Aachen - „Millionenallee” und Stalaktiten

„Millionenallee” und Stalaktiten

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Spannende Geschichte(n) auf dem Ostfriedhof: Bauhistoriker Holger A. Dux konnte viel über die Historie alter Aachener Familien vermitteln. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ernest Viktor Hubert Joseph Berger-Schippers hatte nicht nur ziemlich viele Vornamen, sondern auch ein großes Herz. Der Mann war in Aachen aufgewachsen und hatte in Berlin ein Vermögen gemacht. Nach seinem Tod ging sein Geld zurück gen Westen, der kinderlose Berger-Schippers vermachte es seiner Heimatstadt.

Gebaut wurde damit ein Waisenhaus in der Goethestraße und um zu verhindern, dass der großzügige Mann in Vergessenheit gerät, wurde ihm ein Denkmal gesetzt.

Das ist auf dem Ostfriedhof zu finden. Der Mann, der seine Geschichte erzählt, heißt Holger A. Dux und ist Bauhistoriker. Anlässlich des Tags des offenen Denkmals führt er über den Ostfriedhof. Über die „Aachener Millionenallee”, um genau zu sein. So nennt er die Gräber entlang der Stolberger Straße.

„Wir haben auch auf dem Friedhof so etwas wie eine Klassengesellschaft”, sagt Dux. Von den ungezählten Reihengräbern, die teilweise noch nicht mal mit einem schlichten Holzkreuz versehen waren, fehlt heute jede Spur.

Geblieben sind die großen repräsentativen Grabstätten, die mehrheitlich unter Denkmalschutz stehen. Insgesamt machen die darin Bestatteten aber nicht mehr als zehn Prozent der Menschen aus, die seit 1803 auf dem Ostfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Wer er sich leisten konnte, der gab beim Handwerker eine Engelsfigur in Auftrag. Und wer etwas weniger Geld hatte und trotzdem nicht auf die geflügelten Himmelsboten verzichten wollte, der kaufte Massenware.

Dux versteht es mit Geschichten die Geschichte lebendig werden zu lassen. Sogar auf einem Friedhof. Es geht weiter, vorbei an Namen wie Heusch, Rehm, Oppenhoff und Talbot. Die Engel werden weniger, stattdessen finden sich oft lebensgroße Frauenfiguren. Zeichen einer Zeitenwende.

„Typisch für den Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert”, kommentiert Dux. Die Religion hatte an Bedeutung verloren, die Darstellung der Trauer kam in Mode. Deswegen tragen die Frauenfiguren einen Witwenschleier und stützen die Hand auf eine Urne.

Der Tag des offenen Denkmals lädt dazu ein, solche Entdeckungen zu machen. Er führt die Bedeutung des kleinen grün-rot-weißen Blechsiegels, das die Insignien des Landes NRW trägt, vor Augen und fordert dazu auf, die Historie hinter steinalten Gemäuern zu erforschen.

Öffentliche Badeanstalt

Im Couven-Museum, dem Theater, in der Zollernstraße, auf Gut Hebscheid und in der Elisabethhalle. Letztere bietet ein Bild, wie es vor Jahrzehnten mindestens einmal pro Woche zu sehen war. Glücklicherweise ist der Geruch ein anderer.

Vor der Elisabethhalle stauen sich die Menschen. Wie damals, als sie kamen, weil sie zuhause keine eigene Wanne hatten. Zum Baden ging es in die 1911 eröffnete Schwimmhalle im Jugendstil. Sie verfügte nicht nur über Wäscherei, Trockner und Hundebadeanlage, sondern auch über ein Wannenbad mit acht einzelnen Kabinen.

Die Elisabethhalle war einst maßgebend in Sachen Modernität, was sich auch an den Becken bemerkbar macht. Ganz dicht sind sie nicht, aus der Unterseite des Beckenrandes wachsen mittlerweile kleine, aus Ablagerungen bestehende Stalaktiten. Sie führen vor Augen, wie lange an der Elisabethstraße tatsächlich schon geschwommen und gebadet wird.
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