Mauerfall auf Bühnenbrettern: Das Da Theater spielt Ost-West-Geschichte

Von: Peter Motz
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Verleihen dem Zwiespalt der deutsch-deutschen Teilung auf der Bühne des Das Da Theaters ein Gesicht: Ina Pappert und Franziska Holitschke (rechts) in „Lilly unter den Linden”. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Du kannst zum Zuckerhut fliegen, aber zu deinen eigenen Leuten kannst du nicht. Fang bloß niemals an, das normal zu finden.” Ein Satz, der heute ziemlich unnormal daherkommt. Das geteilte Deutschland kennt die junge Generation nur noch aus Geschichtsbüchern.

Das Das Da Theater bringt die Geschichte um den heute so fremd klingenden Satz auch deshalb auf die Bühne. „Lilly unter den Linden” heißt das Stück. Anne Charlotte Voorhoeve hatte die Geschichte ursprünglich für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2002 geschrieben. 2004 erschien der Roman, 2008 gab es die Theater-Uraufführung.

Jetzt, 20 Jahre nach dem Mauerfall, ist das Drama erstmals in Aachen zu sehen. Das-Da-Intendant Tom Hirtz hat für seine Inszenierung eine spannende neue Version aus Roman- und Theatervorlage geschaffen. Darum geht es: Die dreizehnjährige Hamburgerin Lilly wird 1988 zur Waise und lernt beim Begräbnis ihrer Mutter ihre Tante kennen. Die kommt aus Jena, und da will Lilly hin - eine Republikflucht der ungewöhnlichen Art.

Was Lilly nicht weiß: Auch ihre Mutter hatte eine bewegte Geschichte. Diese wird in Rückblenden erzählt. So entsteht ein bewegendes Puzzle, das Einblick in die Lebenswirklichkeiten der siebziger und achtziger Jahre gibt. In die Titelrolle der Lilly schlüpft Ina Pappert.

Mit gerade mal 22 Jahren hat sie das geteilte Deutschland nie wirklich erlebt. Gleich jung war ihr Regisseur, als die Mauer fiel. Er erinnert sich an seine Schulzeit, an einen Ausflug nach Ost-Berlin. Wenig später geschah das Unvorstellbare, die Mauer fiel.

Erinnerungen haben auch Mitglieder seiner Ensembles: zwei Schauspieler und seine Regieassistentin sind Mitte 30, kennen den Osten aus eigener Anschauung, konnten neben ihren Erfahrungen auch Requisiten beisteuern.

Packende Geschichte

Allzu nostalgisch soll die Inszenierung aber nicht daherkommen. Und auch die historische Dimension wird nicht in den Vordergrund gerückt. Hirtz macht das, was er am Theater am meisten schätzt und wofür ihn sein Publikum so schätzt: Er erzählt eine packende Geschichte.

Ein Blick aufs Detail, der Einblick ins große Ganze gibt.„Zwischenmenschlich sehr berührend” sei dieser. Behandelt werde „ein wichtiges Thema, das im Alltag der Menschen kaum mehr eine Rolle spielt”. So bietet die Inszenierung den Älteren Gelegenheit, sich zu erinnern. Und den Jüngeren, etwas Neues zu erfahren über längst vergangene Zeiten. Zeiten, die unterschwellig immer noch eine Rolle spielen.

„Lilly unter den Linden” feiert am Donnerstag, 1. Oktober, 20 Uhr, Premiere (ausverkauft). Weitere Aufführung bis zum 15. November, jeweils donnerstags bis sonntags um 20 Uhr.

Schulen bietet das Das Da Theater vielfältige pädagogische Angebote zum Stück, von der Vor- und Nachbesprechung bis zur Aufführung in der Schule. Informationen und Karten unter 161688 (dienstags bis freitags 10 bis 16 Uhr) und http://www.dasda.de

Tickets sind auch im Buchladen Pontstraße 39 erhältlich.

Premiere zur neuen Spielzeit: So genannte „Theaterscouts” begleiten die Arbeit des Das Da Theaters. Die Schüler (ab 5. Klasse) besuchen Proben, erhalten viele Einblicke in die verschiedenen Theaterbereiche und machen ihre Klassenkameraden neugierig.

Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen, sich unter Telefon 161855 oder theaterinfo@dasda.de zu melden.

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