Mietpreise: Bonn und Münster viel teurer als Aachen

Von: Robert Esser
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Bauboom in Aachen – hier das Quartier „Mitte Mitte“ an den Frauenbrüdern: Exklusive und teure Wohnungen entstehen in Aachen an vielen Ecken. Aber günstiger Wohnraum bleibt weiterhin knapp. In vergleichbaren Städten ist die Lage aber noch angespannter. Foto: Michael Jaspers
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Unterschiedliche Perspektiven auf den Wohnungsmarkt: Hans Knops vom Mieterschutzverein ... Foto: Michael Jaspers
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... und Tobias Hundeshagen, Geschäftsführer des Aachener Haus- und Grundbesitzervereins. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein „Wohnklo“ für 500 Euro? Kein Platz für Familien mit Kindern? Mieten explodiert? Da schüttelt Tobias Hundeshagen, Geschäftsführer des Aachener Haus- und Grundbesitzervereins, nur mit dem Kopf. „Zwar steigen die Mieten“, sagt er mit Blick auf den jetzt aktualisierten Mietspiegel der Stadt.

„Aber sie steigen längst nicht so stark, wie das von mancher Seite lautstark kritisiert wird – schon gar nicht in Aachen“, erklärt er. Und präsentiert einen simplen Vergleich: „Weil angeblich die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum gefährdet ist, gibt es in Aachen zusätzlich zur Kappungsgrenze – das heißt maximal 15 statt 20 Prozent Mieterhöhung auf drei Jahre – eine Mietpreisbremse: Erhöhung der Miete bei Neuvermietung maximal auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete zuzüglich 10 Prozent. Wie passt das hier zu einer gemittelten Quadratmetermiete von 5,60 Euro im mittlerer Wohnlage im eben noch gültigen Mietspiegel für ein Gebäude, das vor 1960 gebaut wurde?“, fragt er eher rhetorisch. „Gar nicht.“

Theorie und Praxis: Natürlich sei Wohnraum in Toplagen, gerade für Studierende und Menschen mit geringen Einkommen, aber auch Familien mit Kindern knapp. Aber in einer Stadt wie Aachen, mit gut 250.000 Einwohnern, gebe es durchaus auch preiswertere Bereiche – etwa in Forst, Oberforstbach und Verlautenheide. „Es existieren große Unterschiede innerhalb des Stadtgebiets“, sagt er. Gleichwohl habe vor allem der Boom an den Aachener Hochschulen mit über 50.000 Studierenden zu einer Ausdünnung des Angebots geführt.

Hochschulstädte, die ähnlich groß wie Aachen sind, kämpfen allerdings mit weit höheren Mieten. Das ist für Vermieter lukrativ, für Mieter teils dramatisch: zum Beispiel in Bonn und Münster. Auf Internet-Portalen diverser Wohnungsbörsen kann man sich einen Überblick über Quadratmetermieten in Wohnungsangeboten verschaffen. Da rangiert Aachen für ein 30-Quadratmeter-Appartement bei 10,56 Euro (Mietspiegel 9,23 Euro), Münster kommt auf 11,90 Euro (Mietspiegel 10,16) und Bonn sogar auf 12,01 Euro (Mietspiegel 10,05).

Bei Angeboten für 100 Quadratmeter große Wohnungen reicht die Bandbreite von 9,18 Euro pro Quadratmeter (Aachen) über 9,76 Euro (Bonn) bis zu 9,94 Euro (Münster). Noch ein Größenvergleich: In der Metropole Köln verlangen Vermieter laut Wohnungsbörse für 30-Quadratmeter-Einheiten im Schnitt 13,10 Euro, für 100 Quadratmeter 11,18 Euro pro Quadratmeter. In den vergangenen fünf Jahren gab es Steigerungen von bis zu 50 Prozent.

Hans Knops, Geschäftsführer des Aachener Mietervereins, sieht hier ähnliche Trends: „Die Mieten in Aachen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Dies wird unter anderem durch den Wohnungsmarktreport der LEG 2016 bestätigt. Bei einer Auswertung von Wohnungsangeboten hat ein von dort beauftragtes Unternehmen eine Steigerung von durchschnittlich 3,6 Prozent innerhalb eines Jahres festgestellt. Aachen liegt hiernach unter den großen Mieterstädten auf dem ersten Platz“, erklärt er. Von 2012 bis 2015 sei der Anteil von Beratungen des Mieterschutzvereins gegen Mieterhöhungen von 8 auf 12,5 Prozent gestiegen – bei insgesamt 13 000 Beratungen jährlich. „Der Anteil von Mietern, die sich gegen Mieterhöhungen wehren, ist im Vergleichszeitraum ebenfalls um etwa 30 Prozent gestiegen“, sagt Knops.

Im Durchschnitt müsse ein Mieter in Aachen 23 Prozent seiner Haushaltskraft für die Warmmiete einplanen. „Dieser Wert lag auf der gleichen Höhe wie in den Metropolen Köln, Düsseldorf und Bonn“, stellt Knops fest. Die vergleichsweise höheren Quadratmeterpreise in Bonn und Münster seien auch darauf zurückzuführen, dass die Menschen dort über höhere Einkommen und größere Kaufkraft verfügten, erläutert der Experte vom Mieterverein. In Aachen habe man es über Jahre versäumt, preiswerteren Wohnraum zu schaffen – nicht nur für Studierende, sondern für sozial Benachteiligte. Daran ändere auch der aktuelle Bauboom nichts. „Nur teure Wohnungen gibt es genug“, sagt Knops. „Wohnklos“ meint er damit aber nicht.

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