Mit frechen Zungen und sanften Posaunen

Von: Eva Onkels
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Wackerer „Opener“: Die National Brass Band of New Zealand und die Aotearoa Mai Tawhiti Tanzgruppe trotzten dem Regen beim Auftakt von „across the borders“ auf dem Katschhof. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es war alles anders geplant, aber das Aachener Wetter ist nun mal, wie es ist, und so wäre beinahe die Auftaktveranstaltung des diesjährigen „across the borders“-Festivals ins Wasser gefallen. Los gehen sollte es am Dienstagabend um 19.30 Uhr, aber zu der Zeit hatte es sich gerade so richtig eingeregnet, nur einige wenige Menschen hatten sich auf dem Katschhof unter Regenschirmen versammelt, die Stühle für die Band lagen mit den Beinen nach oben auf dem nassen Pflaster.

Also die Gäste aus Neuseeland einfach wieder fahren lassen? Die 2017 National Brass Band of New Zealand und die Aotearoa Mai Tawhiti Tanzgruppe einfach nicht auftreten zu lassen, kam natürlich nicht in Frage, also wurde kurzeerhand and ein gestrafftes Programm zusammengestellt – und das konnte sich sehen lassen. Trotz der nur rund 45 Minuten Auftrittszeit kamen zwei Aspekte Neuseelands voll zum Tragen und illustrierten zwei völlig unterschiedliche Traditionen: die europäisch-amerikanische Brass-Band, die mit Titeln wie „Satchmo“ von Kenny Baker begeisterte auf der einen und die Gruppe Aotearoa Mai Tawhiti, die Kapa Haka auf den Katschhof brachte, auf der anderen Seite.

Kapa Haka ist der Name für eine Auftrittsform mit Gesang und Tanz, die aus der Maori-Kultur stammt. Das Publikum, das im Laufe des Abends auf rund 150 Zuschauer und -hörer angewachsen war, war begeistert; sowohl von den Tänzen mit dem Poi (eine Kugel mit Stab oder Schnur), als auch von den kriegerisch anmutenden Grimassen und den langen herausgestreckten Zungen der Männer. Und wer in Aachen im Bastrock schon mal im Regen gestanden hat, der weiß auch, dass es recht kühl gewesen sein muss.

Auch Freunde der Brass-Bands kamen voll auf ihre Kosten: Insbesondere Solist David Bremner an der Posaune konnte mit dem Folksong „Blue Bells of Scotland“ in einem Arrangement von Arthur Pryor überzeugen. Dass Posaune so sanft klingen kann und gleichzeitig so schnelle Tonfolgen spielen kann wie eine Trompete oder Querflöte, ist sicherlich für so manchen im Publikum eine neue Erfahrung gewesen. Schade nur, dass das Konzert, als dann richtig Stimmung bei Dan Prices „Funky Armando“ aufkam, fast schon wieder vorbei war.

Ein kleines Trostpflaster für die Musiker und Tänzer: das Publikum applaudierte laut, hielt sich aber auch mit Kritik am städtischen Veranstalter nicht zurück. Man hätte ja damit rechnen können, dass es in Aachen schon mal regnen kann, wieso es denn keine Ausweichmöglichkeit gegeben habe. „Es ist immer ein Wagnis, eine solche Veranstaltung draußen stattfinden zu lassen“, so Rick Takvorian vom Kulturbetrieb.

Weiter geht‘s – so oder so – mit der knapp siebenwöchigen „across the borders“-Stafette am kommenden Samstag, 15. Juli, bei einem rund dreistündigen Stadtspaziergang unter dem Motto „Verrückte Maßstäbe“. Er startet um 15 Uhr in Haus Matthey (Deutsch-Französisches Kulturinstitut, Theaterstraße 67).

Am Sonntag wird zudem die Ausstellung „Lost Places“ eröffnet. Sebastian Schwarz zeigt ab 12 Uhr Fotos von „vergessenen“ Orten im neuen Depot an der Talstraße.

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