Aachen - Mies-van-der-Rohe-Schule: Adventsfeier zum „Stolpern“

Mies-van-der-Rohe-Schule: Adventsfeier zum „Stolpern“

Von: Marie Eckert
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Stolperstein im Advent: Bei der interreligiösen Feier im Berufskolleg regte Schülerin Helena Straetmans die Mitschüler zum Nachdenken an. Foto: Andreas Steindl
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Stolperstein im Advent, Interreligiöse Feier im Berufskolleg im Foto: Religionslehrer Guntram Schindel regte mit seinen Beiträgen die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken an

Aachen. Eine Adventsfeier, über die man stolpert – zwischen Weihnachtsmarktbesuchen und Glühweintrinken zwar eher ungewöhnlich, an der Mies-van-der-Rohe-Schule aber nichts Neues. Natürlich nur sinnbildlich.

Statt der klassischen Adventsfeier gab’s in der Aula des Berufskollegs eine interreligiöse Veranstaltung mit Musik, Videos und kabarettistischen Inhalten, bei denen die Zuschauer bewusst innehalten und darüber „stolpern“ sollten.

Zum zweiten Mal gab es eine solche Adventsfeier, bei der fast 30 Nationalitäten mit unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen aufeinander treffen. Einer der Gründe, aus dem die Fachkonferenz Religion der Mies-van-der-Rohe-Schule entschieden hat, dass eine Alternative zur „typischen“ Adventsfeier her muss, fernab von Geschenken und Weihnachtsmarkt, wie Guntram Schindel sagte. Er ist evangelischer Pfarrer, Religionslehrer an der Schule und einer der Organisatoren sowie Erfinder der etwas anderen Veranstaltung. „Etwas Aktuelles sollte auch dabei sein und auch ein bisschen Gesellschaftskritik zusammen mit der Frage: Was machen wir eigentlich, warum feiern wir Weihnachten?“, erklärte Schindel. „Unsere Veranstaltung ist etwas für Christen, die nicht im Gemütlichkeitstrott der Adventszeit steckenbleiben wollen, und für Schüler, die mit Weihnachten überhaupt nichts anfangen können.“

Und so waren die Schwerpunktthemen der Adventsfeier schnell gefunden: Mensch, Menschlichkeit, Asyl, Terrorismus. „Stolperstein im Advent“ – mit dem Nachsatz „Vorsicht! Nichts für Blödmänner!“ – hieß die Veranstaltung passenderweise und fing schon unkonventionell an: Nach der Begrüßung durch die Schulleiterin Ute Dreser waren die Toten Hosen mit einem Konzertmitschnitt von „Wünsch dir was“ auf der Leinwand zu sehen.

Danach übernahm Schindel und überlegte unter der Überschrift „Why-Nacht“, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Shoppingtouren, Schnäppchenjagden und Weihnachtsferien? Und ist Jesus damals, der mit seinen Eltern nach Ägypten kam, nicht auch in die Sicherheit geflohen – wie die Menschen heute?

Solche und ähnliche Denkanstöße gab Schindel, danach folgte der Oscar-prämierte Kurzfilm „Schwarzfahrer“ aus dem Jahr 1992 zum Thema „Alltagsrassismus“. Zum Thema „moderner Terror“ hatte die Schülerin Helena Straetmans einen Text verfasst, der sich vor allem mit den Anschlägen des 11. Septembers befasst. Sie fragte sich: Kann es gut sein, wenn Staatsgewalt gegen Terrorgewalt steht, Macht gegen Macht also? Und wie kann man einen Krieg im Nahen Osten rechtfertigen? Und sie kam zum Schluss: „Es müsste jedes Land bereit sein, einen Kompromiss zu schließen und Stolz herunterzuschlucken.“ Durchaus also keine leichte Adventskost.

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