Marienschrein: Das neue Schloss schützt die Heiligtümer

Von: Katrin Haas
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Ein Kunstwerk für den Marienschrein: Das von Goldschmied Thomas Zintzen (rechts) gestaltete Schloss wird den Schrein nach der Heiligtumsfahrt sieben Jahre lang schützen. Die Stifter Michaela und Michael Wirtz (Mitte) sowie Dompropst Helmut Poqué (links) bewundern das Schloss bei einem Werkstattbesuch. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eine ruhige Hand sollte Thomas Zintzen haben, wenn er an seinem neuen Werk arbeitet. Zittern ist hier nicht erlaubt, schließlich geht es um Millimeterarbeit. Das Schloss für den Marienschrein, das nach der Heiligtumsfahrt die Tuchheiligtümer verschließen wird, fordert die ganze Aufmerksamkeit des Gold- und Silberschmiedes.

Nach rund 160 Stunden Arbeit wird das goldene Schloss mit einem Durchmesser von 47 Millimetern fertig sein, bereit für die neugierigen Augen der Pilger. Das Ehepaar Michaela und Michael Wirtz hat das Stück gestiftet und sich damit einen langjährigen Traum verwirklicht. Mit Bekannten besuchten sie regelmäßig die Domschatzkammer, wo vor 14 Jahren schließlich die Idee zu einem „eigenen“ Schloss reifte. „2006 haben wir den Zuschlag bekommen“, sagt Michael Wirtz. Da das Schloss für die Heiligtumsfahrt 2007 schon vergeben war, mussten die beiden sich noch ein bisschen gedulden.

Das goldene Kunstwerk wird um ein einfaches Vorhängeschloss gefertigt, an der Rückseite sind zwölf Tansanit-Edelsteine und vorne 45 Blauachate angebracht. Auf der Vorderseite ist die Himmelsscheibe von Nebra dargestellt. „In der Himmelsscheibe stecken so viele Ideen der modernen Zeit, die Grundbegriffe der Schöpfung sind darin vereint“, erklärt Michaela Wirzt ihre Auswahl. Inspiriert wurde sie dabei von Joseph Haydns Oratorium, in dem er die Schöpfung besingen lässt. Das Motto der Heiligtumsfahrt „Zieh in das Land, was ich dir zeigen werde“ (Gen 12,1) ist eingraviert, genauso wie der Psalm Davids 19,1-7: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament“.

Den Psalm hat Michaela Wirtz handschriftlich geschrieben und Zintzen hat dieses dann in den Rand des Schlosses eingraviert. Außerdem sind traditionell die Wappen des Bistums, der Stadt und des Domkapitels abgebildet. „Eigentlich ist alles kompliziert und knifflig“, erklärt Zintzen schmunzelnd seine Arbeit.

Das Schloss schützt in den sieben Jahren zwischen den Heiligtumsfahrten den Marienschrein und wird besonders gesichert. Zuerst wird das Schlüsselloch mit Blei an Ort und Stelle verschlossen. Danach wird auch noch der Schlüssel zersägt: Der Kopf bleibt im Domkapitel, der Schlüsselbart geht an die Stadt. „Dann ist dieses Schloss sieben Jahre nicht zu sehen“, sagt Dompropst Helmut Poqué. Nach diesen sieben Jahren zerschlägt der Schmied den Bügel seines Schlosses, sodass die Heiligtümer wieder freigegeben werden. „Das ist ein wunderschöner Ritus. In die Stille hinein hört man dann die lauten Schläge“, berichtet Poqué.

Das kann für den Schmied zur Nervenaufgabe werden: Denn die Zuschauer zählen oft leise die Anzahl der Schläge mit. Zwischen zwei und 36 Schlägen hat es schon gebraucht. Wenn das Schloss seinen Zweck erfüllt hat, wird es für Besucher in der Domschatzkammer ausgestellt. Für Besucher wird es in diesem Jahr wahrscheinlich auch vor der Heiligtumsfahrt schon möglich sein, das neue Schloss zu betrachten: Erstmalig soll das wertvolle Schmuckstück in der Domschatzkammer schon vor der Heiligtumsfahrt ausliegen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, wenn Thomas Zintzen seine Millimeterarbeit beendet hat.

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