Messerangriff auf Geldverleiher: Prozessauftakt

Von: Wolfgang Schumacher
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BILD NICHT MEHR NEHMEN: BITTE VON TT: Polizei Gewalt Foto: Colourbox
Mit einem Messer soll der Angeklagte auf seinen Geldverleiher eingestochen haben. Symbolfoto: Colourbox

Aachen. Vor dem Aachener Schwurgericht steht seit Montag ein 37-jähriger Aachener, der im Frühjahr 2013 einen heute 56-Jährigen mit einem Messer schwer verletzt haben soll. Der wegen versuchten Totschlags angeklagte Ali G. bestritt bei der Vernehmung durch die Vorsitzende Hildegard Tag jedoch nachdrücklich, für die Tat verantwortlich gewesen zu sein.

G. gab allerdings zu, zur fraglichen Zeit - gegen 11.20 Uhr am 17. März 2013 - in der Wohnung des 56-Jährigen in der Hüttenstraße gewesen zu sein. Doch anders als es in der Anklage stehe, habe nicht er den Mann angegriffen, der als Geldleiher in der türkischen Szene rund um den Elsassplatz fungierte, sondern sei im Gegenteil von ihm angegriffen worden. Er habe an diesem Morgen dem 56-Jährigen beichten wollen, dass er die von ihm geliehenen 1000 Euro nun doch nicht zahlen könne.

Auch für die monatlichen Zinsen von jeweils 200 Euro - das sind 20 Prozent - habe er nicht genügend Bargeld in der Tasche gehabt. Da er jedoch Repressalien für sich und seine alte Mutter befürchtet habe, wollte er den Geldverleiher an diesem Morgen besuchen und ihn um Aufschub bitten.

Als er nun klingelte, habe der andere ihm die Türe aufgemacht und sei unvermittelt mit einem Messer auf ihn losgegangen. Der Angeklagte, so seine Version am Montag, habe mit körperlichem Einsatz dem Anderen das Messer entwinden können, trug dabei aber Schnitte in der linken Hand davon. Dass er bei dem Kampf seinem Gegenüber mit einem Stich in die Brust nahe dem Herzen Verletztungen zufügte, das habe er dabei nicht bemerkt, erklärte er dem Schwurgericht.

Anschließend flüchtete er aus Angst vor dem Verleiher, der damals angeblich Verbindungen zur Rockerszene gehabt habe, in die Türkei. Dort wurde er zunächst vernommen, dann verhaftet. Der 56-Jährige beteuerte dagegen in der Verhandlung am Montag als Zeuge, der Angreifer sei am Morgen vor seiner Wohnung aufgetaucht, habe geklingelt und nochmals Geld verlangt. G. ist nach eigenen Aussagen spielsüchtig, deshalb habe er seine Familie nicht mehr nach Bargeld fragen können.

Der Geldverleiher habe ihn dann hereingelassen und seinen Kredit eingefordert. Stattdessen habe G. aus der Hosentasche ein Jagdmesser gezückt und auf ihn eingestochen.

In dieser gegenteiligen Version habe nun er, der 56-Jährige, sich gewehrt und dem Angreifer das Messer entwunden. Der flüchtet mit einer blutenden Hand. Die Spuren waren bis zur Trierer Straße zu verfolgen.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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