Aachen - Millionenprojekt: Aachens größter „Sandkasten“ in der Soers

Millionenprojekt: Aachens größter „Sandkasten“ in der Soers

Von: Stephan Mohne
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Millionenprojekt: Auf der Freifläche zwischen Krefelder Straße, Justizvollzugsanstalt und Autobahn soll ein riesiges Auffangbecken nebst Sandfiltern als Erweiterung der Kläranlage Soers gebaut werden. Foto: Andreas Steindl/Michael Jaspers

Aachen. Der mit Abstand größte „Sandkasten“ Aachens wird in der Soers gebaut. Genauer gesagt auf einer Fläche, die zwischen Krefelder Straße und Abwasserreinigungsanlage (ARA) Soers an der Wurm liegt.

 Das Bauwerk – im Fachjargon „Retensionsbecken“ genannt – soll verhindern, dass mit Feststoffen verunreinigtes Abwasser in die Wurm gelangt, was bislang nicht völlig ausgeschlossen ist. Klar ist: Der Bau der Anlage wird einige Millionen Euro kosten. Wie viel genau, werde derzeit noch berechnet, sagt Marcus Seiler, Sprecher des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) als Betreiber der Kläranlagen in der Region.

Die Dimensionen jedenfalls sind enorm. Das Bauwerk wird in seinen Ausmaßen insgesamt 14.000 Quadratmeter groß. Insgesamt wird es laut Seiler aus sechs einzelnen Becken bestehen, die zusammen 30.000 Kubikmeter – das sind 30 Millionen Liter – Wasser aufnehmen können. Gebaut werden muss es für Fälle, in denen mehr Abwasser an der Kläranlage ankommt, als diese aufnehmen kann.

Wenn Starkregen droht

Die Aufnahmekapazität der nicht gerade kleinen ARA Soers beträgt laut Seiler 3000 Liter pro Sekunde. Regnet es stark, kann aber durchaus deutlich mehr in Richtung Kläranlage fließen. Der Überschuss wird dann sozusagen „geparkt“. Von jeher steht dafür ein Becken für 10.000 Kubikmeter bereit. Weitere 6000 Kubikmeter können die Kanäle aufnehmen. 2005 wurde schließlich ein weiteres Regenüberlaufbecken ebenfalls mit einer Kapazität von 10.000 Kubikmetern gebaut.

Doch auch diese insgesamt 26.000 Kubikmeter „Reserve“ könnten bei einem außergewöhnlich starken Regen nicht reichen. Bislang galt für solche absoluten Ausnahmefälle, dass dann auch Abwasser ungeklärt – allerdings stark verdünnt – in die Wurm abgeleitet werden darf. Doch auch diese Ausnahme soll es demnächst nicht mehr geben. Die Bezirksregierung hat den Wasserverband aufgefordert, auch dieses Überschussabwasser „weitergehend zu behandeln“, bevor es in die Wurm gelangt.

Genau diesem Zweck wird das neue Bauwerk dienen. Und das funktioniert so: Über den sechs Becken gibt es eine Decke aus Sand. Über diese wird das Abwasser notfalls geleitet. Der Sand sorgt dafür, dass die vorhandenen Feststoffe zurückgehalten werden. Das übrige Wasser fließt dann in die Auffangbecken, die auch einzeln „angesteuert“ werden können. Nun könnte die Strömung des Wassers leicht dafür sorgen, dass der Sand weggespült wird. Das wird verhindert, in dem man die gesamte Anlage mit Schilfgras bepflanzt. Dessen Wurzeln halten die Sanddecke stabil.

Baubeginn Mitte 2018?

Bis das Becken gebaut und Betrieb ist, wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern. Derzeit läuft laut Marcus Seiler das Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung, das bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Dann folgt eine europaweite Ausschreibung für den Bau der Anlage. Das soll dann bis 2017 über die Bühne sein. Nach der Vergabe der Gewerke wird mit einem Baubeginn Mitte 2018 gerechnet. Die Bauzeit beträgt zweieinhalb Jahre. Danach muss das Schilfgras noch wachsen, was nochmals etwa ein halbes Jahr dauert. Mitte 2021, so Seiler, wird dann mit dem Startschuss für das „Retensionsbecken“ gerechnet.

Apropos rechnen: Die Millionenkosten für das Bauwerk werden laut Marcus Seiler zur Hälfte über die NRW-Bank durch Landesgelder gedeckt. Der Rest bleibt beim WVER hängen. Dessen Kosten werden üblicherweise über die Abwassergebühren gedeckt.

Ob und wenn ja in welcher Höhe die Abwassergebühren wegen des Millionenprojekts in Aachen und Würselen – aus diesen beiden Städten kommt Abwasser in der Soers an – steigen werden, ist derzeit noch offen. So weit sei man mit den Berechnungen noch nicht, hieß es.

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