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Michael Nobis ist jetzt Ordensträger der „Krüzzbrür“

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Krüzzbrür-Ordensverleihung bei der Familie Ramrath im „Knipp“: Bäckermeister Michael Nobis (Mitte) bedankt sich für die Aufnahme in den erlauchten Kreis als 42. Ordensträger. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Michael Nobis, Beruf Bäckermeister, ist ein groß gewachsener Kerl mit untadeliger Figur. Genau eine solche machte der Aachener Backwaren-Unternehmer als 42. Preisträger des legendären Ordens der Krüzzbrür aus der ehemaligen Pfarre Heilig Kreuz, inzwischen Pfarre Franziska von Aachen.

Der Herrenabend der Krüzzbrür ist deshalb legendär, weil hier seit 40 Jahren nicht die Karnevalszote Trumpf ist, sondern geistreicher Witz (oder Witze) aus den Mündern gestandener Männer, die traditionell im Gasthaus „Am Knipp“ an ihre Fähigkeit zu spontanem Humor an diesem Abend höchste Anforderungen stellen.

So erlebte der Preisträger die Ordensverleihung des Jahres 2014, durch die die Krüzzbrür Leo Bardenheuer und Franz Josef Staat (Vorsitz Pfarrausschuss) führten, eine warmherzige Aufnahme in einen Kreis, der sich dem Mutterwitz verschrieben hat und dabei dem Öcher Platt großen Raum gibt, Hein Engelhardt etwa las ein exzellentes Gedicht, und so manche Thouet-Preisträger wie Karl Allgaier oder Manfred Birmans sind dort die Hohepriester der Öcher Mundart.

„Trinkfest und arbeitsscheu, aber der Kirche treu“ ist eines der gesanglich mit großer Freude vorgetragenen Mottos, in die auch die versammelte Geistlichkeit, unter ihnen Pfarrer diverser Gemeinden, regelmäßig lauthals einstimmen. Der dagegen fraglos sehr arbeitsame Nobis nun durfte sich die Laudatio aus dem Mund des vorjährigen Preisträgers, des Aachener Dombaumeisters Helmut Maintz, anhören.

Die einstige Öcher-Dreifaltigkeit

„Mit Michael Nobis“, erkannte Maintz, „schließen wir ein neues Dreieck: Die Filiale am Münsterplatz, meine Wenigkeit mit dem Dom und OB Marcel Philipp im Rathaus, das ist unser neues Drei-Räuber-Eck“, spielte der Dombaumeister auf die einstige Öcher-Dreifaltigkeit von Bischofssitz, Polizei und Finanzamt an der Kreuzung Boxgraben/Mozart- und Kasernenstraße an. „Egal wohin man geht, es kostet was“, war das Maintzsche Fazit. „Im Rathaus Gewerbesteuer, bei uns im Dom der Opferstock, beim Michael die teuren Printen“, unkte der schlagfertige Meister des Oktogons und führte die zu „Dom-Spitzen“ aufgewerteten Kräuterprinten aus der Produktion des geehrten Bäckers als Beleg an.

Natürlich gab es nach gutem Brauch immer wieder freche bis lustige Zwischenrufe, etwa die Verballhornung der Konkurrenz-Bäckernamen „Oebel“ und „Klein“, oder den auffordernden Kalauer „backen wir es endlich an!“, Als Schutzpatron für den Bäckermeister hatte der Dombaumeister Jakobus den Jüngeren auserkoren, ein Allzweck-Heiliger, der so manchen Handwerker unter seine Fittiche nehme.

Der 42. Krüzzbrür-Ordenspreisträger bedankte sich in einer fulminanten Rede, die sogar gereimte Verse enthielt, die Nobis in einem durchaus anhörbaren Öcher Platt vortrug. Stolz präsentierte der Geehrte seine neuesten Backwaren­tüten mit der Geschichte Karls des Großen – das sei schließlich „sein Jahr“ – und kündigte gleichermaßen die neueste Backauflage eines „Printenkarl“ an.

Dann philosophierte er über den Poschweck und verteilte schließlich ein Karlssiegel aus Printenteig, das von Historiker Max Kerner auf seine Authentizität geprüft wurde: „Das Latein ist richtig.“ Einiges muss noch hervorgehoben werden. Die lateinisch-öcherischen Fürbitten von Karl Allgaier kulminierten in einer Litanei mit dem Refrain „ora pro nobis“. Dann dozierte Orthopäde Karl-Walter Zilkens über die diffizile Wirkung der „Pimpernelle“, während ein weiterer Beitrag die Vorzüge des Hirschhornsalzes als „Trieb- oder Treibmittel“ thematisierte. Tenor Willy Schell bot am Ende mit einer Bäcker-Arie höchste Sangesqualität, die kongeniale Ergänzung war der dann folgende Sangesvortrag von Rudi Moos.

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