Markus Mohr von der AfD: Gegen „Ramsch-Abi“ und offene Grenzen

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Direktkandidat für die AfD in Aachen: Ratsherr Markus Mohr tritt bei der Bundestagswahl an. Einen Listenplatz hat er nicht.

Aachen. „Weil ich dieses Land verändern möchte.“ Das ist die kurze und knappe Antwort des Mannes, der für die „Alternative für Deutschland“ (AfD) in den Bundestag einziehen will. Markus Mohr ist der Direktkandidat in Aachen. Diese Tatsache an sich hat schon etwas Besonderes.

Denn vor nicht allzu langer Zeit war der Aachener Ratsherr Mohr selbst den Rechtspopulisten zu rechts. Denn er hatte sich im Stadtrat mit Wolfgang Palm verbündet, der kurz zuvor bei der rechtsextremen „Pro NRW“-Partei ausgetreten war, für die er in den Stadtrat eingezogen war. Die AfD im Land wollte den 32-jährigen selbstständigen Versicherungsmakler aus der Partei werfen, weil Bündnisse mit „Pro NRW“-Leuten nicht gewollt sind.

Doch dieses Ansinnen scheiterte in einem Schiedsverfahren auf Bundesebene. Dass Mohr von der AfD nicht mit einem Listenplatz versehen wurde, ist vor diesem Hintergrund klar. Dennoch machte ihn die Aachener AfD zum Kandidaten, nachdem sich eine „Kreiswahlversammlung“ (mit 15 Teilnehmern) mehrheitlich gegen Michael Espendiller aus dem eher bürgerlichen Lager ausgesprochen hatte.

Das Kapitel Parteiausschluss ist für Mohr indes abgehakt. Es habe einfach „zwei unterschiedliche Rechtsauffassungen“ gegeben, sagt er, der schon als „Vorredner“ des AfD-Rechtaußens Björn Höcke mit völkischen Aussagen und Hetzparolen gegen Bundestagsabgeordnete („Schmiergeldpolitiker“) kurzfristig von sich reden machte.

Und nun will er das Land verändern. Was genau? Die Antwort auf diese Frage überlegt sich Markus Mohr im Gespräch ganz genau und lange. Seine Aussagen kommen dann deutlich gemäßigter daher, als man das von ihm etwa aus dem Stadtrat „gewohnt“ ist: „Mir ist zum Beispiel wichtig, dass im Bereich der sozialen Gerechtigkeit die Durchlässigkeit erhalten bleibt, die Spaltung der Gesellschaft verhindert wird“, sagt er.

Er selber komme aus „weniger privilegierten Verhältnissen“ und halte es für eine „großartige Sache, dass man in Deutschland die Möglichkeit hatte, sich auch aus finanziell ärmeren Verhältnissen mit Fleiß und Arbeit und Tatkraft einiges aufzubauen und zu erarbeiten. Das sehe ich durch die Politik, wie sie jetzt und in den vergangenen Jahren betrieben worden ist, massiv gefährdet.“

Beispiele? Da spricht Mohr vom „Ramsch-Abitur für alle“. Es könne nicht „Sinn und Zweck der Übung sein, dass man die Leistungsstandards immer weiter absenkt, damit das Abitur immer weiter entwertet und damit jungen Menschen aus finanziell ärmeren Schichten die Möglichkeit nimmt, sich durch solch einen Abschluss hervorzuheben“.

Das sei eine Fehlentwicklung, die aufgrund einer „sozialistischen Gleichmacherei“ von CDU, SPD und anderen Parteien gleichermaßen betrieben werde. Und wie will der AfD-Kandidat dem „Ramschabitur“ entgegengetreten? „Durch die Stärkung des dreigliedrigen Schulsystems. Es gibt keine Veranlassung, die Bildungsstandards immer weiter abzusenken, damit nachher jemand sagen kann, er habe ein Abitur.“ Zudem müsse man das gesellschaftliche Bewusstsein schaffen, „dass alle Berufe wichtig und ehrenwert sind und eben nicht nur akademische Berufe“.

Thema Flüchtlinge

Einen weiteren Schwerpunkt hat sich Mohr mit dem Thema Flüchtlinge gesucht. Der AfD-Mann sagt: „Der Bevölkerungsstand, den wir in Deutschland haben, ist vollkommen ausreichend.“ Eine Zuwanderung gefährde die sozialen Sicherheitssysteme und müsse „deshalb begrenzt werden“. Und wie? „Indem man keine Zuwanderung in soziale Sicherungssysteme mehr zulässt.“ Und wie soll das wiederum aussehen? Mohr: „Indem man die Grenzen schließt und ein konkretes Einwanderungsgesetz erlässt.“

Man habe ja gesehen, dass bei Grenzkontrollen „Tatverdächtige und illegale Einwanderer besser ermittelt werden konnten“. Per Einwanderungsgesetz könne man Auflagen machen, die man dann prüfen könne, „solange diese Menschen noch außerhalb Deutschlands sind“. Man müsse „streng unterscheiden zwischen echten Flüchtlingen und solchen, die sich hier bessere wirtschaftliche Verhältnisse versprechen“.

Bleibt die Frage, was sich der Kandidat Mohr für die AfD in Aachen erhofft. „Neun Prozent wären gut“, sagt er. Im Bund gelte es, „Oppositionsführer“ zu werden. Wobei man dann unwillkürlich zu der Frage kommt, ob da der Spitzenkandidat Alexander Gauland mit seiner Äußerung, man solle die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz „nach Anatolien entsorgen“, nicht übel querschießt und die AfD vollends in der Rechtsaußenecke verankert.

Dazu sagt Markus Mohr zunächst einmal, dass das „für den Wahlkampf in Aachen keine notwendige Information“ sei und er sich dazu eigentlich nicht äußern wolle. Was er schließlich aber doch noch tut. Gauland habe inhaltlich kritisiert, dass „eine Integrationsministerin die deutsche Kultur rein auf die Sprache reduziert“. Inhaltlich habe Gauland damit „völlig recht“. Da müsse man „auch im Bundestagswahlkampf nicht jedes Wort auf die Feingoldwaage legen“.

Mal sehen, wie das Ermittler beurteilen: Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen hat zwischenzeitlich ein Ermittlungsverfahren gegen Gauland wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen.

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