Mann läuft mit Machete durch Eilendorf

Von: Stephan Mohne
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Mit mehreren Streifenwagen war die Polizei am Freitagabend in Eilendorf im Einsatz, um einen verwirrten 25-jährigen Mann zu verhaften. Symbolfoto: Colourbox

Aachen. Als am Freitagabend die Amoktat eines 18-Jährigen in München ihren tödlichen Lauf nahm, da gab es fast zeitgleich auch in Aachen einen Polizeigroßeinsatz. Es war kurz nach 21 Uhr, als aus dem Stadtteil Eilendorf mehrere Notrufe in der Polizeileitstelle eingingen.

Denn auch dort versetzte ein bewaffneter Mann Anwohner in Angst und Schrecken. Zeugen meldeten der Polizei, dass im Bereich Severinstraße/Hansmannstraße jemand herumlaufe, der eine Machete schwinge.

Eine Zeugin berichtete, der Mann sei außer mit der Machete auch noch mit einem Messer bewaffnet. Die Polizei veröffentlichte den Vorfall zunächst nicht, bestätigte ihn jedoch Montagmorgen auf Anfrage unserer Zeitung.

Etliche Streifenwagen im Einsatz

Laut Polizeisprecher Paul Kemen waren die ersten Notrufe um 21.03 Uhr eingegangen. Man habe daraufhin etliche Streifenwagen in Bewegung gesetzt. Mehr als ein halbes Dutzend Fahrzeuge sei nach Eilendorf beordert worden.

Unter anderem ergriffen Eltern mit ihren Kindern die Flucht, die den Tag noch auf dem Spielplatz an der Hansmannstraße ausklingen ließen. Zunächst trafen die Beamten den Bewaffneten nicht an, dann aber doch. Und zwar in dem Moment, als er wieder in seine Wohnung zurückkehren wollte. Der Mann sei festgenommen worden und habe sich dann freiwillig in die Psychiatrie des Alexianer-Krankenhauses einweisen lassen.

Eine derartige freiwillige Einweisung bedeutet, dass die behandelnde Klinik einen Patienten nicht gegen dessen Willen festhalten darf. Es sei denn, die Ärzte diagnostizieren eine psychische Erkrankung und stellen gleichzeitig fest, dass derjenige eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt. Zudem entscheide über eine zwangsweise Unterbringung nicht das Krankenhaus. Es bedürfe dafür von Gesetzes wegen immer einer richterlichen Anordnung, wie es am Montag auf Anfrage bei der Alexianer Aachen GmbH hieß.

Ansonsten dürfe der Patient auch gegen ärztlichen Rat jederzeit gehen. Zwar macht das Krankenhaus zum konkreten Fall aus Datenschutzgründen keine Angaben. Aber wie beschrieben muss es hier abgelaufen sein, denn nach AZ-Informationen war der 25-Jährige schon am Samstag wieder in seiner Wohnung in Eilendorf.

Die war nach dem Vorfall am Freitagabend auch von der Polizei in Augenschein genommen worden. Dabei fanden die Beamten zwei Macheten, eine weiße Maske und ein weißes Pulver. Um welche Substanz es sich dabei handelte, konnte am Montag noch nicht gesagt werden.

Insofern herrscht auch bei der Polizei Ratlosigkeit. „Wenn der Mann wieder aus der Psychiatrie entlassen wurde, sind wir mit unserem Latein am Ende“, sagt Paul Kemen. Dabei ist der in Aachen geborene 25-Jährige der Polizei alles andere als unbekannt. Die Liste der Delikte, wegen derer bisher gegen ihn ermittelt wurde, ist lang: Bedrohung, Freiheitsberaubung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Drogenvergehen, Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung und nun erneut Bedrohung.

Zeugen berichten etwa von einem Vorfall vor einigen Wochen, als der Mann ein Schnellrestaurant, das sich in seinem Wohnhaus befindet, betreten, sich Messer genommen und Anwesende bedroht habe. Seinerzeit und auch am Freitag gab es keine Verletzten.

Die Nachbarschaft allerdings hat – insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten bundesweiten Schreckensmeldungen, aber auch wegen des offenbar labilen psychischen Zustands des 25-Jährigen – Angst, dass sich das ändern könnte.

Angst ist ohnehin in diesen Tagen ein weit verbreiteter Alltagsbegleiter. Amok und Terror in kurzer zeitlicher Abfolge – das ist das Gesprächsthema schlechthin. Amokdrohungen verzeichnet auch die Aachener Polizei immer wieder. 2014 waren es sieben, 2015 drei und dieses Jahr bislang eine, wie Kemen auflistet.

Meist handelt es sich um Drohungen an Schulen gegen einzelne oder mehrere Personen. „Wir nehmen das in jedem Einzelfall sehr ernst“, so der Polizeisprecher. Meist würden die in der Regel jugendlichen Verursacher ermittelt. Sie würden dann mittels „Gefährderansprachen“ intensiv ins Gebet genommen.

Ihnen werde die – auch strafrechtliche und wegen möglicher Regressforderungen finanzielle – Tragweite ihres Handelns vor Augen geführt. Waffen seien in diesen Fällen nie gefunden worden.

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