Aachen - „Markt der Möglichkeiten“: Zwischen Gewinnstreben und Ethik

„Markt der Möglichkeiten“: Zwischen Gewinnstreben und Ethik

Von: Tim Habicht
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Jeans ist nicht gleich Jeans: Beim „Markt der Möglichkeiten“ warfen die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs einen kritischen Blick auf Facetten unserer Konsumgesellschaft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hauptsache preiswert? Diese Frage stellt sich im modernen Handel immer wieder. Wenn „Kik“ auf Markenjeans trifft, stellt sich aber auch die Frage: Wie gut sind die teuren Klamotten wirklich?

Denn auch die teuren Marken werden stellenweise unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt oder enthalten Giftstoffe. All diese ökologischen und ökumenischen Faktoren wurden von etwa 60 angehenden Industriekaufmännern und -frauen genauestens unter die Lupe genommen. Beim „Markt der Möglichkeiten“ konnte sie außerdem Aachener Unternehmern in einer Gesprächsrunde Fragen stellen.

Sechs Produkte geprüft

„Sechs verschiedene Produkte, wie etwa Jeans, Kaffee oder Spielwaren wurden von den Schülerinnen und Schülern ganz genau betrachtet. Gestartet wurde die Aktion durch ein fiktives Schreiben, in dem sich die Beteiligten einem Vorwurf stellen mussten. Darauf mussten sie dann reagieren“, beschreibt Christine Stein, Lehrerin und Leitung Industrie am Berufskolleg in der Lothringerstraße. Im Rahmen dieses Projektes erstellte jede Expertengruppe einen Aufsteller zu ihrem Thema. Dort wurde dann beispielsweise die Ökobilanz einer Kinderpuppe aufgelistet. Mit teilweise durchaus erschreckenden Informationen.

„Auch in den teuren Marken-Puppen sind viele Giftstoffe enthalten. Wenn man so eine Puppe seinem Kind schenkt und das dann daran lutscht, dann kann das schnell gefährlich werden“, sagt Eva Schönewald, die in der Expertengruppe Spielwaren war. Natürlich gingen die Schülerinnen und Schüler oft aus der Kundensicht an die Produkte heran. Gerechte Arbeitsbedingungen, ein ökologischer Kaffee-Anbau und faire Preise im Laden. Ein Muss! Aber geht das auch immer alles? „Natürlich muss man als Industriekaufmann oder -frau Verantwortung für seine Produkte übernehmen. Aber in der richtigen Wirtschaft stellt sich oft die Frage: Wie weit kann man gehen und was für Möglichkeiten hat man?“, fragt Stein.

Denn in der freien Wirtschaft geht es zum einen um wirtschaftsethische Fragen aber natürlich auch darum, Gewinn zu erzielen. Wie man mit diesem Konflikt umgeht, haben die 60 Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projektes „Markt der Möglichkeiten“ gelernt. „Wir haben einen tollen Einblick bekommen. Es ist schon erschreckend, wie menschenunwürdig manche große Firmen ihre Mitarbeiter schuften lassen. Da muss man als Industriekaufmann schon darauf achten. Aber auch der Verbraucher muss Verantwortung übernehmen und schauen, was hinter dem Produkt steckt“, beschreibt Fabian Wenzel, der auch in der Spielwaren-Gruppe aktiv war.

Fabian und Eva stellten auch ihre ganz persönlichen Fragen an diverse Aachener Unternehmer, die vor Ort waren und sich mit den angehenden Industriekaufleuten unterhielten. Ein rundum gelungenes Projekt, das vielen jungen Männern und Frauen die Augen öffnete und für empfindliche Themen sensibilisierte. Vom „Markt der Möglichkeiten“, der bereits zum zweiten Mal stattfand, zeigte sich auch Schulleiter Thomas Döring begeistert: „Es ist toll, was die Kollegen hier geleistet haben. Außerdem finde ich es beeindruckend, mit welcher Energie die Schülerinnen und Schüler dabei sind.“

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