Aachen - Milder Winter, heftige Schlaglochpisten

Milder Winter, heftige Schlaglochpisten

Von: Robert Esser
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Mehr Krater als Schlagloch: Einige Abschnitte der Bismarckstraße sind nur mit größter Vorsicht zu befahren. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wo die Straße im Eimer ist, fließt tonnenweise Asphalt. Genauer: Kaltasphalt. Obwohl der jüngste Winter weniger streng als in den Vorjahren ausgefallen ist, haben Aachens Straßen schwer gelitten. Vielerorts klaffen tiefe Schlaglöcher und riesige Risse in der Fahrbahn.

„Das Schadensbild ist leider nicht harmloser als 2012 oder 2011“, erklärt Gisela Weiß auf AZ-Anfrage. Die städtische Abteilungsleiterin „Straßenunterhaltung und Brückenbau“ erläutert, dass die Reparaturkolonnen schon seit Dezember den Schäden „hinterher rennen“.

Es gab zwar keine langen Perioden mit zweistelligen Minus-Graden, aber mehrfach starke Schneefälle und monatelang Temperaturen rund um den Gefrierpunkt. „Der Effekt ist derselbe. Die Folgen sind sehr, sehr viele Schäden – obwohl der Winterdienst hervorragende Arbeit geleistet hat“, sagt sie. Wobei Auto- und Radfahrer auf manchen Schlaglochpisten besonders leiden: Salierallee, Sophien-straße, Oranienstraße, Heinrichs-allee und die Bismarckstraße zwischen Oppenhoffallee und Adalbertsteinweg gehören zu den schlimmsten Strecken. „Da finden unsere Reparaturtrupps teilweise 20 bis 30 Schlaglöcher auf wenigen Metern und müssen innerhalb eines Winters immer wieder zu den selben Einsatzorten ausrücken“, schildert die Straßen-Expertin.

Die Ursache liegt in der Reparaturtechnik: Nur wenn Tages- und Nacht-Temperaturen konstant über fünf Grad Celsius steigen, können die Bauarbeiter „normalen Asphalt“ mit einer Temperatur von rund 180 Grad Celsius gießen. „Nur dann hält er hohe Belastungen aus und ist absolut haltbar“, sagt sie. Für die über 200 Tonnen Kaltasphalt, die über den Winter bei Reparaturen auf Aachens Straßen landen, gilt das nicht. Im Gegenteil: „Dieses Lagermischgut kann zwar bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius verarbeitet werden, ist aber bei weitem nicht so robust.“ Der Kaltasphalt wird handwarm in die Löcher gefüllt und festgeklopft. „Je nach Verkehrsbelastung hält das vielleicht drei Wochen“, sagt Weiß. Danach fliegen buchstäblich die Fetzen – vor allem wenn Lastwagen oder Busse über den Flickenteppich donnern. „Und dann rückt unser Reparaturtrupp erneut an“, seufzt die Abteilungsleiterin.

50 Mitarbeiter zählt ihr Ressort. Doch wegen der Fülle der Straßenbaumaßnahmen steht derzeit nur eine dreiköpfige Kolonne für Notreparaturen zur Verfügung. Diese bewältigt durchschnittlich 15 Einsatzstellen pro Tag. Letztlich ist alles natürlich eine Frage des Geldes. Nur ein Bruchteil des Budgets in Höhe von 5,5 Millionen Euro, das Aachen pro Jahr in die Straßenunterhaltung und den Brückenbau steckt, kann in Notreparaturen investiert werden. „Die Mittel, personell und finanziell, sind einfach zu knapp bemessen, um alle Aufgaben bewältigen zu können“, stellt Weiß fest. Übrigens: Gehwegplatten lösen sich nach Frostperioden in vielen Fällen, weil vorher – verbotenerweise – Salz statt Schotter gestreut wurde. „Das Salz sickert durch die Fugen in den Boden und taut den Untergrund dann ungleichmäßig auf. Dadurch gerät die Platte bei Belastung in Schräglage und wird zuweilen regelrecht ausgehebelt“, erklärt sie. In vielen Fällen findet die Platte aber wieder ihren festen Sitz, wenn der Untergrund dank steigender Temperaturen gleichmäßig aufgetaut ist.

Zurück auf die Straße: Weil Salierallee und Bismarckstraße besonders im Eimer sind, stehen ganze Bautrupps quasi in den Startlöchern. Ab April soll der Kanal unter der Salierallee erneuert werden, die Bismarckstraße steht spätestens 2014 auf dem Plan. Dann fließt wieder tonnenweise Asphalt – aber von der heißen Sorte.

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