Medienwandel: Wie viel sind sichere Informationen wert?

Von: Rolf Hohl
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Steht der Medienwandel auch für einen Demokratiewandel: Wie Daniela Jansen diskutierten Thorsten Junge, Thomas Thelen, Andreas Düspohl, Christian Scholz und Alexander Vogt dieses Thema. Foto: Heike Lachmann
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Diskutieren über Medienwandel und Demokratie: Moderatorin Daniela Jansen, Landtagsabgeordneter Alexander Vogt, Tom Thelen, stellvertretender AN-Chefredakteur, Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums, Blogger Christian Scholz und Medienforscher Thorsten Junge. Foto: Lachmann

Aachen. Wer einen Artikel wie diesen auf Papier liest, gehört vielleicht bald zu einer Minderheit unter den Medienkonsumenten. Besonders junge Leser greifen kaum noch zur gedruckten Zeitung, eher zur digitalen Version. Für die Verlage ist dieser Wandel die Herausforderung der Zukunft. Bei einer Podiumsdiskussion im Zeitungsmuseum suchten Vertreter aus Politik, Medien und Forschung nach Antworten auf die Fragen: Wie beeinflusst der Medienwandel die Demokratie? Und wie lässt sich hochwertiger Journalismus im Internetzeitalter finanzieren?

„Wenn wir die Medien als Teil unserer Demokratie sehen, müssen wir uns auch fragen, was uns die Medien wert sind“, formulierte Alexander Vogt gleich zu Beginn eine fundamentale Überlegung. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion sitzt selbst im Rundfunkrat des WDR und muss sich zwangsläufig immer wieder mit Fragen zur Legitimation der gebührenfinanzierten Programme auseinandersetzen. Das ist im Internet etwas komplizierter. Seit Jahren versuchen die Verlage dort mit unterschiedlichen Methoden herauszufinden, was den Lesern Online-Artikel wert sind – und wie viel sie folglich bereit sind dafür zu bezahlen.

Dieser „Umerziehungsprozess“ sei sehr schwierig, wenn man den Lesern sagen müsse, dass sie für die einst kostenlosen Inhalte nun plötzlich bezahlen sollen, sagte Thomas Thelen, stellvertretender Chefredakteur von Aachener Nachrichten und der Aachener Zeitung.

Trotz des wachsenden wirtschaftlichen Drucks, der sich letztlich auch auf die Arbeit in den Redaktionen niederschlägt, sieht er die Stärke des Journalismus in der ausführlichen Recherche. „Es stellt sich aber die Frage, wie viel Zeit wir unseren Redakteuren dafür geben können.“

In diesem Zusammenhang kam auch die Glaubwürdigkeit und der Wahrheitsgehalt von Nachrichten zur Sprache. Der Aachener Blogger Christian Scholz forderte etwa, dass insbesondere Schüler – aber ebenso Erwachsene – nicht bloß über die Risiken im Umgang mit Smartphones und dem Internet aufgeklärt werden. „Die Menschen müssen auch lernen, Nachrichten zu überprüfen, zu hinterfragen, und sich ein breiteres Bild zu machen.“ Zu oft werde das, was gerade auf den Bildschirmen erscheine, einfach als wahr hingenommen und verbreitet, mahnte er.

Neben vielen Möglichkeiten der Information, bietet das Internet auch Partizipation – und das sollte doch den demokratischen Gedanken der Gleichheit fördern? Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums, dämpfte diese Erwartung: „Die Idee, dass die weltweite Erreichbarkeit die Verbreitung der Demokratie überallhin ermöglicht, gab es schon mit der Einführung des Telegraphen.“

Und auch heute sei es eher so, dass sich die Menschen in den sozialen Netzwerken mit Gleichgesinnten austauschen würden, als dass es konstruktive Diskurse zwischen unterschiedlichen Meinungsgruppen gebe. Ebenso wenig gebe es einen funktionierenden Dialog zwischen den Bürgern und der Politik. „Hier mangelt es an Transparenz, wie man am Beispiel der TTIP-Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten sieht“, sagte er. Und für die Zeitungsmacher hatte Düspohl zum Schluss eine Erkenntnis parat, die zum Nachdenken anregt: „Guten Erzählern hört man immer zu, darum lesen die Leute ja auch noch Bücher.“

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