Aachen - Millionen Laster überrollen Aachens Straßen

Millionen Laster überrollen Aachens Straßen

Von: Stephan Mohne
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81000 Lkw-Fahrten pro Tag: Besonders belastet sind laut Analyse die Autobahnen rund um Aachen - mit der A4 an der Spitze: Dort fahren über 15000 Laster in 24 Stunden. Abseits der Autobahnen sind besonders zum Beispiel Berliner und Prager Ring, Trierer Straße, Kohlscheider Straße und Adenauerallee belastet.

Aachen. Die Zahl klingt fast unglaublich: Mehr als 25 Millionen Lastwagen sind es, die nach aktuellen Berechnungen pro Jahr über Aachener Boden rollen.

Zu entnehmen ist dies einer Bestandsaufnahme durch ein Expertenbüro, die Basis für ein künftiges „Lkw-Führungskonzept” sein soll. Dieses wiederum ist Teil des Plans, den Aachen aufgelegt hat, um die Luft im Talkessel sauberer zu bekommen. Nur so könnten Umweltzonen und Fahrverbote - das droht Aachen ohne durchgreifende Änderungen ab Anfang 2011 - zu verhindern.

In Sachen Lastwagen ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen mussten allerdings erst einmal belastbare Daten her. Sie liegen jetzt vor - und sprechen eine deutliche Sprache. Am stärksten belastet sind demnach - erwartungsgemäß - die Autobahnen, die Aachen „umzingeln”. Spitzenreiter ist die A4 im Bereich des Autobahnkreuzes, die von sage und schreibe mehr als 15.300 Lastern jeden Tag „überrollt” wird. Würde man sich 24 Stunden dort hinstellen, dann würde alle fünfeinhalb Sekunden ein Lkw an einem vorbeirauschen. Bei den höchsten Belastungen folgen die A44 zwischen belgischer Grenze und Kreuz mit über 11.000 Lastwagen pro Tag sowie die A4 zwischen Krefelder Straße und Laurensberg mit über 10.000 Fahrten.

Viel los auf den Ringen

Über die A544 zwischen Kreuz und Abfahrt Rothe Erde rollen immerhin noch rund 4500 Lkw pro Tag. Bei den innerstädtischen Straßen sind es in diesem Zusammenhang vor allem der Berliner und der Prager Ring, die mit hohen Belastungszahlen auffallen - mit bis zu 2500, die Trierer Straße mit rund 1800, der Toledoring mit rund 1700 sowie Madrider Ring und Adenauerallee mit bis zu 1300 Lkw-Fahrten am Tag. Hohe Zahlen gibt es mit über 1000 zum Beispiel auch noch auf Teilen der Jülicher Straße, der Heinrichsallee und dem Adalbertsteinweg.

Für den weitaus größten Teil der Laster ist Aachen nur ein „Transitpunkt” - sie rauschen auf den Autobahnen durch Aachen zu anderen Zielen, sind somit also auch nicht beeinflussbar. Rund 16.500 Fahrten starten im Stadtgebiet und enden auch dort. Weitere 16.100 Lastwagen kommen von der Autobahn und „strömen” dann zu Zielen in der Stadt oder umgekehrt. Genau da könnte ein Ansatzpunkt für das Lkw-Führungskonzept sein. Werden diese nämlich mit Schildern direkt zu ihren Zielen gewiesen, vermeidet man zum Beispiel „Suchverkehr”.

Der entsteht nicht selten durch moderne Navigationssysteme, die die Brummifahrer bisweilen in die Irre leiten. Ein Beispiel dafür ist Strangenhäuschen zwischen Krefelder Straße und Haaren. Lkw fahren hier in eine Sackgasse, da die Durchfahrt für sie nicht nur verboten, sondern mittels massiver Sperren auch unterbunden ist. Das „Navi” kennt diese Sperren aber nicht. Folge: Zum Teil haarsträubende Wendemanöver und unnötige Fahrtwege.

Ale eine der ersten Maßnahmen könnten sich die Experten somit ein Führungskonzept vorstellen, das die Laster schon auf den Autobahnen mit dem Hinweis „Navigation aus!” und Postleitzahlen auf den Abfahrtschildern leiten. Während es so etwas in Deutschland in dieser Form noch nicht gibt, kennt der Aachener das insbesondere aus der benachbarten Parkstad Limburg bei Kerkrade/Heerlen oder auch vom Ring im belgischen Antwerpen. Bestimmten Firmen oder auch Arealen sind Nummern zugewiesen, zu denen man schon auf der Autobahn sicher geführt wird. Voraussetzung für die Umsetzung wäre allerdings grünes Licht für die Aufstellung der Schilder durch Bund und Land, in deren Zuständigkeiten die Autobahnen fallen. Gespräche dazu stehen aus.

Außerdem soll eine der ersten Maßnahmen ein Lkw-Stadtplan sein. Diese speziellen Stadtpläne sollen Firmen, Betrieben und Geschäften mit hohem Lieferaufkommen zur Verfügung gestellt werden. Zudem könnten die Inhalte des Stadtplans in Routensuchprogramme und Navigationssysteme eingespeist werden.

Mehr Geld muss her

Bleibt ein Problem: das Geld. 50.000 Euro waren im Haushalt für das Führungskonzept verankert, doch dieser Topf ist durch die nötigen Datenerhebungen so gut wie geleert. Für weitere Untersuchungen und Maßnahmen müsste es einen „Nachschlag” geben. Wie es weitergehen soll, das wird am 28. Januar (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße) der Mobilitätsausschuss beraten.

Wilhelmstraße: Verbot kommt bald

Einerseits unabhängig vom Lkw-Führungskonzept, andererseits aus der gleichen Ursache heraus wird bald das vormittägliche Lkw-Fahrverbot für die Wilhelmstraße in Fahrtrichtung Normaluhr geben. Dort steht die Luftmessstation des Landes, die unter anderem die Feinstaubelastung erfasst. Mittlerweile hat es die Ausschreibung der Stadt für die nötige Beschilderung gegeben. Starten könnte das Fahrverbot laut Stadt ungefähr Ende Februar oder Anfang März.

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