Aachen - Mies van der Rohe darbt vorerst im Atombunker

Mies van der Rohe darbt vorerst im Atombunker

Von: Matthias Hinrichs
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Musste das „Schaufenster” mit hochwertigen Modellen des berühmten Baumeisters Mies van der Rohe aufgeben: Professor Dr. Rudolf Bertig hofft jetzt auf Unterstützung durch Stadt, RWTH und Stawag. Schließlich feiert die Stadt im März den 125. Geburtstag ihres berühmten Sohnes. Foto: Dagmar Meyer

Aachen. Große Pläne zur Errichtung einer angemessenen Bleibe für einen ganz großen Sohn der Stadt hat der Verein „Mies van der Rohe-Haus Aachen” nicht erst seit gestern.

Schließlich hätte der legendäre Baumeister - fraglos einer der erfolgreichsten und innovativsten Architekten des 20. Jahrhunderts - am 27. März 2011 seinen 125. Geburtstag gefeiert. Jetzt aber hat die Initiative nicht einmal mehr ein kleines Schaufenster zur Präsentation wegweisender Mies-Monumente zur Verfügung.

Denn Dr. Rudolf Bertig, seines Zeichens Professor an der RWTH-Fakultät für Bauingenieurwesen und stellvertretender Vorsitzender der Inititiative, blieb nichts anderes übrig, als das 2006 eigens an seiner Wirkungsstätte in der Mies-van-der-Rohe-Straße 1 eingerichtete Ensemble mit kostbaren Modellen und anderen Zeugnissen über den berühmten Künstler und Konstrukteur auszuqartieren. Personelle Verstärkung bei den Gelehrten machte die Verbannung der Exponate in den Keller des Gebäudes unausweichlich, bedauert der Professor. „Ich musste die Ausstellungsstücke erst einmal im Atombunker der Fakultät unterbringen”, berichtet Bertig.

Damit gehe der Stadt die bislang einzige - und durchaus erfolgreiche - Möglichkeit zur vergleichsweise bescheidenenen Ausstellung legendärer Mies-Kreationen verloren. „Das Schaufenster´ hat ungezählte Studierende aus allen Ländern der Welt wie ein Magnet angezogen”, weiß Bertig. Natürlich habe er sowohl bei der Hochschulleitung als auch bei der Stadt angefragt, ob es eine Chance geben, die Werke andernorts zu präsentieren. Bislang leider ohne Erfolg. „Zwar sind sowohl der Oberbürgermeister als auch der RWTH-Rektor sehr angetan von der Idee”, sagt Bertig. Beide sind - wie über 100 weitere Mies-Fans - sogar ebenfalls Mitglieder im Förderverein, der sich den Bau eines eigenen Museums auf die Fahnen geschrieben hat. Doch eine flott zu realisierende Alternative könnten auch Marcel Philipp und Professor Dr. Ernst Schmachtenberg nun einmal nicht aus dem Hut zaubern.

Trotzdem hofft der Verein natürlich, dass die hochwertigen Entwürfe spätestens mit den Jubiläumsfeiern 2011 wieder gezeigt werden können - darunter das von Bertig eigens nachgebaute Modell für den sogenannten Urpavillon, quasi eine erste Version des legendären deutschen Pavillons zur Weltausstellung 1929 in Barcelona, dessen Original in Stuttgart während des Krieges zerstört wurde. Doch bei der Suche nach einem eigenen „Mies van der Rohe-

Haus” hakt es nach wie vor. „Unsere Pläne, es im alten Umspannwerk der Stawag an der Borngasse einzurichten, sind bekanntlich gescheitert”, bedauert Bertig. Dort soll im kommenden Jahr das städtische Orchester eine neue Heimat finden. „Aber wir sind weiter im Gespräch mit der Stawag, in deren Besitz sich das Objekt jetzt ja wieder befindet”, betont der Professor. „Denn vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, unseren Traum im vorderen Teil des Gebäudes, der nicht vom Sinfonieorchester genutzt wird, zu realisieren.”
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