Misstöne um das neue Brander Glockenspiel

Von: Thorsten Karbach
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Misstöne in Brand: Anwohner w
Misstöne in Brand: Anwohner wie Johannes Eike Laloire stört das neue Glockenspiel der Kirche St. Donatus. Foto: Michael Jaspers

Brand. Johannes Eike Laloire gehen die Kirchenglocken auf den Geist. Das sagt er so, wenn er sein Wohnzimmerfenster an der Brander Rollefstraße öffnet und hinüber zum Kirchturm von St. Donatus schaut. Der ist kaum 200 Meter entfernt.

Das Spiel der Glocken allzu gut zu hören. Laloire wohnt seit 26 Jahren in Sicht- und Hörweite der Kirche. Der stündliche Glockenschlag hat ihn nie gestört, an den hatte sich seinen Ohren schnell gewöhnt.

Dann wurde im Dezember ein neues 21-Glocken-Spiel samt vier Läuteglocken eingeweiht, finanziert durch Patenschaften von Vereinen, Verbänden, Parteien und Geschäftsleuten. „Dieses Geld hätte man anders einsetzen können. Dieses Glockenspiel ist ein Reinfall”, sagt Laloire.

Es klingt nach Unzufriedenheit, was Menschen wie Laloire berichten. Pfarrer Ralf Freyaldenhoven sagt, er habe ein offenes Ohr für alle, die das Glockenspiel stört. „Wir haben in den vergangenen Monaten Kritikpunkte, die an uns herangetragen wurden, ernst genommen, die Spielmelodien vereinfacht und die Spielzeit, die sich im Sommer zur halben Stunde ausschließlich mit Wanderlieder beschäftigen sollte, eingestellt”, sagt der Pfarrer von St. Donatus. Nach einer Experimentierphase klingt das Glockenspiel nun jeweils fünf Minuten vor der vollen Stunde von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 20 Uhr. Es dauert je nach Lied und Strophe jeweils zwei bis vier Minuten.

„Viel zu lang und viel zu oft”, sagt Johannes Eike Laloire. „Viermal am Tag würde reichen. So ein Glockenspiel ist gut und schön - zu bestimmten Anlässen.” Es ist fünf vor elf und er schaut durch das Fenster zum Turm. Die ersten Töne erklingen, die Melodie ist nur schwer auszumachen. Laloire seufzt und sagt: „Wenn es harmonisch klingen würde, hätte ich nichts dagegen.”

Freyaldenhoven räumt ein, dass „einige Lieder noch einmal neu disponiert werden”. Gespielt würden in der Regel kirchliche Lieder, in der Sommerzeit eben auch Volks- und Wanderlieder, zu Karneval auch Karnevalslieder wie „Modder von der Brand”. Als die neuen Glocken im Dezember geweiht wurden, ließen Ralph Leinen und Matthias Mikliss „Wir sagen Euch an, den lieben Advent”, „Lasst uns froh und munter sein” und „Leise rieselt der Schnee” an. Die Begeisterung der rund 600 Besucher aus der 11.000-Menschen-Gemeinde war groß.

Der Rundfunk- und Fernsehtechniker Laloire spricht von irgendwelchen Liedchen, die sich Brand nun anhören müsse. „Wenn da Akkorde gespielt werden - das tut weh”, sagt er. Freyaldenhoven erklärt, die Melodien - über ein elektrisches Klavier eingespielt und von einem Computer gesteuert - würden „erst einstimmig vorgestellt, dann in der Regel einmal mehrstimmig gespielt”. Die Mehrstimmigkeit würde aber vereinfacht, um die Melodie besser erkennbar zu machen. „Anschließend klingt die Melodie mit einem einstimmigen Spiel aus”, fügt Freyaldenhoven hinzu. Und gewechselt würden die Melodien alle zwei Wochen.

Laloire könnte ganz auf sie verzichten. Und er ist nach AZ-Informationen nicht der einzige, die Misstöne rund um die Trierer Straße häufen sich. Auf der anderen Seite gibt es aber auch große Befürworter des neuen Glockenspiels - etwa im Marienheim, dem Seniorenzentrum der Gemeinde. „Besonders den dementen Bewohnern bringt es viel Freude und Erinnerungspotenzial”, berichtet Freyaldenhoven.

Der letzte Ton schallt in das Wohnzimmer der Laloires. Auf der Straße ist ein Auto zu hören. Dann ist es wieder still. „In einer Stunde ist es wieder soweit”, ärgert sich Laloire. Laut Pfarrer Freyaldenhoven liegt die Lautstärke des Glockenspiels nach amtlichen Messungen weit unterhalb des erlaubten Pegels. Rechtlich können die Glocken also nicht gekippt werden. „Ein vorbeifahrendes Auto ist lauter”, sagt der Pfarrer.

Freyaldenhoven erzählt außerdem, dass im Hauptturm alle störenden Stahlteile entfernt wurden, die bislang für Nebengeräusche bei den Läuteglocken gesorgt hätten. Stattdessen wurde ein Holzglockenstuhl eingebaut. „Äußerst angenehm” würde das klassische Geläute dank einer doppelten Verbretterung nun klingen. Und angeschlagen werden diese Glocken ohnehin immer seltener. Die Gemeinde hat das erlaubte Angelusläuten täglich um 7 Uhr eingestellt. „Ich habe in meinem Dienst hunderte Läuteeinheiten abgeschafft durch die Reduzierung der Gottesdienstes”, sagt der Pfarrer. Dann ist es fünf vor zwölf und das Glockenspiel beginnt - Johannes Eike Laloire auf den Geist zu gehen.
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