„Masterplan” für Aachen wird ab Januar entwickelt

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Aachen. Wie wird sich die Stadt Aachen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? In welchen Bereichen wird sich eher Gewerbe, wo der Sport, auf welchen Flächen die Bildung entfalten können?

Um bei den vielen Einzelentscheidungen der Verwaltung, zum Beispiel bei Genehmigungsverfahren von Bauvorhaben, ein vorbereitendes Instrument in der Hand zu halten, um die „Marschrichtung” der Stadtentwicklung festzulegen, hat der Gesetzgeber den Flächennutzungsplan vorgesehen.

Derjenige für die Stadt Aachen wird jedoch im nächsten Jahr bereits dreißig Jahre alt und basiert auf den Prognosen und Daten der siebziger Jahre. Mehr als hundert Mal waren bereits Änderungen erforderlich - ein Indikator dafür, mit welcher Dynamik sich Aachen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.

Es ist also Zeit, sich über die Ausrichtung der Stadtentwicklung grundsätzlich Gedanken zu machen. Dabei bedarf es nicht nur einer Neufassung eines Flächennutzungsplanes, denn dieser ist nicht in allen Fragen der Stadtplanung das geeignete Mittel: Sein formelles Korsett ist relativ eng, die rechtliche Verbindlichkeit sehr hoch, und viele strategische Aussagen sind darin nur schwer zu fassen. In welchen Stadtgebieten die Kultur, der Sport oder die Integration einen höheren Stellenwert erhalten soll, wird man daher auf einer anderen Ebene festlegen müssen - in einem Masterplan.

Dieser dient dazu, Handlungsempfehlungen abzugeben, die Ziele der Stadtentwicklung zu „verräumlichen”. Gleichzeitig unterstützt er die Vorbereitung der Erstellung eines neuen Flächennutzungsplans. Dieses umfangreiche, sehr aufwändige Vorhaben bedarf einer gründlichen Vorarbeit. Die Stadt Aachen war in der Vergangenheit nicht untätig, hat bereits einen Leitplanprozess angestoßen, Verbände, Interessengruppen, Hochschulen und Verwaltungsbereiche angehört, die Zielvorstellungen der Bezirke abgefragt.

Im Frühjahr 2009 wurde ein zweistufiges europaweites Ausschreibungsverfahren gestartet, mit dem ein Büro oder Bürogemeinschaften für die Entwicklung eines Masterplans gefunden werden soll. Im Juni hat eine Jury unter den eingegangenen Bewerbungen vier Anbieter ausgewählt, die zur zweiten Stufe des Ausschreibungsverfahrens eingeladen wurden.

Hier sollten bereits konkrete Vorstellungen über die Strategie geäußert werden, mit der die Erstellung des Masterplans mit der Neufassung des Flächennutzungsplan gekoppelt werden kann, oder mit welchen kreativen und praxisnahen Ideen die Bürger an diesem Prozess beteiligt werden könnten. Denn die Öffentlichkeit soll frühzeitig und umfassend in die Entwicklung des Masterplans einbezogen werden.

Schließlich hat die Jury eine Entscheidung gefällt. Das Büro bkr aus Aachen in Kooperation mit Professor Klaus Selle vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen hat den Zuschlag erhalten. Die beiden Stadtplaner Professor Dietmar Castro und Ajo Hinzen von bkr haben in vielen anderen Kommunen und Landschaftsräumen Erfahrungen gesammelt, insbesondere in der Bauleitplanung. Auch in unserer Region haben sie bereits mehrere Stadtentwicklungskonzepte, Flächennutzungspläne und Umweltprüfungen durchgeführt, beispielsweise für die Stadt Eschweiler und den Masterplan für die WasserLandschaft Inden.

In Düsseldorf haben sie die Messeentwicklung und die Airport City planerisch begleitet und erarbeiten zurzeit den Grünordnungsplan für die Landeshauptstadt. Einer der Schwerpunkte in der Arbeit von Klaus Selle liegt in der kommunikativen Gestaltung von Planungsprozessen. So hat er zum Beispiel über ein Jahrzehnt das Bürgerbüro Stadtentwicklung in Hannover geleitet.

Mit seinen Teams an der RWTH und im „netzwerk stadtforschung, beratung, kommunikation wirkte er auch an Stadt- und Quartiersentwicklungskonzepten unter anderem in Bamberg, Bonn und Stuttgart mit - und hat nicht zuletzt die Verstetigung des Soziale-Stadt-Prozesses in Aachen-Ost in den letzten zwei Jahren unterstützt.

Im Januar werden die Arbeiten zur Erstellung des Masterplanes für die Stadt Aachen beginnen.
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