Miete verdoppelt: Schilderladen schließt, Mitarbeiter verlieren Job

Von: Stephan Mohne
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Manfred Meyers sagt schweren H
Manfred Meyers sagt schweren Herzens „Good Bye”: Die Städteregion will die Miete für seinen Schilderladen verdoppeln. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Würselen. Die 50 hat er nicht mehr ganz geschafft. Denn nach 49 Jahren wird Manfred Meyers kommende Woche sein letztes Autokennzeichen drucken. Alleine in den letzten zehn Jahren im neuen Straßenverkehrsamt der Städteregion am Aachener Kreuz hat seine Maschine rund eine halbe Million Schilder „ausgespuckt”.

Hunderttausende Autos aus Stadt und Alt-Kreis sind seither mit Kennzeichen von Meyers bestückt worden. Es wären sicher noch mehr geworden. Werden es aber nicht, denn am 24. Juni, 13 Uhr, wird Meyers den Betrieb, den sein Vater gründete und der früher im städtischen Straßenverkehrsamt an Gut Wolf schon eine Heimat hatte, einstellen. Der Grund: Er fühlt sich von der Städteregion übel über den Tisch gezogen.

48 Quadratmeter Mietfläche

Dieser Vorwurf ist an Zahlen festzumachen. In den zehn Jahren seines Mietvertrags zahlte Meyers 6500 Euro Miete für das 48 Quadratmeter große Ladenlokal - im Monat versteht sich, und zuzüglich Nebenkosten. Anfang des Jahres erhielt er ein Schreiben. Er könne gerne dort bleiben, aber die Miete sei nicht mehr zeitgemäß. Nun wollte die Städteregion Minimum 12.000 Euro haben. Er solle doch mal ein Angebot machen. Und das innerhalb einer Frist von rund zwei Wochen. „Mir hat es die Sprache verschlagen. Ich habe zuerst gedacht, das sei ein Schreibfehler”, so Meyers. Natürlich wurde dagegen protestiert. Mitte März kam es zu einem runden Tisch bei der Städteregion, denn von der Sache sind auch zwei weitere Schilderhersteller dort betroffen. Eine Lösung fand sich nicht. Und so schaltete Manfred Meyers einen Anwalt ein.

Dieser Anwalt ist der Aachener Helmut Reitz. Und auch ihm fehlen fast die Worte, wenn es um diesen Fall geht. „Kurios” sei es, was die Städteregion dort veranstalte. Die gesamte Vermietungspraxis im Straßenverkehrsamt sei „äußerst bedenklich”. Schließlich habe die Städteregion hier eine Monopolstellung und müsse mithin angemessen und zurückhaltend agieren - „eben nicht wie ein Immobilienhai”. Die Städteregion ist indes selbst nur - nach AZ-Informationen zu deutlich günstigeren Konditionen - Mieter und vermietet die Läden unter. Nach der Auffassung des Anwaltes hätte es eine europaweite Ausschreibung geben müssen.

Zu dieser Erkenntnis kam dann auch die Städteregion selber. Man sei durch einen Berliner Fachanwalt darauf aufmerksam gemacht worden, sagt Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, auf Anfrage. Er bestätigt im Grunde die Geschichte von Manfred Meyers, verteidigt jedoch das städteregionale Vorgehen: „Wir haben unsere Mieten mit anderen verglichen und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie viel zu niedrig sind, nämlich bei weniger als der Hälfte dessen, was möglich wäre.” Und so glaubt Funken denn auch, dass man bei der Ausschreibung, die im Oktober beendet sein soll, Ergebnisse erzielen könne, die bei jenen 12.000 Euro oder gar darüber liegen. Die jetzigen Mieter könnten natürlich mitbieten. In der Zwischenzeit könne Meyers ja noch zu den alten Konditionen bleiben. Auch das hält Helmut Reitz für rechtswidrig: „Jetzt ist die Städteregion natürlich in der Bredouille. Sie hätte den gesetzlichen Vorgaben entsprechend mit einem Vorlauf von sechs, sieben, acht Monaten ausschreiben sollen, dann wäre diese Situation nicht entstanden.”

Manfred Meyers jedenfalls will da nicht mehr mitspielen. Er spricht von „Dilettantismus” und „Selbstgefälligkeit” der Städteregion. Er hat seinen Kunden einen Brief geschrieben, dass er den Laden dichtmacht. Vorher wird Meyers noch seine 50.000 Euro teure Einrichtung „in den Container werfen”. Und er muss noch renovieren. So will es die Städteregion. „Und das, nachdem ich in den vergangenen zehn Jahren 800.000 Euro überwiesen habe.” Seinen sechs Angestellten musste er schweren Herzens kündigen. Der Vertrag läuft am 30. Juni aus. Ausgerechnet an diesem Tag hat Meyers auch noch seinen 55. Geburtstag. Ob ihm zum Feiern zumute sein wird, darf man bezweifeln.
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