Marktliner angeblich zu teuer, doch keiner kennt den Preis

Von: Robert Esser
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Plädieren für einen Bus-Stopp auf dem Markt: (v.l.) Heinz Gerards, Martin Görg und Martin Luhn. Foto: Jaspers

Aachen. Die Situation ist verfahren: Alle wollen den Marktliner, irgendwie. Aber keiner weiß, was so eine Buslinie über den Aachener Marktplatz kosten würde. Nicht mal die Aseag. Trotzdem soll es die von Einzelhändlern, Kunden und Politikern (fast) aller Fraktionen befürwortete Bushaltestelle auf dem Aachener Marktplatz nicht vor 2020 geben – laut Stadtverwaltung „aus Kostengründen“.

Einzelhändler der vorwiegend inhabergeführten Geschäfte rund um Dom und Rathaus fühlen sich hingehalten. „Immer wieder heißt es, dass der Marktliner – also ein Aseag-Kreisverkehr entlang des inneren Grabenrings inklusive der Anbindung Hauptbahnhof, Bahnhof Schanz und Markt – bald kommt. Aber konkret passiert nichts“, kritisiert Heinz Gerards (Sport Mulack) von der Interessengemeinschaft Altstadt.

„Die Menschen werden älter, der Einzelhandel und der Wochenmarkt vor dem Rathaus sind für viele schlecht oder gar nicht erreichbar. Wir brauchen diese Haltestelle dringend“, fordert Martin Luhn (Yucca Design). Gerade im Hinblick auf den neuen Publikumsmagneten Aquis Plaza am Kaiserplatz müsse die Altstadt dringend enger angebunden werden, sagt er. Martin Görg (Görg & Görg – Wolle und Knöpfe) betont, dass die Zusammenarbeit der rund 100 in der IG organisierten Einzelhändler mit Politik und Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren enorm verbessert wurde.

„Mir scheint, da ziehen jetzt wirklich alle an einem Strang. Das zeigt ja auch die gemeinsame Marketingkampagne ‚Einkaufen in Aachen. Alles drin‘, die alle Akteure gemeinsam auf die Beine gestellt und finanziert haben“, erklärt er. Aber: „Bei der Busanbindung des Marktplatzes rührt sich einfach nichts. Dabei wäre der Einzelhandel sicher bereit, sich an den Kosten zu beteiligen“, sagt Görg. Bloß: Offenkundig weiß niemand, wie hoch diese Kosten – ganz unabhängig vom möglichen Linienverlauf – denn sein könnten.

Stadtsprecher Bernd Büttgens verweist darauf, dass ein Marktliner gemäß des im August abgesegneten Nahverkehrsplans erst in der „Umsetzungsphase III ab 2020“ realisiert werden könne. Vorher sei diese Investition in den Öffentlichen Personennahverkehr „finanziell nicht darstellbar“. Da es aber keinerlei Prüfauftrag in dieser Hinsicht an die Adresse der Aseag gab, existieren in puncto Größenordnung der fraglichen Investitionen keinerlei verlässliche Angaben. Vielleicht 400.000 Euro oder über eine Million? Man weiß es nicht.

„In unserem Haus gab es dafür keinen Auftrag. Da haben wir uns nicht mit beschäftigt. Folglich kennen wir auch die möglichen Kosten der Wiedereinführung des Marktliners nicht“, bestätigt Aseag-Sprecherin Anne Linden. Dabei hatte die FDP eine ebensolche Prüfung zuletzt im Februar 2014 im Stadtrat beantragt – offenkundig letztlich erfolglos.

Auf Geheiß der Politik und aus Spargründen hatte die Aseag den Marktliner 2001 komplett gestrichen. Die Linie war elf Jahre zuvor feierlich in Dienst gestellt worden. Damals wie heute gilt: Auf der Strecke über das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster vor dem Rathaus und in der recht engen Linkskurve vom Markt in die Mostardstraße können nur kleinere Busse eingesetzt werden. Die hatte vor einem Vierteljahrhundert übrigens auch schon der belgische Hersteller Van Hool nach Aachen geliefert – derselbe, der seit Jahren die 25 Meter langen Doppelgelenkbusse alias „Long Wajong“ für die Kaiserstadt produziert.

„Die Anbindung des Marktes an das Aseag-Busnetz wäre ein großer Vorteil. Diesen Wunsch hegen wir schon lange“, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. „Die Kosten dafür wären ja auch abhängig von der Frequenz, also der Anzahl der Busse. Alle zehn Minuten ist natürlich teurer als ein Bus pro halbe Stunde“, erläutert er.

Die IG Marktviertel erwartet nun, dass sich in Sachen „Optimierung des Busverkehrs“ vor 2020 Entscheidendes tut. So sei das schließlich auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD festgelegt. Da könne man schon einmal mit der Verbesserung der Ampelschaltung für die Fußgänger am Elisenbrunnen anfangen, empfiehlt Görg. Dort sei die Situation auch schon seit Jahren ziemlich verfahren.

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