„Mental Maps”: Drei Generationen im Ostviertel zeichnen Stadtpläne

Von: Christoph Classen
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Wir malen unser Viertel: Jugendliche aus der OT Talstraße haben zum Stift gegriffen und sogenannte Mental Maps ihrer Umgebung gezeichnet. Dabei fiel auf, dass viele den Ostfriedhof ignorieren. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Bild vom eigenen Zeichentalent malt Christa Schinkenmeyer nicht in rosigen Farben aus. „Ich musste meiner Tochter mal ein Jesuskind in die Krippe malen”, erinnert sie sich, „und dann dachten alle, es wäre der Esel.”

Deswegen bekommt an diesem Nachmittag Schinkenmeyers Mann Hans den Stift in die Hand gedrückt. Der macht sich gleich ans Werk. Genau wie die anderen, die sich in der Altentagesstätte Schleswigstraße getroffen haben. Fast jeden Nachmittag sind sie dort, etwa zehn Menschen kommen durchschnittlich, die meisten davon Frauen. Gezeichnet wird normalerweise nicht.

Hildegard van de Braak heißt die Frau, die dazu animiert. Sie macht das nicht zum ersten Mal. Jugendliche aus dem Osten Aachens hat sie bereits gebeten, zum Stift zu greifen. Jetzt will sie wissen, was die ältere Generation aus dem Viertel zu Papier bringt. Gänzlich unbeschrieben ist es nicht. Josefskirche und Adalbertsteinweg sind vorgezeichnet. Es sind Orientierungspunkte, den Rest des Blattes sollen die Zeichner schließlich mit dem füllen, was ihnen wichtig ist, was ihnen gefällt oder was sie nicht mögen.

„Mental Maps” nennt van de Braak die Ergebnisse. Karten, die nicht maßstabsgetreu sind, sondern die etwas darüber verraten, was in den Köpfen ihrer Zeichner vor sich geht. Wie sie die Dinge gewichten zum Beispiel. „Die Jugendlichen”, sagt van de Braak „zeichnen den Ostfriedhof gar nicht oder ganz klein.” Auf dem Blatt von Hans Schinkenmeyer nimmt er dagegen vergleichsweise viel Platz ein. Barbara Thönnissen, die direkt neben Schinkenmeyer sitzt, spart den Friedhof ganz bewusst aus. „Brauchen wir nicht, da liegen wir noch lange genug”, sagt sie. Die anderen lachen.

Das Angebot, das van de Braak gemacht hat, kommt bestens an. Zwischen Kaffeetassen und Kuchen entspannt sich Kreativität, grobe und feine Bleistiftstriche lassen individuelle Ostviertel entstehen. Entscheidend ist die Perspektive ist. Etwa 50 Zeichnungen wird van de Braak am Ende ihrer Aktion gesammelt haben. „Bislang fällt vor allem die sehr positive Darstellung des Ostviertels auf”, sagt sie. Was letztlich aus den ganzen Zeichnungen wird, weiß van de Braak noch gar nicht so genau. Sicher ist, dass sie alle Ostviertel an einem Ort ausstellt. Danach werden sie an das Planungsbüro „HJP” übergeben.

Die Städtebauförderung für das Ostviertel läuft aus, aber van de Braak ist eine von den engagierten Menschen in Aachen-Ost, die sich weiter für ihr Viertel engagieren wollen. Sie will dafür sorgen, dass sich das Ostviertel weiter entwickelt und nicht wieder in planerische Vergessenheit gerät.

Die Idee zur Aktion kam van de Braak, als sie überlegte, wie sie ihre Tätigkeit als Stadtführerin mit der als Sozialarbeiterin verbinden kann. „Ich wollte nicht immer erzählen, sondern wollte, dass die die Leute mir erzählen”, sagt sie. Und mit einem Stift ließe sich den Gedanken besser Ausdruck verleihen, als mit den Stimmbändern. Zum gleichen Schluss kommt irgendwann auch Christa Schinkenmeyer - und beginnt zu zeichnen.
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