Michael Kohlhaas kämpft für mehr Gerechtigkeit

Von: Nadine Preller
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Moderne Adaption an Kleists Mi
Moderne Adaption an Kleists Michael Kohlhaas: Dramaturgin Katharina Rahn (links) und Regisseurin Nora Mansmann fiebern der Premiere im Mörgens entgegen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Was ist Recht, was Unrecht? Wer trägt das Zepter der Macht in der Hand, wenn die Staatsgewalt versagt? Michael Kohlhaas kämpft für seine Auffassung des Guten. Selbst wenn die Welt darüber zugrunde geht.

„Es gibt bei jedem Menschen einen Punkt, der das Fass zum Überlaufen bringt”, verteidigt Dramaturgin Katharina Rahn Heinrich von Kleists Helden. Mit der Fassung von Franziska Steiof bringt das Mörgens im Kleist-Jahr eine moderne Adaption des Stoffes aus dem frühen 19. Jahrhundert auf die Bühne.

Auch hier kämpft Kohlhaas gegen den Junker von Tronka, bei dem seine als Pfand zurückgelassenen Pferde abgemagert und damit wertlos geworden sind. Er kämpft gegen den Staat, der das Verbrechen nicht ahndet. Und schließlich kämpft er für sein Recht und greift zur Selbstjustiz. Kohlhaas startet einen grausamen Rachefeldzug und nimmt dabei in Kauf, dass unschuldige Menschen ums Leben kommen.

Komplexer Stoff, den Steiof bühnenreif macht, indem sie nicht nur den Inhalt der Novelle komprimiert, wobei sie weitgehend Originaltexte von Kleist durch Auszüge aus seinen Briefen ergänzt. Steiof reduziert auch die Personen.

So umgeben im Mörgens Roman Konieczny in der Rolle des Michael Kohlhaas schlicht Mitspieler Zwei (Emilia Rosa de Fries) und Mitspieler Drei (Joey Zimmermann). „Die beiden Mitspieler mimen zwar wieder die einzelnen Charaktere des Stücks; der Rollentausch geschieht aber nicht durch einfachen Kostümwechsel”, erklärt Regisseurin Nora Mansmann. „Vielmehr nehmen die Darsteller in fast auflösender Form Rollen der Gegenspieler von Kohlhaas ein.”

Mansmann verfrachtet den Stoff aus dem 19. Jahrhundert, für den Kleist schon ein historischer Fall aus dem 16. Jahrhundert diente, weiter in die Moderne.

„Das Grundthema der Ungerechtigkeit hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt”, sagt die Regisseurin. So dient ihr der Bühnenraum mal als Labor, als Raum der Experimente. „Hier wird die Frage veranschaulicht: Wie weit kann man einen Menschen treiben?” An anderer Stelle sollen Computerspiele - plump „Ballerspiele” - die Brutalität des Falls Kohlhaas verdeutlichen.

Und wieder reduziert das Team Rahn und Mansmann - denn zentrale Requisiten sind schlicht Lichtkegel, Lichtschranken, strahlkräftige Neonröhren, welche die „Allmacht Staatsapparat” symbolisieren. Die Lichter flackern, lodern, „lassen die Grenzen von Schuld und Sühne verschwimmen”, sagt Rahn. Ist Kohlhaas am Ende gar ein Terrorist? Ein Volksheld? Oder ein Märtyrer? Man darf gespannt sein, wie das Mörgens-Team den Stoff interpretiert.

Premiere am Mittwoch, 21. September.

Weitere Aufführungen am Samstag, 24. September, und Mittwoch, 28. September, jeweils um 20 Uhr im Mörgens-Theater, Mörgensstraße.

Weitere Termine für die nächsten Monate werden noch bekannt gegeben.

Vorverkauf an der Theaterkasse, im Ticketshop unserer Zeitung, in der Mayerschen Buchhandlung, sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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