Mensaverein ist pleite: Schüler ohne Mittagessen

Von: Stephan Mohne
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Vorerst kalte Küche: Der Mensaverein, der das Mittagessen an der Vierten Gesamtschule organisiert hat, ist insolvent. Schulleiter Hanno Bennemann arbeitet gemeinsam mit der Stadt an einer schnellen Lösung im Sinne der Schülerinnen und Schüler. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit leerem Magen lernt sich‘s nicht gut – sagt man. Doch an der Vierten Gesamtschule bleibt derzeit die Küche kalt. Weswegen es für hunderte Schüler an der Sandkaulstraße derzeit kein Mittagessen gibt. Der außergewöhnliche Grund: Der Mensaverein, der sich an der 2011 gegründeten Schule um die Mittagsverpflegung kümmert, ist, salopp gesagt, pleite.

Anfang des Monats wurde beim Amtsgericht die Insolvenz angemeldet, am Montag wurde Rechtsanwalt André Seckler als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.

„Die Gründe für die Insolvenz sind noch nicht ganz klar“, sagt der Jurist auf Anfrage. Fakt sei: Der Verein habe das Essen beim Aachener Studierendenwerk eingekauft. Doch dieses habe seine Lieferungen eingestellt. Laut Seckler seien Zahlungsrückstände im fünfstelligen Bereich aufgelaufen, die der natürlich nicht gewinnorientierte Verein nicht begleichen könne.

Begründet habe der Vorsitzende das Minus unter anderem mit einer zweimonatigen Umbauphase, in der man kein Essen habe ausgeben können. Dennoch seien die Kosten für die angestellten Aushilfskräfte weitergelaufen. Das gelte dann auch noch für die Sommerferien. Dies sei jedoch kalkulierbar, so Seckler. „Es war sicher ein Fehler, hier nicht mit befristeten Verträgen gearbeitet zu haben.“

Die spärlichen Rücklagen des Vereins seien dann schnell aufgebraucht gewesen, und das Ganze sei in den roten Bereich gekippt. „Bei einem kalkulierten Rohertrag von einem Euro pro Essen und Tag ist kein Spielraum, um dieses Defizit auszugleichen“, bilanziert der Insolvenzverwalter. Ob eine Fortführung des Vereins denkbar ist, sei noch offen, so Seckler. Aber gut sieht es dafür ganz und gar nicht aus.

Gespräche mit der Stadt

Schulleiter Hanno Bennemann sagt auf Anfrage, dass man „mit Hochdruck an einer Lösung“ arbeite, und hofft, dass Thema möglichst schon in wenigen Tagen wieder vom Tisch zu haben. Über mögliche Gründe für die Insolvenz möchte er nicht reden: „Die Schule hat nichts mit dem Verein zu tun.“ Die Schule selbst dürfe keine Arbeitsverträge schließen. Deswegen gebe es an einigen Schulen die Vereine.

Unterdessen hat Bennemann auch einen Rundbrief an die Eltern geschrieben. So werde der Schulkiosk vorübergehend sein Angebot etwas erweitern. Ein vollwertiges Mittagessen sei das natürlich nicht. Bennemann bittet auch die Eltern in dieser Situation um Unterstützung – etwa in Form der guten alten Schulbrote, die den Kindern mitgegeben werden könnten.

Insbesondere sei man hinsichtlich einer Lösung derzeit bereits in Gesprächen mit der Stadt, kurzfristig werde es einen Termin geben. Das bestätigt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Anfang der Woche werde man zusammenkommen. Die Stadt habe auch das Rechtsamt eingebunden. Denn es sei zumindest fraglich, ob die Stadt hier finanziell in die Bresche springen könne.

Fester Teil des Schullebens

Man sei zwar Schulträger – er stellt die „Hardware“ wie Mensa, Küche etc. –, habe aber ansonsten mit diesem Thema nichts zu tun. Es handele sich hier schließlich um privatrechtliche Verträge. „Wir sind aber zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird“, so Beckers.

Hanno Bennemann erläutert, dass das gemeinsame Mittagessen – inklusive Lehrern – fester Bestandteil des Schullebens in der Vierten Gesamtschule sei und man darauf auch großen Wert lege. Das müsse nun natürlich erst einmal ruhen – möglichst kurz, wie der Schulleiter betont. Bennemann fordert in diesem Zusammenhang auch, dass „meiner Meinung nach das Essen für alle Schüler kostenlos sein soll“.

Beispielsweise müssen Kinder, die im Sinne des Bildungs- und Teilhabepakets zuschussberechtigt sind, dennoch einen Euro pro Essen zahlen. „Das verursacht schon bei den Anträgen einen enormen bürokratischen Aufwand, den manche Eltern gar nicht leisten können“, sieht er dringenden Verbesserungsbedarf.

Geregelt ist die Essensorganisation an den Schulen unterschiedlich. Viele bedienen sich eines externen Caterers. Andere – wie bisher auch die Vierte Gesamtschule – haben einen Mensaverein, der das Essen auswärtig einkauft. Wieder andere Modelle – wie etwa an der Brander Gesamtschule – haben auch einen Mensaverein, stellen aber einen Koch ein und bereiten das Essen selber zu.

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