Aachen - Martin Ratajczak wird 90: Herzlichen Glückwunsch!

Martin Ratajczak wird 90: Herzlichen Glückwunsch!

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
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Ein gewohnter Anblick für alle, die in Aachen und der Städteregion mit der Presse zu tun haben: Journalist und Fotograf Martin Ratajczak, der heute 90 Jahre alt wird, ist seit vielen Jahren als rasender Reporter im Einsatz. Manchmal gerät er dabei selbst vor die Linse. Foto: Harald Krömer
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Ein echtes Öcher Phänomen und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist Martin Ratajczak – auch bei denen, die seinen Namen vielleicht nicht ganz richtig aussprechen können.

Aachen. 90 Jahre und so fit? 90 Jahre und immer (noch) unterwegs? 90 Jahre und so fröhlich? Ich wundere mich darüber nicht; denn Journalisten wie unser Jubilar sind engagierte, belastbare, kreative und eben als Gesamtkunstwerk einfach nette Menschen.

Martin Ratajczak verkörpert diese Eigenschaften in besonderer Weise: einsatzfreudig bis in die späte Nacht und am frühen Morgen und manchmal auch umgekehrt. Seine Art von Lebensfreude ist es, den kleinen Rest, den ihm sein tägliches Zeitkonto lässt, noch irgendwie termin- und digitalfrei zu halten. Oder wie es in einer Laudatio auf ihn einmal hieß: „Nie rostend, da nie rastend.“

Einer von uns

Martin Ratajczak – einer von uns, und auch das kann man in so vielen Facetten interpretieren: einer von uns in der Redaktion, einer von uns in den Vereinen, einer von uns in Aachen, seinen Stadtteilen und für den Sport auch in der Städteregion, einer von uns – besonders heute an seinem Ehrentag. Seit 55 Jahren ist der gelernte Maler und Lackierer freiberuflicher Fotograf unserer Redaktion.

Der Ur-Öcher, geboren im Mariannen-Institut, ist ein Phänomen: Manche kennen seinen Familiennamen nicht so ganz korrekt („Schicken Sie uns doch bitte Herrn Rataschak“) oder können ihn nicht richtig schreiben, aber die Frage „Ist denn der Martin schon da?“ kennt jedes Vorstandsmitglied kleiner und großer Öcher Vereine von irgendeiner eigenen Veranstaltung. Ohne die regelmäßig erscheinenden Fotos von Martin Ratajczak wüsste man gar nicht, dass eine Veranstaltung überhaupt stattgefunden hat.

Martin Ratajczak: Natürlich ist er bei allem stets ein friedliebender, ein auf seine Art ungewöhnlich toleranter Mensch. Natürlich lehnt er jede Form von Bewaffnung ab, allerdings mit einigen Ausnahmen: seiner Kamera und seinem VW Käfer. Zum Beispiel. Wo er erscheint, wird erst mal fotografiert, egal, was gerade im Programmablauf passiert. Das Programm hat sich nach ihm zu richten. Gefälligst!

Wir stellen also deshalb bei ihm auch ein gut entwickeltes Selbstbewusstsein fest, das kombiniert ist mit einem brutalst konsequenten Zeitmanagement: Es muss halt etwas schneller gehen bei so vielen Terminen, Vereinen, Ehrungen, Auszeichnungen, Pokalen, Urkunden, Händeschütteln, Vogelschießvorgängen und tanzenden Mariechen, büttenden Rednern und bützenden Präsidenten. Und er animiert Menschen, Verantwortung zu übernehmen: Sie stellen sich jetzt mal nach rechts, Sie in die Mitte, Sie gehen am besten mal ganz aus dem Bild. Bitte lächeln, danke, bis zum nächsten Mal, schönen Abend noch!

Schon am 8. Februar 1963 stand in der damaligen Aachener Volkszeitung folgender historischer Satz: „Karnevalist zu werden, ist ein schweres Metier geworden – nämlich dann, wenn man für den offiziellen Ablauf verantwortlich ist.“ Diesen Satz kann man nur so erklären: Bereits damals muss Martin Ratajczak spontan auf der Bühne aufgetaucht sein, um unabhängig vom gerade laufenden Programm ein Gruppenbild zu machen. In Aachen ist das alles kein Problem, hier ist man flexibel, und ein echter Martin ist eben ein Erlebnis für jede Veranstaltung, Auslöser für Auslöser, Hundertstelsekunde für Hundertstelsekunde, rein objektiv betrachtet natürlich.

Den Laden am Laufen halten

Was zeichnet Fotografen überhaupt aus? Mal allgemein gefragt. Sie müssen kreativ sein und können nicht nur auf Routine und den Acht-Stunden-Tag setzen, um im besten Sinne den redaktionellen Laden am Laufen zu halten.

Sie müssen ständig Vollgas geben, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und notfalls gleichzeitig an mehreren Orten. Was Hans-Dietrich Genscher viele Jahre in der Außenpolitik war, ist Martin Ratajczak seit Jahrzehnten in der Welt der Fotografen. Sie können sich persönliche Eitelkeiten nicht leisten, sondern müssen sich an der rauen Wirklichkeit orientieren, die geprägt wird von Ehrungen, Terminen, Einladungen, Jubilaren, Schützenkönigen, Freunden des Gartens und, noch viel schlimmer, besserwisserischen Redakteuren in der warmen Redaktionsstube. Sie dürfen bei einem solchen Leben nie ganz den Optimismus aufgeben und denken angesichts der oben beschriebenen Hemmnisse manchmal dann doch hoffend: Wem Gott eine Aufgabe gibt, dem gibt er auch die entsprechende Logistik. Sie ist längst legendär und lässt sich in Ratajczak-Einheiten messen.

Aufhebens von sich zu machen, liegt Martin Ratajczak nicht. Er ist nicht etwa kurz angebunden, sondern kommt nur ohne Umschweife zur Sache, Sie links, du rechts, Klick. Auf Martins Festplatte wird so in aller Schnelle und nachhaltig lokale und manchmal sogar internationale Bedeutungs-schwere festgehalten.

Danke, lieber Martin Ratajczak. Für ganz viele Dinge: für Dein Leben zwischen bunten Zirkuswagen auf dem Bendplatz und Karlspreis-Würdenträgern im und vor dem Rathaus. Für die unzähligen Begegnungen mit Promenadenmischungen aller Art: tierische, menschliche, politische, sportliche, kulturelle, protestierende, nörgelnde, unternehmerische, schläfrige, bequeme, unbequeme, faule, fleißige, journalistische, normale, weibliche, männliche, kleine, große, wichtige, unwichtige, wichtigtuerische, überflüssige und staubtrockene, rote, schwarze, gelbe, grüne – blaue und nüchterne.

Wir danken Dir für die Ablichtung von Uniform-, Trikot-, Urkunden- sowie Würden- und Bedenkenträgern. Wir danken Dir für lichtbildnerische Tätigkeiten im programmgestählten Hochsicherheitstrakt von Vereinsheimen, Kirchen, Sportplätzen und Festhallen. Wir danken Dir für die ungeheure Vielzahl fotografierter Reden auf Parteitagen, Jubilarehrungen, Vereinsjubiläen und Empfängen. Wir danken Dir für abgebildete Hochstimmungen schwarz-gelber Aufstiege und die nur graue Tristesse einiger Abstiege.

Wir danken für ein Engagement, das sich auch in Belichtungssekunden und Helligkeitsstufen darstellen lässt, und wir danken für den Spagat zwischen den so schön menschelnden Hexenkesseln des Seniorensports, der Fußballbezirksliga und der Karnevalsumzüge. Also dort, wo wirklich gelebt wird, wo es noch Nachbarschaft gibt, wo man sich gemeinsam freut, aufregt, ärgert, zuprostet, beschimpft, plant, veranstaltet, feiert.

Wir danken Dir für Millionen von Eintausendstel- und Hundertstel-Sekunden voller Arbeit Last, Termindruck und manchmal gewiss auch Sehnsucht nach ein bisschen Verschnaufpause und Durchatmen. Du hast Dich eigentlich nie geschont. Auf Dich war und ist immer Verlass. Du warst auch da, wenn Du selbst besser an Dich gedacht hättest. Du hast Dich nicht einmal mit einer Ausrede aus dem Spiel genommen, wenn Du wirklich allen Grund gehabt hättest, mal kürzer zu treten, etwa als Deine Frau Sybille, die Dich so lange begleitet hat, schwer krank wurde und die Du trotz der vielen Termine so fürsorglich betreut hast. Deine ganze Lebenseinstellung hat sehr viel mit Werten zu tun.

Unter Denkmalschutz stellen

Natürlich danken wir Martin Ratajczak für die auf Festplatte gebannte Gegenwart, die rasend schnell Vergangenheit wird, aber durch seine Arbeit für viele Menschen eine schöne und immer wieder zu betrachtende Erinnerung bleibt. Wir danken für einen einzigen Auslöser, der mehr sagt als 1000 Worte der Redakteure. Es wäre noch Vieles aufzuzählen, aber machen Sie das mal in einem einzigen Bericht! Martin Ratajczak: unterwegs zwischen Riesenrädern und Straßenschluchten, Unfällen und Umgehungsstraßeneröffnungen.

Das ist ein gigantischer Mix an Eindrücken, die gesammelt werden und das Leben eines Fotografen prägen: etwas chaotisch, etwas unberechenbar, vor Energie strotzend und mit krassen Widersprüchen – so sind sie, diese so wertvollen, unverzichtbaren, unersetzlichen Protagonisten des täglichen Lokaljournalismus. Das einzig Beständige sind der Wechsel der zu fotografierenden Personen und die Jubilar-Ehrungen von links nach rechts. Oder doch lieber umgekehrt?

Achtung, Umfrage: Wer ist der wichtigste Aachener? Für uns alle ist das auf jeden Fall heute Martin Ratajczak – mitten in diesem Alltag zwischen Belichtungsfreude und brennweitengeschärftem Gelingen. Einen Menschen wie Martin Ratajczak müsste man unter Denkmalschutz stellen. Aber dazu ist er viel zu mobil und zu lebendig. Und wir alle wünschen uns und natürlich vor allem ihm, dass das noch lange so bleiben möge. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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