„Mein Museum“: Omas Schatztruhe begeistert 14.000 Öcher

Von: Matthias Hinrichs
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Erfolgreiche Premiere: Myriam Kroll und Holger Hermannsen haben „Mein Aachen“ vorerst ins Depot verfrachtet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So schnell vergeht die Zeit. Aber wem sagt man das? Soeben hat die jüngste Perle der Aachener Museumslandschaft ihre glänzende Premiere hinter sich gebracht. Im allerersten Quartalsbericht für das Centre Charlemagne schlechthin dürfen die Ausstellungsmacher vom Katschhof eine ziemlich stolze Bilanz ziehen.

Immerhin rund 14.000 Gäste hat das nagelneue Stadtmuseum zwischen Dom und Rathaus seit seiner Eröffnung am Wochenende des Karlsfestes Ende Januar gezählt, weiß Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs.

Das Schönste daran: Die „Macher“, das waren zum großen Teil eben auch die Besucher selbst. „Unsere erste Wechselausstellung ,Mein Museum‘ ist fantastisch angekommen“, resümiert Kuratorin Myriam Kroll wenige Tage, nachdem die letzten der rund 2000 Exponate aus den privaten Schatztruhen der Aachener ins Kellerdepot des ehemaligen Verwaltungsbaus verfrachtet wurden.

Da schlummern sie nun, einstweilen, als sagenhaftes Kompendium der kuriosesten Kostbarkeiten aus dem Öcher Alltag vergangener Jahrzehnte, gar Jahrhunderte – starke Stücke authentischer Stadtgeschichte, zusammengetragen vordem in Hunderten von Kellern und Dachstuben; erzählt, geschrieben, fotografiert und gehortet von (Ur-)Oma und Opa persönlich. Gemeinsames Motto, siehe oben: So schnell vergeht die Zeit – Mensch, weißte noch, damals . . .

Topkicker, Tram und Trauminseln

Weißte noch, als die Alemannia für ein Wochenende die Tabelle der Ersten Bundesliga anführte, gemeldet auf der Titelseite der AZ am 13. Oktober 2006. Als die jute alte Tram, anno ‘74, noch durchs Städtchen ratterte. Als die Bauarbeiter beim Buddeln im Hof vor ziemlich genau 50 Jahren einem naseweisen Zaungast das eine oder andere waschechte Überbleibsel aus einem rund 2000 Jahre alten römischen Badehaus in die Hand gedrückt haben.

Einfach so. Jahrzehntelang gehütet von einem wackeren Hobbyarchäologen in einer ziemlich lädierten Kaffeedose aus Wirtschaftswundertagen. Und vom Experten inzwischen als antikes Stück für echt befunden – besagter Holzsplitter, wohlgemerkt. Und schon rückt der Hof quasi als archäologische Trauminsel einmal mehr in den Mittelpunkt der nächsten großen Schau im „Centre“.

So schnell vergeht die Zeit. Ab Ende April, berichtet Holger Hermannsen, der die skurrile Sammlung – Untertitel „Stronks und Strönksje“ – maßgeblich mitgestaltet hat, sollen die kostbaren Erinnerungsstücke ihren Besitzern nun zurückgegeben werden. Jedenfalls die meisten. „Mindestens zehn Prozent der Leihgaben sind der Stadt sogar überlassen worden“, frohlockt Hermannsen: alte Schriftstücke, glitzernde Öcher „Devotionalien“ aller Art, etliche lokalpatriotisch-literarische Leckerbissen und nicht wenige mehr oder minder drollige Dreingaben, die auch die Herzen der professionellen Historiker höher schlagen lassen.

Dokumente aus dem „wahren Leben“ eben, das freilich nicht immer so süß war, wie so manches Schmankerl aus der Printenstadt vermuten lassen könnte. So wie das säuberlich geschnürte Päckchen eines Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg – inklusive Essbesteck, selbst geschnitzter Pfeife, Tabakbeutel, Bleistiftstummel und Rasierzeug.

Logisch also, dass so manche der unverhofften Gaben auch weiterhin im neuen Stadtmuseum zu bewundern sein wird. Und damit auch die Geschichte von dessen Feuertaufe anno 2015 erzählt...

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