Mehr Radfahrer, Fußgänger und Kinder verletzt

Von: Robert Esser
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Froh über rückläufige Einbruchszahlen: Polizeipräsident Dirk Weinspach Foto: A. Schmitter

Aachen. Trotz Blitzmarathons und erhöhten Kontrolldrucks der Polizei steigt die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten in Aachen seit Jahren. 2014 zählte die Polizei im Stadtgebiet 11.263 Unfälle – das sind 551 mehr als im Vorjahr. Noch dramatischer entwickelte sich die Zahl der Schwerverletzten.

142 Unfallopfer mussten länger als 24 Stunden im Krankenhaus behandelt werden – fast 25 Prozent mehr als 2013 und rund 40 Prozent mehr als 2010. Darunter leiden vor allem Kinder, Radfahrer und Fußgänger. Polizeipräsident Dirk Weinspach wies am Montag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik darauf hin, dass man sich in Sachen Unfallbekämpfung dennoch auf einem guten Weg befinde. „Die Richtung stimmt. Auch wenn dies nicht das Ergebnis ist, was wir uns erhofft haben“, wie der Polizeichef einräumte.

Um der Verkehrsunfallentwicklung in Aachen etwas Positives abzugewinnen, muss man in den statistischen Daten weit zurückblättern: Nur wenn man den Höchstwert von 208 Schwerverletzten auf Aachens Straßen aus dem Jahr 2004 mit der Schwerverletztenzahl 2014 vergleicht, ergibt sich ein Rückgang von knapp 32 Prozent. Diesen Vergleich zieht die Aachener Polizei heran, um zu dokumentieren, dass man aktuell nahe an die Halbierung der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Todesopfern herangekommen ist.

Dieses Ziel hatte das Polizeipräsidium 2004 ausgegeben und mit einem auf zehn Jahre ausgelegten Maßnahmenpaket verknüpft. Unterm Strich liest sich das Resümee allerdings bescheidener: Durchschnittlich wurden in den vergangenen zehn Jahren knapp 150 Menschen pro Jahr schwer verletzt – also fast genauso viele wie 2014. Bloß: Von 2010 bis 2013 lagen die Unfallzahlen schon deutlich unter denen der aktuellen Statistik.

Warum 2014 als besonders unfallträchtiges Jahr in die Statistik eingeht, hat die Direktion Verkehr der Aachener Polizei untersucht. Deren Leiter, Polizeirat Bernhard Kleefisch, macht dafür unter anderem zunehmende Ablenkungen der Verkehrsteilnehmer durch Smartphones und auch den milden Winter verantwortlich. „Da waren einfach mehr Fußgänger und Radfahrer unterwegs“, sagte er. So zählte die Polizei 2014 mehr verunglückte Radfahrer denn je: 354. Das sind 75 Radunfälle mehr als 2014 und sogar fast doppelt so viele wie 2010. Die Polizei moniert „eine schlechte Verkehrsmoral“. Kleefisch: „Manche Verkehrsteilnehmer sehen die Verkehrsvorschriften lediglich als eine Art Handlungsempfehlung und nicht als rechtlich geltende Vorgabe an.

Dies gilt auch und besonders für Radfahrer, die Bürgersteige und Fußgängerzonen fälschlicherweise als für sie frei nutzbaren Verkehrsraum bewerten.“ Bei 40 Prozent der Radunfälle trägt der Radfahrer die Schuld – etwa durch Fahren unter Alkoholeinwirkung, verbotenes Linksfahren oder überhöhte Geschwindigkeit.

Apropos: Bekanntlich erhöht Tempo im Straßenverkehr die Schwere von Unfallverletzungen extrem. Häufigste Unfallursache ist zu schnelles Fahren jedoch keineswegs: „Die Hauptunfallursachen bei den Pkw-Fahrern lagen im Nichtbeachten der Vorfahrt und fehlerhaftem Abbiegen“, stellte Kleefisch fest.

So kam 2014 eine 67-jährige Fußgängerin in Aachen ums Leben, als sie direkt vor einem Müllfahrzeug die Straße überqueren wollte und von dem Fahrer beim Abbiegen übersehen wurde. Meist sind aber Pkw-Piloten schuld. Darunter leiden auch die schwächsten Verkehrsteilnehmer. „Die Zahl der Kinderunfälle gibt Anlass zu erheblicher Sorge“, sagte Weinspach. Nach jahrelangem Rückgang verzeichnete die Polizei 113 verunglückte Kinder – 34 mehr als 2013. Die Beamten wollen jetzt verstärkt vor Schulen kontrollieren und dabei auch Eltern verwarnen, die mit ihren falsch parkenden oder haltenden Karossen Kindern die Sicht nehmen. Generell gilt laut Polizeichef: „Wir werden die Kontrolldichte verstärken.“

Ebenso bei der Gruppe der „jungen Erwachsenen“ zwischen 18 und 24 Jahren: Polizeirat Kleefisch bezeichnet den „Führerschein mit 17“ ausdrücklich als „Erfolgsmodell“ – verbunden mit Präventionskampagnen der Polizei. Die Unfallzahlen in Aachen untermauern das nicht. Seit 2010 steigt die Zahl der Unfälle mit Fahranfängern, zuletzt sogar um 30 Prozent – trotz Blitzmarathon und Co.

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