„Mehr als Zahlen und Fakten der Stadt“

Von: Katrin Fuhrmann
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Sabine Sturz und Ute Schäfer von Stadtbekannt & Co mit dem kleinen, frechen Teufel, der schon auf einigen Touren mit dabei war. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stadtbekannt & Co bietet seit vielen Jahren außergewöhnliche und individuelle Stadtrundgänge im Stadtkern von Aachen an. Im Interview erzählen Ute Schäfer, Vorstandsmitglied von Stadtbekannt & Co und Sabine Sturz, Rundgangsleitung und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, wie es zu der Idee von Stadtbekannt & Co kam, was das Besondere an den Stadtrundgängen ist und was in diesem Jahr so auf dem Plan steht.

Frau Sturz, Stadtbekannt &Co gibt es mittlerweile seit 15 Jahren. Wie entstand die Idee, ein solches Projekt entstehen zu lassen?

Sturz: Stadtbekannt & Co ist 1999 von einer Gruppe Geographie-Studentinnen ins Leben gerufen worden. Historisches und aktuelles Stadtgeschehen in den Blick zu nehmen, war das Hauptanliegen. Diesem Ziel, den Fokus auf die vielen, unterschiedlichen Facetten der lokalen Geschichte zu richten, sind wir bis heute treu geblieben. Bei unseren Qualitätsstandards richten wir uns nach dem „Forum Neue Städtetouren“, dessen Mitglied wir auch sind.

Was soll bei den Stadtrundgängen genau vermittelt werden?

Schäfer: Das ist ganz unterschiedlich. Es ist uns vor allem wichtig, die Sehenswürdigkeiten erfahrbar zu machen, die bei den traditionellen Stadtrundgängen nicht bedacht werden. Es sollen nicht nur Fakten und Zahlen präsentiert werden. Wir wollen eine Vielfalt von Informationen bieten und auch individuelle Wünsche berücksichtigen.

Können Sie Beispiele für Stadtrundgänge nennen?

Schäfer: Wir bieten zum Beispiel einen Stadtrundgang an, der die Eisenbahngeschichte von Aachen zum Thema hat. Außerdem gibt es eine Führung, die vor allem für Frauen interessant ist. Bei dem Stadtrundgang „Hexe, Nonne, Weberin“ werden teils typische, teils ungewöhnliche Frauengeschichten erzählt. Generell ist es so, dass wir immer versuchen, auf den Wunsch unserer Kunden einzugehen. Wenn Leute beispielsweise in Aachen heiraten, können wir für sie wichtige Punkte und Sehenswürdigkeiten in den Stadtrundgang mit einbauen. So wird ein außergewöhnlicher Stadtrundgang dann auch mal schnell zum individuellen Rundgang.

Müssen die Stadtrundgänge denn immer vorher gebucht werden?

Schäfer: Nein. Wir bieten auch immer wieder offene Stadtrundgänge an, für die man sich nicht anmelden muss, bei denen man einfach ganz spontan dazu stoßen kann. Gerade für Einheimische sind diese Rundgänge interessant, weil sie dabei noch vieles Neues entdecken können.

Bieten sie für Touristen auch Touren in anderen Sprachen an?

Schäfer: Natürlich. Gerade im Karlsjahr hatten wir viele Touristen in der Stadt. Da mussten wir flexibel sein. Wir bieten unsere Stadtrundgänge auch auf Englisch und Französisch an. In nächster Zeit möchten wir die Stadtrundgänge auch auf Niederländisch verwirklichen.

Was war bislang der außergewöhnlichste Stadtrundgang?

Sturz: Das war die ‚Ruth Scharlemanje‘. Der Rundgang sollte satirisch die Stadtgeschichte vermitteln. Weil Karl der Große sein ganzes Geld in Kriege gesteckt hat, muss sich seine Ex-Frau Ruth mit Stadtführungen über Wasser halten. Wir haben dafür sogar Kostüme verwendet, um das Ganze authentischer zu vermitteln.

Was zeichnet für Sie einen guten Stadtrundgang aus?

Sturz: Ein guter Stadtrundgang muss sorgfältig recherchiert sein. Zudem muss der Rundgang einen roten Faden sowie einen „Aha- Moment“ enthalten?

Einen „Aha-Moment“?

Sturz: Ja. Wir möchten, dass die Menschen, die bei uns einen Stadtrundgang mitmachen, etwas Neues, bislang völlig unbekanntes erfahren und hinterher vielleicht sogar überrascht sind, was in Aachen so alles passiert ist und teilweise sogar noch aktuell ist.

Haben sie eine Tour, die ihnen besonders gut gefällt?

Sturz: Ich finde die Kindertouren besonders gelungen. Es ist schön zu sehen, wie viel Freude die Kinder dabei haben. Vor allem bei Kindergärten und Schulen sind die Rundgänge sehr beliebt, da das Wissen spielerisch vermittelt wird.

Was ist denn das Besondere an den Rundgängen für Kinder?

Sturz: Wir versuchen, die Kinder mit einzubinden. Bei unserem Mathematikrundgang lernen die Kinder zum Beispiel, welche Zahlen sich am Dom verstecken und wie man ein Achteck mit einem großen Stab konstruieren kann. Im zweiten Schritt erklären wir ihnen dann, dass es sich bei dem Gebilde, das sie vorher versucht haben zu gestalten, um das berühmte Aachener Oktogon handelt.

Wie lange dauert die Planung für einen Stadtrundgang?

Schäfer: Ein guter Stadtrundgang muss auch gut durchdacht sein. Die Vorbereitung einer neuen Tour dauert meistens ein dreiviertel Jahr. Da wir nie nur einen Stadtrundgang planen, sondern meistens viele parallel, ist das immer viel Arbeit. Schließlich müssen wir unsere Stadtführer vorher schulen, damit sie mit der Thematik vertraut sind.

Welche Stadtrundgänge sind in diesem Jahr geplant?

Schäfer: In diesem Jahr bieten wir über 40 verschiedene Stadtrundgänge an. Die Führungen „Aachen und Europa“, „Arbeitsplätze und Konzernpolitik in Aachen – Industrie an der Jülicher Straße“, sowie die Tour „Trümmer, Tränen, Träume – Wiederaufbau der Stadt nach 1945“ sind neu im Programm. Wir hoffen, dass sie großen Zulauf finden. Manchmal kann man das im Vorfeld nicht absehen. Es gab schon Touren, bei denen wir mit viel mehr Resonanz gerechnet hätten, die wir letztlich aber aus dem Programm nehmen mussten, weil sie einfach nicht liefen. Je spezieller die Tour ist, umso schwieriger wird es auch, Kunden dafür zu begeistern.

Haben Sie ein Ziel für dieses Jahr?

Schäfer: Natürlich wäre es schön, wenn der Zuspruch für unsere Stadtrundgänge weiter wächst. Es ist nach wie vor ein Kampf, ohne öffentliche Förderung zu existieren und das alles mit einer kleinen Anzahl von Mitarbeitern zu stemmen. Aber schon die vergangen 15 Jahre haben wir so gemeistert, also sind wir optimistisch, dass es uns auch in diesem Jahr wieder gelingen wird.

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