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Martin Schulz bei der Maikundgebung zu Gast

Von: Peter Schopp
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Pralles Programm am „Tag der Arbeit“: Die Gewerkschafter (von links) Güngör Özkul, Arno Keusch, Diane Habke, Thomas Hartmann, Uschi Plum und Ralf Woelk freuen sich auf den Demozug und die Kundgebung auf dem Markt. Dort wollen sie auch dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf den Zahl fühlen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist ein bunter Strauß an Themen, den der Aachener Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Ralf Woelk und seine Mitstreiter gebunden haben. Die gewerkschaftlichen Kundgebungen am 1. Mai sollen zum Forum für die Ziele und Ideen der Arbeiterorganisationen werden, die Arbeitsschwerpunkte der näheren Zukunft herausstellen und die Stärken und Vorteile gewerkschaftlicher Organisation unterstreichen.

Obwohl der 1. Mai als eine farbige Palette mit Livemusik, Kinderbelustigungen und Gewinnspielen fröhlich und lustig daherkommt – der Anlass stimmt eher nachdenklich. „Uns ist wichtig, den plakativen Begriff der sozialen Gerechtigkeit mit Leben zu füllen und den Menschen klar vor Augen zu führen, was genau damit gemeint ist“, legt Woelk den gewerkschaftlichen Finger in die Wunde von Arbeitern und Angestellten.

Die Forderungen des DGB richten sich dabei vornehmlich an die Adresse der Bundesregierung. Seien in den 1970er Jahren noch mehr als 70 Prozent der Arbeitgeber der tariflichen Bindung verpflichtet gewesen, so seien es heute noch gerade 50 Prozent.

Immer mehr Unternehmen verabschiedeten sich aus der sozialen Verpflichtung und lösten sich von den Arbeitgeberverbänden und damit von der gemeinsamen Basis, lautet die Gewerkschaftskritik. Oder sie seien als sogenannte OT-Mitglieder (Ohne Tarifverpflichtung) weiterhin in den Verbänden, nutzten die Vorteile, ohne Verbindlichkeiten eingehen zu müssen.

Vertreter verschiedener Einzelgewerkschaften stellten gemeinsam mit Woelk das Programm für den Maifeiertag vor, und schnell wurde deutlich, dass vieles den Beteiligten auf den Nägeln brennt. Güngör Özkul von der IG Bau beklagt das Mindestlohngefälle zwischen Ost und West und fordert, diese Unterschiede bis 2019 auszugleichen.

Eine diesbezüglich bereits in früheren Jahren erzielte Vereinbarung sei von den Arbeitgebern in der Gebäudereinigungsbranche jüngst aufgekündigt worden. Auch die gerade in diesem Berufszweig vorherrschenden prekären Arbeitsverhältnisse sind ihm ein Dorn im Auge, ebenso steht ein 13. Monatsgehalt auf der Forderungsliste. Am 16. Mai beginnen in Leipzig die entsprechenden Tarifverhandlungen.

Diana Hafke von der Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) fordert faire Arbeit für ein gutes Leben in Verbindung mit einer Rente, die den Menschen ein Minimum an Würde lasse. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die sogenannte „sachgrundlose Befristung“ von Arbeitsverträgen stören sie nachhaltig. „Die Menschen können in diesen Situationen ihr Leben nicht richtig planen. Der Kauf eines Autos oder die Gründung einer Familie sind unter solchen Verhältnissen unmöglich“, weiß sie um die Probleme der Leute.

Arno Keusch, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Aachen, hat da ganz andere Sorgen. „Wir müssen das Thema Gewalt im öffentlichen Dienst unbedingt in den Fokus der Menschen rücken“, unterstreicht er vehement, „es kann doch nicht sein, dass Sanitätern, die sich um einen am Boden liegenden Verletzten bemühen, von hinten in den Rücken getreten wird.

Oder Feuerwehrleute, die auf der Leiter stehend einen Brand bekämpfen, aus der Zuschauermenge heraus mit Feuerwerkskörpern beschossen werden“, stellt er die Frage nach dem „Warum“ für ein derartig unglaubliches Verhalten. Und dabei hat er alltägliche Beleidigungen von Polizei, Ordnungskräften oder Verwaltungsangestellten noch gar nicht aufgeführt.

Hauptredner bei der Kundgebung am 1. Mai ab 11 Uhr auf dem Aachener Markt wird Dr. Norbert Reuter vom Verdi-Bundesvorstand sein, obwohl sich noch ein anderer prominenter Gast angekündigt hat. Martin Schulz wird ebenfalls ans Mikrofon treten, doch soll aus dem DGB-Tag keine Wahlkampfveranstaltung der SPD werden. „Wir werden ihm unsere Probleme schildern, ihn dazu befragen und auch an seinen Antworten messen“, stellt Woelk die Verhältnisse klar.

Den anderen politischen Gruppen wird dann im Laufe des Jahres noch die Möglichkeit gegeben, ihre Positionen zu den Gewerkschaftsthemen klar zu machen. Wann und in welchem Rahmen, wird zeitnah bekannt gegeben. Und Woelk hat noch einen Punkt im Petto: „Den Mythos, dass es uns so gut wie noch nie geht, wollen wir bloßstellen.

Die Kaufkraft der Menschen stagniert seit Beginn der 1990er Jahre, einigen wenigen Reichen geht es besser, und vielen anderen sehr viel schlechter“! Der Tag beginnt um 10 Uhr mit dem Demonstrationszug. Start: DGB-Haus, Dennewartstraße. Um 11 Uhr schließt sich die Kundgebung an.

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