Aachen - Messerattacke mit je drei Jahren milde bestraft

Messerattacke mit je drei Jahren milde bestraft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Drei Jahre Haft in einem Jugendgefängnis für den bei der Tat erst 16-jährigen Mariusz K. aus Aachen und dreieinhalb Jahre in einem Erwachsenengefängnis für den bereits 27-jährigen Konrad R., ebenfalls aus Aachen...

Das sind die beiden Haftstrafen für zwei Angeklagte, die in der Nacht zum 22. Oktober 2016 vor einer Disco in der Wirichsbongardstraße auf einen Kontrahenten einstachen und ihn verprügelten, so dass dessen Leben am Ende nur durch eine Notoperation zu retten war.

Das brutale Geschehen mitten in der City hatte sich bereits im Laufe der Nacht, in der auch massiv getrunken wurde, angedeutet. Die Vorsitzende der 7. Großen Jugendkammer, Richterin Melanie Theiner, wollte in der Urteilsbegründung dann Alkohol jedoch keineswegs für die gewalttätige Tatausführung verantwortlich machen, beide Angeklagte seien zurechnungsfähig gewesen und voll für ihre Taten verantwortlich.

Der heute 17-jährige K. war nach den Feststellungen der Kammer derjenige, der sich in einem falschen Ehrgefühl als Mann aufspielen und dem Kontrahenten eine Lehre erteilen wollte. Denn vorher hatte das spätere Opfer, das der rechten Szene angehört, die Gruppe um K. und R. beschimpft, man war bereits auf der Höhe des Kapuzinergrabens aneinandergeraten. Dabei kassierte R. einen Faustschlag ins Gesicht, so stark, dass ihm ein Zahn rausbrach.

Da hätten die beiden beschlossen, sich zu rächen, verfolgten dann das Opfer bis in den Eingang der Disco. Hier habe der 16-Jährige auf den Gegner eingestochen, habe ihn am Bauch, Oberschenkel und an der Leiste getroffen. Während des Messerangriffs – das Lokal hatte bereits geschlossen und niemand machte dem Opfer die Tür auf – habe der Ältere mitnichten versucht, seinen Kumpel von den Angriffen abzuhalten. Im Gegenteil, er habe mit auf das Opfer eingeschlagen und auch getreten.

Die Kammer hatte bei beiden Angreifern keinen Tötungswillen gesehen. Wichtig auch deshalb, weil von der Staatsanwaltschaft gemeinschaftlicher versuchter Totschlag angeklagt worden war. So wurden die beiden „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, bei dem Jüngeren wurden die „Schwere der Schuld“ sowie „schädliche Neigungen“ festgestellt, beides juristische Begriffe, die im Jugendstrafrecht dazu führen, dass keine Bewährungsstrafen ausgesprochen werden. Eine – von der Verteidigung beantragte – Bewährungsstrafe hielt die Kammer wegen der schwere des Angriffs für nicht gerechtfertigt.

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