Messerstecher-Prozess: Bestialischer Gestank aus Wohnung

Von: Wolfgang Schumacher
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In diesem Gebäude an der Kongressstraße wurde der Erstochene gefunden. Zu dieser Zeit hatte die Leiche bereits mehrere Tage unentdeckt in der Wohnung gelegen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Im Fall des wegen zweifachen Totschlags angeklagten Sven W. (31) aus Aachen war am Montag dessen Lebensgefährtin als Zeugin vor der Kammer geladen. W. soll im Mai dieses Jahres eine 71-jährige Frau in der Aachener Oppenhoffallee und einen 55-jährigen Bekannten in einem Übergangswohnheim in der Kongressstraße jeweils mit Messerstichen umgebracht haben.

Die Altenpflegerin sagte vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann, ihr Freund habe immer mehr zur Flasche gegriffen, vor allem auch, weil er arbeitslos gewesen sei.

Er wollte sich auch deswegen nicht so richtig um einen Job kümmern, weil er den in der Nähe lebenden Großvater betreut habe, sagte sie. „Ich habe ihm immer wieder gesagt, geh‘ in Therapie, das mit dem Opa kriegen wir schon hin“, erklärte sie vor Gericht.

Mehrfach habe sie beobachtet, wie er Tabletten genommen habe. Doch die seien nach ihrer Kenntnis vom Arzt verschrieben gewesen. Auch Amphetamine habe er konsumiert. Sven W. hatte gestanden, bei der Beschaffung von Psychopharmaka am 7. Mai die 71-jährige Frau, die mit diesen Tabletten handelte, in ihrer Wohnung in der Oppenhoff­allee erstochen zu haben.

Zweite Tat am Folgetag

Am kommenden Tag, es war der 8. Mai, ging er dann mit in die Wohnung eines 55-jährigen Bekannten in der Kongressstraße, der dort in den Übergangswohnungen der Stadt lebte. Wieder ging es um Tabletten. Auch den Bekannten erstach er schließlich, indem er dem Mann ein langes Küchenmesser in die Brust stieß.

An die Einzelheiten beider Taten könne er sich nicht mehr erinnern, hatte er durch seinen Anwalt Rainer Dietz vortragen lassen. Als weiterer Zeuge sagte am Montag ein Angestellter der Stadt Aachen aus, dessen Aufgabe es unter anderem ist, sich um die wechselnde Klientel in den Übergangswohnungen zu kümmern.

So konnte der Zeuge berichten, dass er an jenem Mittwoch wahrscheinlich noch kurz vor der Tat mit dem 55-Jährigen gesprochen habe. Der habe noch durch die geschlossene Türe geantwortet, bei ihm sei alles Ok. Man mache diese Rundgänge, sagte der Zeuge, weil viele Drogenabhängige „im Methadonprogramm“ dort lebten.

Das Opfer beschrieb er als „völlig ruhig und unauffällig“. Seine Mutter habe gedrängt, in seiner Wohnung nachzuschauen, ob da nichts passiert sei. Sie stand am 15. Mai vor verschlossener Türe - zu dieser Zeit muss ihr Sohn bereits eine Woche tot gewesen sein. Daraufhin habe er, so der Zeuge, den Schlüsseldienst geholt.

Als man die Türe „nur Zentimeter“ geöffnet habe, habe es aus der Wohnung bestialisch gestunken. „Wir haben sofort die Polizei gerufen“.

Der Prozess geht am Donnerstag weiter.

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