Aachen - Mann soll seine Frau und Kinder in 66 Fällen misshandelt haben

Mann soll seine Frau und Kinder in 66 Fällen misshandelt haben

Von: wos
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Aachen. Religiöser Wahn oder bloße brutale Gesinnung? Vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wird ein Fall verhandelt, bei dem ein 45-jähriger Deutscher arabischer Herkunft in mehr als 60 Fällen sowohl seine vier Kinder wie auch die dazugehörige Mutter misshandelt und oftmals wegen Nichtigkeiten gezüchtigt haben soll – und das über Jahre.

Das wirft jedenfalls die Aachener Staatsanwaltschaft dem einstigen Studenten und heute berufslosen Angeklagten vor, der mit der Familie vor deren Umzug in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Aachen wohnte. Das Ehepaar hielt die Aachener Wohnung auch noch nach ihrem Wegzug in das Emirat Schardscha, das neben Dubai und Abu Dhabi eines von sieben VAE-Mitgliedsländern ist.

Die Mutter der zwei Jungen und zwei Mädchen, die heute zwischen elf und 17 Jahre alt sind, schilderte vor Richter Roland Klösgen, wie das Martyrium mit dem streng gläubigen Moslem begonnen hatte. Mohamed M. werden in 66 Fällen schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen, vor allem des ältesten Sohn, vorgeworfen, darunter finden sich mehr als 20 Fälle von gefährlicher Körperverletzung.

In einem weiteren Fall soll er noch in Aachen im Jahr 2006 seine Ehefrau, eine an der Universität ausgebildete Übersetzerin, mit einem Staubsaugerrohr grün und blau geschlagen haben. Sie saß am Montag im Zeugenstand und versuchte zu erklären, wie es nach dem Umzug in die eher westlich orientierten Emirate am Persischen Golf mit den regelmäßigen Züchtigungen immer schlimmer wurde. Das Paar hatte sich an der Uni kennengelernt, sie sei zum Islam übergetreten, auch deswegen, weil sie den „netten und freundlichen“ Kommilitonen liebte und mit ihn heiraten wollte.

Doch kaum habe er die Heiratsurkunde in den Händen gehalten, gab es gravierende Veränderungen in seinem Verhalten. Sie sollte beispielsweise ab sofort zu Hause bleiben, sich schicklich verhalten und in der Öffentlichkeit Kopftuch tragen, kleinste Verstöße brachten ihn plötzlich zum Ausrasten. Sie verlor wegen der Kopftuchgeschichte ihren Job und bereits da habe er begonnen, mit seinen Ansichten und Vorschriften die Familie zu tyrannisieren.

Ganz schlimm sei es geworden, als sie 2003 nach Schardscha gingen und ab 2006 gänzlich dort wohnten. „Er ließ uns höchstens eine halbe Stunde alleine“, schilderte sie das private Gefängnis. Besonders den großen Jungen habe er heftig mit Haushaltsgegenständen geschlagen, sogar in solchem Maße, dass Nachbarn aufmerksam wurden. Die ältere Tochter durfte ab dem achten Lebensjahr nur in einer Art Burka vor die Tür.

Er sei andauernd in die Moschee gegangen und habe sie, die Ehefrau, als „unreine Schlampe“ und als „faul“ beschimpft, dann gab es heftige Züchtigungen für sie alle. Dabei verdiente sie den Unterhalt, versorgte die Kinder und putzte die Wohnung, wenn er beten ging. Im Jahr 2011 plante sie die Flucht zurück nach Deutschland und zeigte ihn – dort angekommen – sofort an. Der Prozess geht an diesem Mittwoch weiter.

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