Mit dem Schervier-Taler sinnvoll auf Betteln reagieren

Von: Sarah Sillius
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Schwester Veronika zeigt den Schervier-Taler, der an Sankt Martin seinen dritten Geburtstag feiert. Passanten schenken ihn Bedürftigen, die ihn gegen ein Frühstück in der Stube einlösen können. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Jeder kennt die Situation: Ein bedürftiger Mensch bittet auf der Straße um eine kleine Spende. Die meisten Passanten geraten in Verlegenheit: Sollen sie etwas Geld geben oder lieber ablehnen? Eine Alternative zu den beiden nicht ganz glücklichen Lösungsmöglichkeiten ist der Schervier-Taler.

Der feiert pünktlich zum Sankt-Martinsfest seinen dritten Geburtstag. In der Franziska-Schervier-Stube an der Kleinmarschierstraße wurde die Idee des Talers geboren. Wie es dazu kam? Schwester Veronika blickt zurück: „Bei einem Tag der Offenen Tür wurden wir gefragt, ob wir nicht etwas haben, was man den Menschen auf der Straße statt Geld geben kann.”

Der Taler kostet 50 Cent und kann in den Innenstadt-Filialen der Bäckerei Nobis, zum Beispiel am Münsterplatz, erworben werden. Wer einen der roten Taler auf der Straße geschenkt bekommt, kann ihn in der Schervier-Stube einlösen und bekommt ein Frühstück in Retour. Ob das Betteln in Aachen zugenommen hat? „Ja, das kann sein. Wir können da nur aus unserer Erfahrung sprechen und sagen, dass unser Angebot von immer mehr Menschen wahrgenommen wird”, sagt Schwester Veronika.

Sie koordiniert das Frühstück in der Stube, deren Träger die Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus sind. Schon die Ordensgründerin Franziska Schervier half zu Lebzeiten Menschen in Not. Sie ist das Vorbild für die Schwestern heute.

Täglich kommen rund 80 Gäste zum Frühstück in die Stube. Menschen ohne Arbeit oder festen Wohnsitz, Einsame oder Suchtkranke. Die Schwestern und ehrenamtlichen Helfer bereiten Brötchen, Aufschnitt, Kaffee und mittags eine warme Suppe für sie zu.

Die Gäste können nicht nur in gemütlichem Beisammensein frühstücken, sondern erhalten in der Stube Kleidung und nutzen die sanitären Einrichtungen. Erst kürzlich sind die Bäder renoviert worden, sieben Wochen lang war die Stube während der Arbeiten geschlossen. „Als wir wieder eröffnet haben, haben uns die Gäste neu schätzen gelernt, sie haben uns vermisst”, erzählt die Schwester. Auch das Angebot der Schervier-Taler werde gut angenommen.

Inzwischen sind mehr als 8000 Stück im Umlauf. Und auch der Taler, der zwar gekauft aber vielleicht nicht eingelöst wird, unterstützt die Franziska-Schervier-Stube. Denn der Verkaufserlös kommt der Stube direkt zugute. „Mit dem Schervier-Taler wollen wir das Betteln nicht fördern”, betont die Schwester. Vielmehr soll er den Passanten die Möglichkeit geben, auf das Betteln sinnvoll zu reagieren.

Und gerade zum Sankt Martinsfest ist der Schervier-Taler das wohl beste Geschenk, das man einem Hilfsbedürftigen auf der Straße machen kann.

Die Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus freuen sich über Spenden zur finanziellen Unterhaltung der Franziska-Schervier-Stube: Spendenkonto 7955, Sparkasse Aachen, BLZ 39050000, Stichwort „Franziska-Schervier-Stube”. Am Samstag, 20. November, findet von 11 bis 17 Uhr der Klostermarkt der Franziskanerinnen, Kleinmarschierstraße 49, statt. Es gibt einen Bücherflohmarkt, selbstgemachte Kloster-Konfitüre, Kloster-Likör, Weihnachtsgebäck und frisch gebackene Waffeln. Gezahlt wird mit den Schervier-Talern. Der Erlös wird für die Obdachlosenarbeit in der Stube verwandt.
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