Miniatur-Müllauto ist gar nicht verkehrt

Von: Robert Esser
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Huckepack-Tonne: Sylvia Neugebauer und Robert Säuberlich sammeln jetzt per Elektromobil Müll ein – hier auf der Pontstraße. Die neue „Kehr-Force“ wirbt gleichzeitig auffällig für mehr Sauberkeit. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Was für ein „heißer Feger“! Die neue „Kehr-Force“, die schnelle Eingreiftruppe der Stadt in Sachen „Sauberes Aachen“, ist ein echter Hingucker. Fand auch die Polizei. Die lotste die Straßenkehrer Robert Säuberlich (heißt wirklich so) und Sylvia Neugebauer schon bei der ersten Testfahrt im knuffigen Elektromobil mit rücklings angeschnallter Mülltonne an den Fahrbahnrand. Kontrolle.

„Erst war ich total eingeschüchtert. Aber die Beamten waren total fasziniert von dem Twizy und haben uns viel Glück gewünscht“, erzählt Säuberlich. Denn die Mission schien bislang unmöglich. Die dreiköpfige Eingreiftruppe des Stadtbetriebs mit Säuberlich (26), Neugebauer (39) und Frank Zodet (45) ist mit dem winzigsten Müllauto der Region – und einem weiteren neuen „E-Worker“ mit kleiner Ladefläche – Bestandteil eines gewaltigen Maßnahmenkatalogs: „Aachen ist unser Zuhause“ heißt die Kampagne, die OB Marcel Philipp vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Seitdem steht der Kampf gegen Dreck, Müll und Schmierereien ganz oben auf der Prioritätenliste. Und nicht nur im OB-Büro mehren sich mittlerweile Anrufe von Bürgern, die nicht nur nörgeln, sondern erkennbare Fortschritte loben.

Philipps Strategie geht weit über Plakat-Aktionen, Abfalleimer-Aufkleber und Kinospots hinaus, die für das Thema Sauberkeit im Stadtbild sensibilisieren sollen. In den vergangenen Monaten hat der Stadtbetrieb mehr als 300 zusätzliche Müllkörbe in Aachen installiert. Im Stadtkern ließ der OB zudem reihenweise hochwertige Standmülleimer platzieren. Demnächst folgen die Außenbezirke. Rund 2500 Tonnen Abfall schaufeln die rund 80 städtischen Straßenreinigungskräfte pro Jahr aus dem Weg. Jeder einzelne Mitarbeiter allein füllt also rechnerisch einen schweren Sattelschlepper allein mit Unrat von der Straße.

Aachen verfügt nunmehr über gut 2000 Mülleimer im öffentlichen Raum, wie Dieter Lennartz vorrechnet. Der Abteilungsleiter Abfallwirtschaft zieht eine positive Zwischenbilanz der breit aufgestellten Sauberkeits-Offensive – wenngleich noch ein Berg von Arbeiten anstehe, wie er betont.

Lennartz kann trotzdem schon ansehnliche Erfolge aufzählen: „Dank des neuen Papierkorbdienstes sehen die Behälter tatsächlich wesentlich gepflegter aus“, sagt er. Aufkleber und Schmierereien werden in tausenden Arbeitsstunden auch von zig Laternen, Ampelmasten, Parkticket-Automaten sowie Stromkästen gekratzt und geschrubbt. „Das ist unglaublich mühselig“, stellt der Abfall-Experte fest. Aber es lohnt sich. Sogar entlang der Pontstraße vom Markt bis zum studentischen Partyviertel fällt ins Auge, wie extrem die Aufkleber- und Plakatflut abebbt – nachhaltig. „Wenn etwas richtig sauber ist, ist die Hemmschwelle höher, es zu bekleben, als bei Laternen und Flächen, die bereits versaut sind“, sagt Lennartz.

Alles also so sauber wie möglich. Die „Kehr-Force“ hinterlässt nicht mal Abgase. Sie patrouilliert ab sofort entlang bekannter Schmuddelecken – eben dort, wo turnusmäßige Reinigung nicht ausreicht. Leider gilt das in erster Linie für Straßen im Ostviertel. Dort fällt laut Verwaltung seit Jahren deutlich mehr Dreck an als im übrigen Stadtgebiet. Aber auch Suermondtplatz, das Bahnhofsviertel und Parkflächen hat Lennartz‘ Team – unter anderem – im Visier. Ankommen soll das auffällige Abfallmobil in zweierlei Hinsicht: „Unsere neue schnelle Eingreiftruppe sucht nicht nur Müll, sondern auch das Gespräch mit dem Bürger“, erklärt der Abfallchef. Damit möglichst vielen bewusst wird, wie leicht man Aachen überall zum echten Hingucker machen könnte. Gar nicht verkehrt.

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