Markthändler sind „stinkig” auf die Stadt

Von: Oliver Schmetz
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Ein traditioneller, aber zurze
Ein traditioneller, aber zurzeit ungeliebter Standort: Die Beschicker des Wochenmarktes kritisieren das Baustellenchaos rund um den Markt und beklagen hohe Umsatzeinbußen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Sonne scheint, ein laues Lüftchen weht, es ist angenehm warm - wenn das kein Markttag wie aus dem Bilderbuch ist. Sollte man meinen. Doch Bernd Krämer steht hinter seinem Stand auf dem Aachener Markt und macht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter.

„Wir sind richtig stinkig”, sagt der 1. Vorsitzende der IG Aachener Wochenmarktbeschicker und blickt missmutig auf seine auch mittags noch prall mit Obst und Gemüse gefüllten Auslagen. Denn wenn die gegen Ende eines Markttages noch voll sind, ist seine Kasse - leer.

„Hier ist es zwar vom Ambiente her normalerweise ganz nett, aber wir verkaufen im Moment kaum etwas”, klagt der Händler. Mit dem netten Ambiente meint Krämer das historische Pflaster im Schatten des Rathauses, allerdings nicht die vielen Stellen, an denen dieses ringsum gerade aufgerissen wird: „Wir sind umgeben von Baustellen, das schreckt viele Kunden ab.” Und per Bus sei der Markt auf dem Marktplatz aktuell auch nicht vernünftig zu erreichen, was vor allem älteren Menschen den Einkauf erschwere. „Viele Leute kaufen hier drastisch weniger ein, weil sie mit den schweren Tüten nicht so weit laufen können.”

Eine der vielen Baustellen in der Nähe befindet sich zwar hinter den Rathausmauern, wirkt aber bis draußen vor die Tür. Da die Toilettenanlagen saniert werden, steht ein großer Klo-Container neben der Rathaustreppe. Unter anderem deswegen hatte die Stadt den Wochenmarkt zu Jahresbeginn dort belassen, wo er wegen des Weihnachtsmarktes ohnehin schon war - am Elisenbrunnen. Während dieser Arbeiten, die bis Mitte April fertig sein sollten, wäre das Durcheinander zwischen Bauarbeitern, Baustellenverkehr, Beschickern und Besuchern zu groß, hieß es Ende vorigen Jahres seitens der Stadt. Man wolle damit vermeiden, dass sich auf dem Markt alle ins Gehege kommen.

Nun hat man die Händler allerdings vorzeitig ins Durcheinander zurückgeschickt, wie der IG-Vorsitzende kritisiert. Ende Februar habe er von der Stadt die telefonische Anweisung erhalten, am 6. März wieder auf den Markt umzuziehen, berichtet Krämer: „Ohne Begründung.” Seine Versuche, den Oberbürgermeister zu erreichen, seien gescheitert. „Der hat nicht zurückgerufen”, sagt der Sprecher der Händler verbittert. „Keiner hört uns an.”

Dabei gehe es für ihn und seine Kollegen finanziell inzwischen ans Eingemachte. Zwischen 30 und 60 Prozent siedelt Krämer die Umsatzeinbußen im Vergleich zum Standort Elisenbrunnen an. Viele Händler reagierten am Markt darauf mit weniger Personal. „Da stehen in letzter Konsequenz auch Arbeitsplätze auf dem Spiel.”

Dass die meisten Marktbeschicker am liebsten dauerhaft ihre Waren am Elisenbrunnen verkaufen würden, daraus macht Krämer keinen Hehl: „Von 29 Händlern sind nur vier für den Standort Markt, und von den Kunden hören wir Ähnliches.” Am Elisenbrunnen sei die Verkehrsanbindung halt optimal. Mit den Bussen, die diesen Standort im Minutentakt ansteuern, brummt auch das Geschäft. Doch sei diese grundsätzliche Frage von der Politik mit Blick auf den traditionellen Standort am Rathaus anders entschieden worden. Damit könne man normalerweise auch leben, sagt Krämer, aber nicht unter den aktuellen Zuständen: „Inmitten von Containern und Baustellen und ohne Busanbindung - das ist doch ein Schildbürgerstreich.”

Die Stadt sieht das indes anders: „Wir haben so schnell wie möglich dafür gesorgt, dass der Markt wieder auf seinen angestammten Platz kommt”, sagt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt. „Und die Beeinträchtigungen durch die Baustellen halten sich in Grenzen.” Dass der OB nicht reagiert habe, kommentiert die Sprecherin so: „Er hat eine Mail erhalten, aber es ist noch nicht zu einem Termin gekommen.”

Solch ein Gespräch könnte aber auch in Zukunft noch lohnend sein. In Kürze beginnen auch in der Mostardstraße Kanalarbeiten. Der Parkhausverkehr wird dann über den Markt geführt, natürlich auch an Markttagen. Für Bernd Krämer ist jetzt schon klar: „Dann wird alles noch schlimmer.”
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