Missbrauchsprozess: Stieftochter nimmt Vorwürfe zurück

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Würselen. Was sie der Polizei erzählt habe, sei Lug und Trug gewesen. Das berichtete die Adoptivtochter des wegen mehr als 20-fachen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung angeklagten Shahid G. (33) am Dienstag vor der 5. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts.

Damit blieb die heute 17-Jährige dabei, dass die Vorwürfe gegen ihren in Haft sitzenden Adoptivvater, die bislang auch von ihrer ein Jahr älteren Freundin gestützt wurden, eine „Erfindung“ der zwei Mädchen gewesen seien. Sie hätten dem Angeklagten mit ihrer Strafanzeige im Jahr 2011 „einen auswischen“ wollen.

Der Vorsitzende Richter Roland Klösgen hatte zu Beginn der Vernehmung die selbstbewusst auftretende Zeugin ausführlich belehrt. „Sie müssen hier nicht aussagen“, erklärte Klösgen die Rechtslage, „das auch deshalb nicht, weil sie sich durch ihre Aussage eventuell selbst belasten und einer Strafverfolgung aussetzen könnten. Das müssen sie nicht.“ Doch die junge Dame, die auf dem Weg zum Abitur ist, blieb standhaft. Sie wolle aussagen, egal was für Konsequenzen das für sie habe.

Über ihre Motive sprach sie dann offen. Ihr noch recht junger Adoptivvater, den sie immer schon als „richtigen“ Vater akzeptiert habe, habe damals - etwa im Jahr 2009 - eine junge Freundin gehabt. Das hätte sie gar nicht gut gefunden und darüber auch mit ihrer besten Freundin, „die bei uns wie ein weiteres Kind“ aufgenommen worden sei, gesprochen.

Dazu kam noch, dass der aus Pakistan stammende Angeklagte beruflich in England als Dolmetscher für Fahrschulen tätig war und beabsichtigte, die Adoptivtochter und das weitere, leibliche Kind, sowie die Mutter nach London zu holen. „Ich mag das Leben dort nicht“, sagt die Zeugin auch heute und das habe damals noch viel mehr gegolten.

Dann hätten sie sich hingesetzt und zunächst einen Stalker im Facebook-Vorläufer „Schüler VZ“ erfunden, der ihnen vermeintliche Anweisungen zu bestimmten sexuellen Handlungen gab, die beide Mädchen mit dem Vater ausführen sollten. In der Anklage wird auch dies dem Angeklagten zugeschrieben. Die Beschreibung der vermeintlichen Taten seien frei erfunden.

Das aktuelle Problem für das Gericht: Die Freundin habe die Vorwürfe aufrecht erhalten, konfrontierte der Richter die 17-Jährige mit den Aussagen des anderen Mädchens.

Das könne sie nicht verstehen, erwiderte die Zeugin. Für sie sei nur vorstellbar, dass die Freundin damals ihre Aussagen nicht zurück nehmen wollte, weil sie Angst vor ihrem eigenen Vater hatte. Der habe des Öfteren gedroht, die Tochter nach Polen - dort stammt die Familie - zurückzuschicken.

Zum Thema fragte der Richter: „Der Vater ist inzwischen verstorben. Wie erklären Sie sich das denn jetzt?“ wollte Klösgen wissen und „eine von beiden lügt“, stellte er nüchtern fest. Sie sei das nicht, bekräftigte die 17-Jährige daraufhin.

Der Prozess wird am 11. September ab 12 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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