Menschenjagd und Schüsse: Wie im Wilden Westen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im Prozess vor dem Aachener Schwurgericht um eine Schießerei und eine Menschenjagd nahe dem Kennedypark in Aachens Ostviertel steht am Freitag nach einer langen und peniblen Beweisaufnahme das Urteil für den Angeklagten Feras A. an. Der wegen versuchten Totschlags angeklagte 33-Jährige schloss sich am Donnerstag ohne einen Kommentar seinem Strafverteidiger Norbert Hack an.

Das war auch gut so, denn Hack hatte mit einer durchaus stichhaltigen Argumentation in dem Verfahren unter dem Vorsitz von Richter Arno Bormann eine mögliche Strafe von zwei Jahren auf Bewährung ins Spiel gebracht. Es sei ein Fall von angenommener Notwehr damals am Abend des 26. Juli 2014 gewesen. Dabei blieb Staatsanwalt Sebastian Muhl durchaus bei seiner anfänglichen Einschätzung eines versuchten Totschlags.

Die sei trotz der sicherlich unerträglichen Situation dort im Bereich Elsass-, Düppel- und Alsenstraße anzunehmen, als an diesem Sommerabend eine mit Stöcken, Baseballschlägern, Messern und Gaspistolen bewaffnete Streetgang aus etwa 30 Mitgliedern des Clubs „Black Jackets“ wahrscheinlich zwei Mitglieder des kleineren Konkurrenten „United Tribunes“ vor sich her jagten.

Zu denen hatte auch der Angeklagte gehört, der aber die wilde Hatz der Horde nur aus den Augenwinkeln aus einem Grill am Elsassplatz aus verfolgt hatte. Er habe die Aktion der bewaffneten und vermummten Mitglieder des anderen Clubs auf sich und seine Familie bezogen, hatte A. angegeben und gleichzeitig gestanden, aus Angst um seine Verlobte und ihre Kinder drei Mal in die Menge geschossen zu haben.

Für die Staatsanwaltschaft ein Angriff mit einer scharfen Waffe, bei dem der Täter den Tod von Menschen „billigend in Kauf“ genommen habe. Tatsächlich wurden drei Personen durch drei Schüsse verletzt, bei einem verfehlte der Treffer lebenswichtige Organe nur um einen Zentimeter. Sicherlich sei es an diesem Abend gegen 21 Uhr „wie im Wilden Westen“ dort im Ostviertel zugegangen, sagte Staatsanwalt Muhl.

Das berechtige keinesfalls dazu, in einem bewohnten Viertel mit einer scharfen Waffe herumzuballern, auch nicht, wenn man Angst um Frau und Kinder habe. Um die Gang, die inzwischen bereits in der Alsenstraße verschwunden war, zu stoppen, hätten möglicherweise auch, so Muhl, „Schüsse in die Luft“ gereicht. Aber wahllos in die Menge zu schießen habe andere Mütter mit Kindern und weitere Unbeteiligte gefährdet.

Auch ein Zeuge sagte Donnerstag aus, dass der Schütze an der Ecke des sogenannten Bienenhauses an der Ecke Alsenstraße stand. Nicht weit von dort sei eine türkische Bäckerei, „vor der in dieser Zeit immer Käuferschlangen stehen“. So sah der Staatsanwalt zwar durchaus mildernde Umstände für den Angeklagten, er will ihn aber wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung für vier Jahre ins Gefängnis schicken.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert