei Stunden pro Woche einplanen. Da uns, wenn es dann einmal läuft, die Beständigkeit sehr wichtig ist, sollte ein Tandem mindesten ein halbes Jahr lang stattfinden. Die meisten Locals sind Studenten, die über Mundpropaganda, Soziale Netzwerke sowie Flyer und Plakate auf uns aufmerksam geworden sind. Wir freuen uns aber auch sehr über Zuwachs durch ältere Interessenten, da die vor allem jungen Geflüchteten zwischen 18 und Ende 20 sehr von der Erfahrung der älteren Aachener profitieren. Bei Interesse am Besten einfach unsere Website besuchen, da stehen alle wichtigen Infos.

Hat das Konzept auch in Aachen Erfolg?

Plate: Das kann man wohl sagen. Hier ist noch mehr passiert, als wir gehofft hatten, über die Zeit sind richtige Freundschaften entstanden. Aktuell haben wir knapp 50 Tandems und mehr als 80 Menschen auf der Warteliste. Ich finde, das kann sich sehen lassen. Trotzdem freuen wir uns immer über neue Gesichter und Geschichten. Deshalb veranstalten wir am 22. Juli ein Sommerfest im Kreativhaus in der Bergischen Gasse. Von 16 bis 22 Uhr gibt es leckeres Essen, jede Menge Musik und natürlich viele tolle Menschen!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert