Mehr Kriminalität, mehr Gewalt

Von: Oliver Schmetz
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Nicht immer ein Profi: Viele Einbrecher brauchen einige Zeit, bis sie Schlösser und Türen geknackt haben. Deshalb sind wachsame Nachbarn ein guter Schutz. Foto: ddp

Aachen. Die Zahl der Vergewaltigungen: zehn mehr als im Jahr 2007, 40 statt 30. Die Raubüberfälle: 70 mehr, ein Plus von gut 20 Prozent. Die schweren Körperverletzungen: 837 statt 739, ein Zuwachs von 13,26 Prozent. Die Kriminalität insgesamt: 28492 Straftaten und damit 3833 Delikte mehr zählte die Polizei im Jahr 2008 in Aachen.

Satte 15 Prozent Zuwachs. „Eigentlich müsste man das als besorgniserregend bezeichnen”, sagt Aachens neuer Kripo-Chef Helmut Wälter. Eigentlich?

Eigentlich müsste man meinen, dass angesichts dieser Zahlen tiefe Sorgenfalten die Gesichter des Leitenden Kriminaldirektors und seines Polizeipräsidenten Klaus Oelze zerfurchen. Während die Zahl der Straftaten landesweit rückläufig ist, klettert sie in Aachen kräftig. Und während die Gewaltspirale im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums - also inklusive Kreis - laut Oelze „gestoppt ist”, legt die Stadt gerade bei diesen Delikten um 15 Prozent zu. Beim Straßenraub etwa um 22,75 Prozent, beim Handtaschenraub um 26,67 Prozent. Bei der häuslichen Gewalt stieg die Zahl der Fälle gar um 34 Prozent auf 590 - fast zweimal täglich muss die Polizei in Aachens Wohnungen eingreifen.

„Die Stadt ist da ein Ausreißer”, kommentiert Oelze. Aber er legt nicht die Stirn in tiefe Falten, sondern hat eine Erklärung: Denn die Polizei geht davon aus, dass die Zahlen vor allem deshalb steigen, weil die Aachener mehr anzeigen. Als Indiz dient dabei ein „ungewöhnlich hoher, fast verdoppelter” Anteil der versuchten Gewaltdelikte von 222 (2007: 115) an der Gesamtzahl von 1302 Gewalttaten.

Soll heißen: Es wird nicht zwangsläufig in Aachen mehr geraubt, geprügelt und vergewaltigt, sondern es wird mehr davon angezeigt und damit bekannt und verfolgt. Und es gibt noch einen Grund: Erstmals wurden die Delikte, die die Bundespolizei erfasst, statistisch den einzelnen Kommunen zugeschlagen - und damit ein Löwenanteil der Stadt Aachen.

Speziell das „geänderte Anzeigeverhalten” findet der Polizeipräsident grundsätzlich gut. Jahrelang habe man die Bürger aufgefordert, auch versuchte Taten anzuzeigen. Das sei nun geschehen. „Wenn ich so an die Täter herankomme, nehme ich auch gestiegene Fallzahlen bereitwillig in Kauf”, sagt Oelze. „Von hohen Dunkelziffern habe ich nämlich nichts.”

Natürlich weiß auch der Polizeipräsident, dass das nicht den kompletten Anstieg erklärt. Die Großstadt Aachen ist auch weiter ein Schwerpunkt der Kriminalitätsbekämpfung, die verstärkte Präsenz etwa im Ostviertel habe Wirkung gezeigt, so Oelze. Allerdings lassen sich aktuell kaum besondere Gewalt-Brennpunkte ausmachen. „Die Delikte verteilen sich über den gesamten Stadtbereich”, sagt Kripo-Chef Wälter.

„Richtige Sorge” bereitet Oelze indes die hohe Zahl der Wohnungseinbrüche: Dreimal täglich steigen Einbrecher im Schnitt in Aachen ein, ein Plus von 21 Prozent. Bei den Kellereinbrüchen hat sich die Zahl gar mehr als verdoppelt - von 407 auf 894.

Dennoch ist Oelze mit der Statistik nicht unzufrieden. Denn nicht nur bei den Wohnungseinbrüchen sei die Aufklärungsquote gut, sondern insgesamt: Von 40 auf 49 Prozent wurde sie gesteigert. „Wir klären jede zweite Tat auf”, freut sich Oelze. Damit liegt man genau im Landesschnitt. Und nicht zuletzt gibt es in Sachen Mord und Totschlag Positives zu vermelden:

Von 21 auf 14 ist die Zahl der Delikte gesunken. Dort ist die Aufklärungsquote sogar noch deutlich höher. Einziger Wermutstropfen: Ausgerechnet in einem der erschreckendsten Fälle, dem brutalen Überfall auf die Tankstelle am Europaplatz, ist der Täter noch flüchtig - „trotz intensivster Ermittlungen”, so Oelze.
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