Aachen - Mit Gesundheit auf dem Weg zum Abitur

Mit Gesundheit auf dem Weg zum Abitur

Von: Thorsten Karbach
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Legen einen neuen Schwerpunkt im Bereich Gesundheit: (von links) Carmen Linn, Hans Pontzen, Jochen May und Frank Röhlings vom Berufskolleg Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fünf neue Betten wurden nun an der Käthe-Kollwitz-Schule bezogen. Doch Ausruhen gilt nicht an dem Berufskolleg. Im Gegenteil. Es handelt sich um sogenannte Pflegebetten, die in der Ausbildung zum Einsatz kommen. Und das auch in einem ganz neuen Angebot des Kollegs an der Bayernallee: Ab dem Schuljahr 2013/2014 wird es eine gymnasiale Oberstufe mit dem Schwerpunkt Gesundheit geben.

Dabei handelt es sich um einen sogenannten Schulversuch der Landesregierung – zunächst auf fünf Jahre begrenzt, aber in solchen Fällen normalerweise mit Zukunft. 14 Berufskollegs in NRW starten dieses Angebot, zwei davon befinden sich im Regierungsbezirk Köln. Die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS) ist das eine, das andere befindet sich in Köln. Ganz praktisch heißt das, dass die künftigen Schüler einen Leistungskurs Gesundheit und einen in Biologie belegen und auch in allen anderen Fächern das Thema eine entscheidende Rolle spielt. In Religion geht es um Medizinethik, in Deutsch wird statt „Kabale und Liebe“ beispielsweise ein Roman wie Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ besprochen, in dem es um Demenz geht. Mathematik ist kein Abiturfach, Biologie viel wichtiger, Niederländisch ist Pflichtfach, weil jenseits der Grenze die Pflegeberufe längst einen akademischen Hintergrund haben und zweimal zwei Wochen (zur Hälfte in den Sommerferien) stehen Praktika im Pflegebereich an.

Seit 2005 gibt es an der Käthe-Kollwitz-Schule das berufliche Gymnasium, also eine dreijährige gymnasiale Oberstufe mit dem Schwerpunkt „Erziehung und Soziales“. Seitdem werden jedes Jahr rund 28 junge Menschen zu einem Abitur geführt, dass ihnen die Tür zu Berufsbildern aus diesem Bereich weit öffnet. Ab Sommer kommt nun der zweite Schwerpunkt hinzu. 22 Schüler muss der Jahrgang mindestens zählen, lautet die Vorgabe des Schulministeriums. Noch bis zum 22. Februar läuft die Bewerbungsfrist. Die Zahl wird die Käthe-Kollwitz-Schule ganz gewiss erreichen.

Schulleiter Hans Pontzen nennt drei gute Gründe für sein Berufskolleg, diesen neuen Schwerpunkt einzurichten: Es gibt das Know-how eines beruflichen Gymnasiums bereits, schon jetzt werden an der KKS Heilerziehungspfleger, Gesundheits- und Sozialhelfer geschult und es gibt die Fachhochschulreife mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Und nicht zuletzt steht der Schulleiter für möglichst große Durchlässigkeit in seinem System. Sprich: Er will all seinen Schülern die Tür bis zum Abitur öffnen, und dabei schafft die Käthe-Kollwitz-Schule nun einen neuen Weg. Fachlich stehen Sinn und Notwendigkeit eines solchen Schwerpunktes an der Bayernallee sowieso außer Frage. „Der Gesundheitsbereich wird im Zuge der demografischen Entwicklung immer wichtiger“, erklärt die neue stellvertretende Schulleiterin Monika Büth-Niehr.

Auch für Lehrer Herausforderung

Zuständig für den Fachbereich Gesundheit wird Carmen Linn sein. Sie lernt gerade, welche Herausforderung es ist, einen ganz neuen Lehrplan für ein neues Fach zu erstellen. „Auch für die Lehrer wird das eine neue Erfahrung“, sagt sie. Einen LK Gesundheit hat es in NRW jedenfalls so noch nicht gegeben. Anatomie, Physiognomie, Gesundheitswesen und -politik, die Zivilisationskrankheiten – breit wird das Spektrum des neuen Faches sein. „Es ist etwas für junge Menschen mit Interesse an der Arbeit mit und für den Menschen“, erklärt Frank Röhlings, Abteilungsleiter an der KKS. Deswegen werde bei der Auswahl der neuen Schüler auch Soziales eine gewaltige Rolle einnehmen. Noten sind nicht alles entscheidend.

Am Ende der drei Jahre berufliches Gymnasium gibt es zentrale Prüfungen, die zum Abitur führen. Und zwar nicht zu einem Fachabitur, sondern dem, was auch als „Voll-Abi“ bezeichnet wird. Denen, die es haben, öffnen sich – einen Studienplatz vorausgesetzt – alle universitären Türen. Speziell auf Medizin und Psychologie, aber auch auf Ausbildungsberufe in der Pflege oder duale Ausbildungen in Logopädie oder Ergotherapie sollen die neuen Käthe-Kollwitz-Schüler vorbereitet sein. „Sie werden dabei einen Vorteil haben“, glaubt Carmen Linn.

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