Milos Sous bringt viel Musik in den Hof

Von: Matthias Hinrichs
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Bringt den Kultursommer in der City wieder als Erster zum Blühen: Milos Sous freut sich auf den Start der fünften Hofkonzerte-Reihe auf dem vielleicht lauschigsten Plätzchen der Altstadt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn der beschauliche kleine Platz zwischen Dom und Körbergasse vielen Aachenern als zweites Wohnzimmer gilt, dann trifft das auf Milos Sous in besonderem Maße zu: Als Gastronom, Veranstalter und Künstler sorgt er für frisches Leben in der Altstadt.

Mit seiner Lebenspartnerin Sandra Salagoudi, der Tochter des vor knapp sieben Jahren gestorbenen, nach wie vor weithin bekannten Gastronomen Michael Salagoudis, sowie Georgios Markakos führt Sous die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte des Domkellers mit reichlich Fortune und vielen frischen Ideen fort.

Vor vier Jahren hat Sous, seines Zeichens kreatives Allroundtalent mit nicht minder prominenten Wurzeln – er entstammt einer facettenreichen Künstlerfamilie –, so auch die kleine, aber feine Reihe der Hofkonzerte etabliert. Am Dienstag fällt der Startschuss für die nächste Staffel im Zeichen des Kultursommers. Im AZ-Interview berichtet Milos Sous über Herausforderungen und den besonderen Reiz seines vielfältigen Engagements als Kneipier, Konzertveranstalter und Kunstförderer.

Gestatten Sie uns ein bisschen Lyrik zum Warmwerden, hier am vielleicht schönsten Platz der Stadt: Sie sind ja so etwas wie die erste Schwalbe, die den Kultursommer in der City durchaus schon ein Stück weit „macht“. Allerdings stört unseren Blick immer noch die Kanalbaustelle der Stawag. Wie entspannt sind Sie kurz vor dem Start der Hofkonzerte am Dienstag?

Sous: Nun ja, mit der Baustelle arrangieren wir uns schon. Ich glaube nicht, dass die tolle Atmosphäre dadurch wesentlich gestört wird. Nervös bin ich eher mit Blick aufs Wetter. In den vergangenen Jahren hatten wir jedenfalls immer beste Bedingungen, sogar wenn die Vorhersage schlecht war . . .

2011 haben sie die Hofkonzerte zum ersten Mal organisiert. Wie kam‘s?

Sous: Im Grunde wurde das Ganze durch eine Art Versprecher am offenen Mikrofon angestoßen. Im Domkeller machen wir ja seit langem bereits die sogenannten Montagskonzerte. Einmal hatten wir dort Sebastian Sturm mit seiner Band, die erste Etage der Kneipe platzte aus allen Nähten. In der Euphorie über die tolle Resonanz hab‘ ich irgendwann gesagt: Im Sommer verlegen wir das Ganze nach draußen und machen ein kleines Happening daraus! Tatsächlich haben wir innerhalb von zwei Monaten die Premiere der Hofkonzerte organisiert, damals spielten Sebastian Sturm und die Beatles-Coverband Ringo. Der Hof war brechend voll, es war fantastisch.

Diesmal sind an vier Tagen bereits zwölf Bands sowie ein großes Kinderprogramm am Start. Wie stemmen Sie die Finanzierung?

Sous: Wir bekommen erstmals einen kleinen Zuschuss von der Stadt, und auch durch das Engagement der Barockfabrik, die das Kinderprogramm gestaltet, können wir das Ganze als kleines Volksfest gestalten. Den Hauptteil der Finanzierung übernehmen aber nach wie vor die Geschäftsleute im unmittelbaren Umfeld hier am Hof, das sind immerhin rund 20 Gaststätten und Gewerbetreibende. Außerdem haben wir eine ganze Reihe von Sponsoren.

Wir nehmen ja keinen Eintritt, aber hoffen natürlich, dass die Zuschauer hungrig und durstig kommen. Einen Teil der Kosten können wir dann wieder einspielen, aber das Festival veranstalten wir nicht, um damit Gewinn zu machen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, denn viele kommen ja auch ohne Konzerte gerne zu uns. Und einige haben den Hof mit seinen Gaststätten und Geschäften gerade durch die Konzerte erst entdeckt. Wir verstehen das als Wertschöpfung. Wir investieren in Kultur und werben so für unseren gemeinsamen Standort.

Sie bilden damit quasi die Vorhut fürs September Special, das diesmal wegen der Reit-EM schon im August steigt. Da ist der Hof aber als „Location“ nicht mehr dabei. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder auch die Sicherheitsauflagen diskutiert, weil‘s rund ums Säulengelände schnell eng werden kann. Wie schaffen Sie es, dass Ordnungsamt und Polizei Ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen?

Sous: In der Tat sind die Auflagen verschärft worden, und wir haben viele Gespräche geführt. Wir haben eigene Sicherheitskräfte, notfalls werden wir die großen Zugänge an der Ecke Körber-/Rommelsgasse und an der Romaneygasse zeitweise sperren, die bestuhlten Terrassenflächen werden teilweise verkleinert. Das Sicherheitskonzept ist sehr gut. Es gibt immer genügend Ausweichmöglichkeiten, da der Hof ja in viele Richtungen offen ist.

Viele Kollegen und manche Initiative klagen weiter übers sogenannte Club- und Kneipensterben. Der Domkeller brummt seit Jahr und Tag. Was machen andere möglicherweise falsch, welche Klagen sind berechtigt, welche vielleicht nicht?

Sous: Das weiß ich nicht. Ich kann da jetzt wirklich nur für unser Haus sprechen. Der Domkeller hat nicht nur einen idealen Standort, sondern wir sind uns selbst über die Jahrzehnte treu geblieben. Schließlich haben wir teilweise Gäste, deren Großeltern schon hierhergekommen sind, sich hier vielleicht kennengelernt haben. Wir folgen keinen Trends und Moden, haben nie auf dieses oder jene „Klientel“ gesetzt.

Der Laden steckt im besten Sinne voller Widersprüche. Unser Publikum ist „wild gemischt“, gerade das kommt gut an, glaube ich. Nicht zuletzt haben wir ein hochmotiviertes Kellner-Team, das einen tollen Job macht. Man merkt der Kneipe an, dass sie ein Familienbetrieb ist, seit Sandras Vater Michael sie in den Siebzigern übernommen hat, dass wir eben mit viel Herzblut dabei sind.

Dennoch: Legt die Politik der Kneipen- und Partyszene zu viele Steine in den Weg?

Sous: Es ist klar, dass die Auflagen für jeden, der zum Beispiel eine Gaststätte in der Innenstadt eröffnen möchte, enorm hoch sind, gerade in punkto Bau- und Sicherheitsvorgaben. Das ist einerseits verständlich. Andererseits erhöht es das Risiko für potenzielle Investoren ganz erheblich.

Ein Problem liegt auch darin, dass es derzeit einfach wenige Immobilien für größere Lokale gibt und Konflikte mit Anwohnern vielfach zu befürchten sind. Es ist halt ein schwieriges Spannungsfeld. Auch die „Partygänger“ selbst tragen dazu bei, indem sie sich zum Beispiel ihr Bier lieber im Kiosk an der Ecke holen, weil‘s da billiger ist. Die Gastronomen müssen darauf reagieren, indem sie mehr Kultur anbieten, denke ich.

Apropos: Der Markt ist nur einen Steinwurf entfernt und dieser Tage gern als „Food Court“ apostrophiert worden, weil sich auch dort immer mehr Gastronomie ansiedelt. Macht Ihnen das eher Sorge, oder belebt Konkurrenz das Geschäft?

Sous: Ich sehe das gelassen. Wir Hof-Gastronomen setzen seit langem auf Synergieeffekte, unsere Terrassen sind praktisch nicht voneinander abgegrenzt, genau das macht den Hof als Ganzes so attraktiv, glaube ich. Da kann man von der Kneipe aus im Sommer durchaus eine Mahlzeit aus dem Restaurant nebenan bestellen und dergleichen.

Gehen die Konzepte zur Aufwertung und Neugestaltung des sogenannten Nikolausviertels nebenan am Büchel in die richtige Richtung?

Sous: Auf jeden Fall. Schlimmer als jetzt kann es dort ja nicht werden. Dass das Parkhaus abgerissen wird, ist gut. Allerdings vermisst man vernünftige Konzepte, die Parksituation im näheren Umfeld der City zu verbessern. In Maastricht zum Beispiel ist das viel besser organisiert. Dort gibt es eine schöne fußgängerfreundliche Altstadt und trotzdem genügend Parkraum in der Nähe.

Vielleicht kann man einmal darüber nachdenken, mehr Parkraum unter der Erde anzubieten. Schließlich sind vor Jahrzehnten Unterführungen für Fußgänger geschaffen worden, die heute fast alle ungenutzt und dicht sind. Ich bin kein Experte, aber vielleicht gäbe es da ja Möglichkeiten. Mein Vater hat sich intensiv für die Schaffung einer Markthalle auch als Ort der Begegnung am Büchel eingesetzt. Ich finde, auch diese Idee sollte weiter verfolgt werden.

Sie selbst sind gelernter Goldschmied, studierter Industriedesigner und Kulturveranstalter, auch etwa mit Ihrer Galerie S. am Hof. Ihr Vater Albert Sous ist ein bekannter Künstler, seine Werke sind an vielen Stellen der Stadt zu bewundern, auch Ihre Mutter und Ihre drei Geschwister sind Künstler. Hand aufs Herz: Ist es für Sie eher Fluch oder eher Segen, einer solch kreativen Familie anzugehören?

Sous: Das habe ich mich selbst ehrlich gesagt so noch nie gefragt. Im familiären Alltag war das Thema Kunst natürlich allgegenwärtig. Das ist ja bei allen Kreativen der Fall, und bei mir nun ebenso. Ich glaube, wir haben von meinen Eltern dieses Hinterfragen und Anders-Denken in die Wiege gelegt bekommen, deswegen gehen wir alle in eine kreative Richtung, nutzen aber verschiedene Ausdrucksmittel, glücklicherweise. Und wir haben handwerklich viel mitbekommen, das Elternhaus war ja eine Dauerbaustelle, die Werkstatt mein schönster Spielplatz.

Ich glaube, ich habe davon profitiert, indem auch für mich klar war, dass ich keinen besonderen Wert lege auf einen Job, der immer den gleichen ausgetretenen Wegen folgt. Im Domkeller gehöre ich im eigentlichen Sinne ja nicht zum gastronomischen Team, sondern übernehme andere Aufgaben. Zum Beispiel ist der Erhalt des Hauses, das bald 400 Jahre dort steht, eine Herausforderung. Dann gibt es immer wieder behutsame Modernisierungen im Betrieb, die im Idealfall unbemerkt erfolgen. Und eben unsere Kulturschiene: Die Konzerte und die Ausstellungen nebenan. Dazu gehört die Planung, Grafik, Kommunikation. Und Interviews…

Ich bin viel herumgekommen und habe meinen eigenen Weg gefunden, indem ich das Funktional-Praktische mit dem Kreativen verbinde. Entscheidend war für mich dabei sicher auch die Botschaft meiner Eltern, dass Arbeit immer auch Spaß machen sollte. Insofern bin ich sehr einverstanden mit dem Leben, das ich heute führe.

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