Mit Blaulicht die Probleme lösen

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Richtkranz am Haken: Baulich m
Richtkranz am Haken: Baulich macht die städteregionale Leitstelle große Fortschritte. Foto: dm-press

Aachen. Die Handwerker-Radios dröhnen, Staub wirbelt bei jedem Schritt vom nackten Betonfußboden hoch, Gerüste verdecken die Fassaden: Die neue städteregionale Leitstelle für den 112-Notruf auf dem Gelände der Aachener Feuerwache an der Stolberger Straße ist noch ein Rohbau.

Wer das Herzstück des fünfstöckigen, schwarz eingetäfelten Gebäuderiegels betritt, dem gibt der Aachener Feuerwehrchef Jürgen Wolff schnell eine Ahnung, was es hier in rund einem Jahr zu sehen geben wird. Mit einer ausladenden Armbewegung weist er durch den großen Leitstellenraum auf eine 6,50 Meter hohe Wand, an der die rund 15 Quadratmeter große Medienwand Platz finden wird. „Hier wird bald der Lageplan hängen, damit wir auf einen Blick wissen, was in Aachen, Baesweiler und Monschau, aber auch in Maastricht oder Lüttich los ist”, sagt Wolff.

Zudem wird es in der mit viel Glas transparent ausgestatteten Zentrale reichlich Platz für die Einsatzzentrale, Disponenten und andere Mitarbeiter geben. „Das ist allein räumlich gesehen kein Vergleich zu den bisherigen Verhältnissen der Leitstellen in Aachen und Simmerath”, sagt der für die Städteregion zuständige Kreisbrandmeister Bernd Hollands. Doch nicht nur das. „Auch technisch werden wir uns weiterentwickeln, setzen wir neue Standards”, betont Wolff.

Viel Porzellan zerschlagen

Fürs Richtfest, das mit allerlei Prominenz aus Stadt und Städteregion Aachen am Freitag gefeiert wurde, wurde der Rohbau ein wenig herausgeputzt. Doch bis der Neubau genutzt werden kann, gibt es allerdings noch viel zu tun. Nicht nur für Handwerker und Techniker. Vor allem auch für Politiker, Verwaltungs- und Wehrleute. Schließlich ist in den vergangenen Monaten bei dem Vorhaben, eine städteregionale Leitstelle aufzubauen, viel Porzellan zerschlagen worden.

So fühlen sich Wehrführer, Politiker und Verwaltungen auf städteregionaler Seite nicht ausreichend darüber informiert. Die Stadt Aachen ist wiederum erstaunt über so manchen Anspruch und Vorwurf, der formuliert worden ist. „Der Dialog ist bislang nicht zufriedenstellend”, bilanziert Hollands. Und Wolff betont: „Die Kommunikation war nicht immer optimal. Doch es gibt bei weitem nicht so viele atmosphärische Störungen, wie von interessierter Seite kolportiert wurde.”

Wie dem auch sei: Nach den Erfahrungen der Vergangenheit wollen die beiden Feuerwehrchefs jetzt gemeinsam handeln. „Wir müssen die emotionale Diskussion hinter uns lassen und endlich in die Fachgespräche einsteigen”, formulieren sie ihr gemeinsames Anliegen. Denn die Zeit drängt. Der rund sechs Millionen Euro teure Neubau, der auf einer Nettofläche von rund 2200 Quadratmetern neben der Leitstelle auch Platz für die Aachener Berufsfeuerwehr schaffen wird, soll im Februar 2012 bezugsfertig sein.

Danach soll schließlich die Technik eingebaut werden, die anschließend in einer Pilotphase getestet werden soll. „Im dritten Quartal 2012 wollen wir an den Start gehen, wenn alles funktioniert”, sagt Wolff. Und bis dahin sollten zwei zentrale Probleme möglichst gelöst sein.

Problem Nummer eins: Ob alle Kommunen ihren 112-Notruf auf die neue Leitstelle aufschalten werden, ist weiterhin fraglich. Denn mit Alsdorf, Eschweiler und Stolberg fahren weiterhin drei Städte im ehemaligen Kreisgebiet eine eigene Zentrale und haben noch Bedenken, diese Kompetenz abzugeben. In Herzogenrath habe dieser Prozess vor einigen Jahren trotz vorheriger Sorge um einen Qualitätsverlust allerdings bestens geklappt, sagt Wolff: „Das würde auch jetzt nicht anders sein.”

Der Feuerwehrchef hofft, dass alle Kommunen aufschalten werden und betont beispielsweise, „dass die von Kommune zu Kommune unterschiedliche Alarmierung nach den jeweiligen Wünschen umgesetzt” werde. Schließlich sei die Leitstelle wie bisher „Dienstleister für die Kommunen”, ergänzt Hollands. „Unser Ziel ist ein gleichberechtigtes System für alle Partner, denen wir auf Augenhöhe begegnen”, sagt Wolff und will Befürchtungen entgegentreten, dass die Aachener Berufsfeuerwehr den Freiwilligen Wehren im Altkreis Vorschriften machen wolle.

Gemeinsame Zuversicht

Problem Nummer zwei: Seit Gründung der Städteregion vor zwei Jahren finden die Verantwortlichen keine Lösung in Sachen Katastrophenschutz. Hintergrund: Bei einem Ernstfall würden sowohl in der Stadt als auch im Altkreis - wegen der zurzeit getrennten Strukturen - jeweils ein Krisenstab und eine Einsatzleitung eingerichtet, die jeweils dem OB und dem Städteregionsrat unterstellt seien. Das seit 2009 zusammengelegte städteregionale Gesundheitsamt oder die neue städteregionale Leitstelle müssten dann aber beiden Krisenstäben und Einsatzleitungen zur Verfügung stehen.

„Das wird gerade im Schichtbetrieb bei größeren Krisen schwierig umzusetzen sein”, meint Hollands vorsichtig, der wie Wolff einen externen Moderator zur Lösung des Problems befürwortet. Noch im November soll eine erste Gesprächsrunde stattfinden, wie der für das Rettungswesen zuständige Dezernent der Städteregion, Gregor Jansen, jetzt mitteilte.

Politischen Sprengstoff bergen die beiden heiklen Knackpunkte genug. Aachens OB Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg zeigten sich Freitagnachmittag zuversichtlich, dass die Probleme gemeinsam gelöst werden. Und vielleicht haben ja einige Verantwortliche das Richtfest genutzt, um erste Gespräche zu führen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert