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Mehr Radfahrer, aber auch mehr Unfälle

Von: Robert Esser
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Bildnummer: 50303071 Datum: 10.06.2000 Copyright: imago/K-P Wolf Verkehrsschild -Radweg-, Objekte; 2000, Schild, Schilder, Verkehrsschild, Verkehrsschilder, Verkehrszeichen, Radwege, Fahrradweg, Fahrradwege, Piktogramm, Piktogramme, Fahrrad, Fahrr‰der, Rad, R‰der; , hoch, Kbdia, Einzelbild, Freisteller, Deutschland, , Strafle, Verkehr, Symbole

Aachen. Um rund 25 Prozent ist die Zahl der Radunfälle in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. 2003 zählte die Aachener Polizei 220 Verkehrsunfälle im Stadtgebiet. In der Unfallstatistik für das abgelaufene Jahr 2013, die das Verkehrsministerium erst Anfang Februar vorstellen will, werden mindestens 55 Radunfälle mehr aufgelistet sein.

„2012 hatten wir 260 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern“, erklärt Polizeisprecherin Sandra Schmitz auf AZ-Anfrage. „2013 werden es fünf bis sechs Prozent mehr sein“, sagt sie. Experten prognostizieren: Obwohl immer mehr für die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr unternommen wird, werden die Unfälle in den kommenden Jahren zwangsläufig weiter zunehmen. Laut Polizei-Analyse tragen übrigens in etwa 60 Prozent der Radler-Unfälle andere Verkehrsteilnehmer die Schuld: Meistens sind es Autofahrer durch Vorfahrtverletzungen oder Fehler beim Abbiegen.

Seit 2008 liegen die Unfallzahlen auf höherem Niveau. Schon damals wurden 275 Unfälle aktenkundig. Einen erfreulichen „Minus-Wert“ verzeichnete man nur 2010 mit 193 Fahrradunfällen. Aber im Folgejahr schnellte die Zahl sogar auf 286 hoch. Wobei die Polizei grundsätzlich von einer hohen Dunkelziffer ausgeht, da die Beamten nicht bei jedem Sturz alarmiert werden.

Der Hauptgrund für steigende Unfallzahlen ist denkbar simpel: Je mehr Verkehrsteilnehmer aufs Rad umsatteln, desto häufiger sind sie auch in Unfälle verwickelt. Allerdings: „Der Anstieg der Unfallhäufigkeit ist nicht linear“, stellt der Aachener Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen fest. Das heißt: Wenn die Gruppe der Radfahrer wächst, sinkt das Unfallrisiko pro Kopf – obwohl es insgesamt einige Unfälle mehr gibt. Laut einer ADAC-Studie ist die Zahl der verunglückten Radfahrer seit 1979 deutschlandweit um 44 Prozent von 52 000 auf rund 75 000 gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl getöteter Radfahrer um 70 Prozent von 1350 auf 400 im Jahr 2012.

In der Aachener Innenstadt legen die Bürger mittlerweile rund 14 Prozent aller Wege im Sattel zurück. Dies geht aus der jüngsten Mobilitätserhebung der Städteregion hervor. „Modal Split“ nennen die Verkehrsexperten die Verteilung des Transportaufkommens: 34 Prozent aller Wege absolvieren die Kaiserstädter am Lenkrad ihres Autos, acht Prozent als Mitfahrer. Nur 16 Prozent der Strecken bewältigen die Aachener – statistisch gesehen – per Bus; stattliche 27 Prozent per pedes.

Dass nicht noch mehr Radunfälle zu beklagen sind, führen Polizei und Stadt – unter anderem – auf den Ausbau der Radverkehrsanlagen zurück. „Ein ganz wichtiger Schritt war es, die Radfahrstreifen konsequent vom Bürgersteig auf die Straße zu verlagern“, sagt Axel Costard vom Presseamt. Damit verringerte sich das Verletzungsrisiko von Radlern, die zum Beispiel an unübersichtlichen Einfahrten mit unbedacht abbiegenden Autofahrern kollidieren. „Der Schutzstreifen auf der Fahrbahn verschafft beiden Verkehrsteilnehmern mehr Übersicht“, erklärt er.

Mittlerweile existieren 310 Kilometer Radstreifen in Aachen. 2014 liegt der Fokus auf dem Ostviertel – auch weil Hauptverkehrsachsen wie Adalbertsteinweg und Trierer Straße nach Erkenntnissen der Polizei besonders unfallträchtig sind. 494 000 Euro investiert die Stadt hier in Markierungen, Umbauten und Lichtsignalanlagen. 70 Prozent der Summe stammen aus Fördermitteln.

„Man muss feststellen, dass Aachen in Sachen Radfahrsicherheit vorbildliche Arbeit leistet“, lobt Verkehrsplaner Kaulen. Er berät die Stadt seit geraumer Zeit. „Es wird tatsächlich mehr Rad gefahren, das ist in Aachen ganz offensichtlich“, sagt er. „Aber dafür muss man eben auch die richtigen Rahmenbedingungen auf der Straße schaffen.“

Erstaunlicherweise hat damit – im Gegensatz zu Aachen – vor allem die allgemein als Radfahrerparadies gehandelte Studentenstadt Münster die größten Probleme. Obwohl sie mit gut 290 000 Einwohnern nur rund 40 000 Bürger mehr als Aachen zählt, muss die Polizei dort fast drei Mal so viele Radunfälle zu Protokoll nehmen. Immerhin: Nach 766 Fahrradunfällen im Jahr 2011 zählten die Münsteraner Beamten im Folgejahr 24 Kollisionen weniger. „Wir haben den Kontrolldruck bei Radfahrern erheblich erhöht“, erklärt Andreas Bode von der Polizei Münster. „Das hat spürbar dazu geführt, dass sich Radfahrer genauer an Verkehrsregeln halten.“

Gleichwohl machen Fachleute nicht nur Verkehrsrowdys für den Unfallrekord verantwortlich. „In Münster sind viele Radwege zu schmal. Und in Kreuzungsbereichen werden Radfahrer oft zu spät erkannt, weil sie vom Radweg auf dem Bürgersteig kommen“, erläutert Kaulen. Da finde gerade ein Umdenken statt, man orientiere sich nunmehr am Aachener Beispiel, sagt der Verkehrsplaner. In Sachen Radfahrsicherheit sei Aachen nämlich – trotz des Unfalltrends – auf dem richtigen Weg.

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