Maßgeschneiderte Klangkleider aus vielen Epochen

Von: Christoph Hahn
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Kornelimünster. Bar jeder Blaustrümpfigkeit und nichts als der reine Musikgenuss: So präsentierte sich das Programm „Komponistinnenleben” des Trios Maria Regina Heyne (Sopran), Susanne Schrage (Flöten) und Ina Otte (Klavier).

Auf Einladung der Kulturinitiative Kornelimünster (KIK) präsentierten die Künstlerinnen in der Alten Reichsabtei ein Programm, das den Bogen vom Mittelalter in die Gegenwart schlägt. So wurden Werke unter anderem der heiligen Hildegard von Bingen mit Liedern von Fanny Hensel-Mendelssohn sowie einer aktuellen, dem Trio auf den Leib geschriebenen Robert-Gernhardt-Vertonung von Ursula Wawroschek zu einem abwechslungsreichen Ganzen verbunden. Die Zuhörer waren hingerissen.

Die erste Hälfte des Konzerts brachte die Begegnung mit der schlichten und deshalb so eindringlichen Schönheit des „Ave Maria” der heiligen Hildegard. Eine Huldigung an die Mutter Gottes, die wie aus einer anderen Welt wirkte - und vielleicht deshalb von Maria Regina Heyne mit ihrem filigranen wie beweglichen Sopran aus dem Off eines nebenan gelegenen Raumes in den Saal getragen wurde.

Geschmeidig, elegant und einfühlsam präsentierte sich das Trio mit der Kantate „Semelé” der Barockkomponistin Elisabeth Jacquet de la Guerre (1665-1729), bevor die Sängerin für eine Weile zurück trat und die Mitstreiterinnen auf Klavier und Flöte mit dem Allegro moderato aus dem Concerto von Claude Arrieu (1903-1990) die instrumentale Seite entfalten konnten.

Nun folgte, nachdem Ursula Wawroscheks ebenso moderne wie romantische Version von Goethes „Lied der Mignon” verklungen war, ihre Vertonung von drei Gedichten aus Robert Gernhardts Gedichtband „Später Spagat”. Die eigenartige Verquickung von Scherz und Tiefsinn fand sich auf ihre Art in der Musik wieder.

Zugleich begegneten die Zuhörer im virtuosen Spiel von Susanne Schrage einem Instrument, das manchen unerhört vorgekommen sein mag: der Kontrabassflöte - zum Beispiel bei der „Frau von heute” der Kölnerin Heike Beckmann (Jahrgang 1959), einem kabarettistisch angehauchten Werk voller Witz in Sprache und Spiel.

Hintergründig und humorvoll wirkten zudem die vier „Galgenlieder” nach Morgenstern, zu Musik gesetzt von der 1930 geborenen Flämin Jacqueline Fontyn - das neben den Kompositionen von Beckmann und Wawroschek dritte Stück, das eigens für das Trio geschaffen wurde. Daneben fehlten nicht zutiefst romantische Kapitel wie eine Romanze für Klavier solo von Clara Schumann und drei Lieder von Fanny Hensel-Mendelssohn - fürwahr ein komplexer Abend voller facettenreicher „Komponistinnenleben”.
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