Aachen - Marktliner rollt aus der Sackgasse

Marktliner rollt aus der Sackgasse

Von: Robert Esser
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Der Weg für den Marktliner ist mit Steinen gepflastert: Um den Platz vor dem Rathaus und den umliegenden Einzelhandel zu beleben, soll wieder eine Bushaltestelle auf den Marktplatz – nun könnte das Modellprojekt wachsen und vielleicht vor 2020 verwirklicht werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ab 29,99 Euro kriegt man einen Aseag-Bus auf den Markt – dank Modellbau Hünerbein. Auch wenn der sich auf dem historischen Pflaster schwer tun würde. Ein paar Nullen mehr dürften zusammenkommen, wenn die Experten der Aseag demnächst nun doch erstmals errechnen, wie viel denn der lange ersehnte Marktliner im City-Ringverkehr mit einer Haltestelle vor dem Rathaus tatsächlich im Realbetrieb kostet. Man werde das Thema am Wochenende bei den Haushaltsberatungen von CDU und SPD auf den Tisch bringen, hieß es gestern aus der großen Koalition. Damit ändert sich die Situation erheblich. Nach jahrelangem Stillstand kommt Bewegung in die Sache.

Einzelhändler, Marktbeschicker und Bürger (wie Kommunalpolitiker) fordern die Wiedereinführung des Marktliners – nach der Einstellung aus Kostengründen 2001 – schon seit Jahren. Seit Februar 2014 liegt der Stadtverwaltung ein entsprechender Antrag der FDP-Fraktion vor. Der sei damals zwar von allen Fraktionen begrüßt worden, erinnert sich FDP-Ratsherr Peter Blum am Mittwoch. Trotzdem blieb der Antrag offenbar weitgehend unbearbeitet. Die Aseag wurde nicht einmal mit einer Ausarbeitung und Kostenkalkulation für das Projekt beauftragt.

Das soll nach dem Willen der Mehrheitsfraktionen nun schleunigst nachgeholt werden – auch weil die Stadtverwaltung trotz fehlender Kostenkalkulation generell derzeit keine Luft für ein solches „touristisches Zusatzangebot“ im Rahmen der angespannten Haushaltslage sehen wollte. „Busnetz-Gutachter hatten von der Realisierung abgeraten“, teilte das Presseamt auf AZ-Anfrage mit.

Alles eine Frage des Geldes – und der Prioritäten. Ist etwa eine neue Buslinie zum Dreiländereck sinnvoller als eine Linienführung über den Marktplatz? Minus fährt die Aseag sowieso auf ganzer Linie ein. Zuletzt lag das Defizit bei rund 20 Millionen Euro pro Jahr. Sieben Millionen muss die Stadt zuschießen, weil selbst die Gewinne der Stawag das nicht wie früher ausgleichen können. CDU-Fraktionschef Harald Baal und SPD-Fraktionschef Michael Servos hatten im Frühjahr angekündigt, „den Marktliner im Zusammenhang mit Elektromobilität zu diskutieren“. Doch auch dafür hatten die Busnetz-Gutachter laut Presseamt keine positive Pro-gnose formuliert. All dies soll nun dem Vernehmen nach noch einmal geprüft werden. Was die Liberalen freut: „Es wäre schön, wenn unsere Idee, die alle schon vor knapp zwei Jahren gut fanden, jetzt endlich konkret verfolgt wird“, sagte Blum gestern.

Seit Jahren sind Markt und Rathaus für Bürger und Touristen nur zu Fuß erreichbar. Auch weite Teile der touristisch interessanten Altstadt – etwa Münsterplatz und Dom-Eingang – seien vom Busnetz abgeschnitten. Dies sei auch für ältere Menschen „eine nicht hinnehmbare Situation“, so die FDP.

Die IG Altstadt, in der rund 100 Einzelhändler und Gastronomen organisiert sind, fordert die Wiederbelebung des Marktliners vehement – anders als im Nahverkehrsplan vorgesehen deutlich vor der „Umsetzungsphase III ab 2020“. Die IG könnte sich dabei sogar eine Linienführung durch Fußgängerzonen vorstellen – nicht nur als Modellbetrieb. Die Zustimmung für die kleine Linie wächst.

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